München/Nürnberg, 4. März 2026. – Anlässlich der anstehenden Kommunalwahlen am 8. März 2026 haben fünf Tier- und Artenschutzorganisationen die Nürnberger Oberbürgermeisterkandidaten von CSU, SPD und Grünen um eine Stellungnahme zur Tötung gesunder Guinea-Paviane im Tiergarten Nürnberg gebeten. Das Fazit ist ernüchternd: Statt sich klar zum Tierschutz zu bekennen, rechtfertigen die Kandidaten die Tötung der Affen.
„Die Reaktionen der Nürnberger OB-Kandidaten zeigen, dass keiner von ihnen bereit ist, die Tötung gesunder Tiere im Tiergarten grundsätzlich infrage zu stellen und strukturelle Konsequenzen zu ziehen. Das Tierschutzgesetz, demzufolge eine Tötung von Tieren ohne vernünftigen Grund strafbar ist, wird hier missachtet“, so Laura Zodrow von Pro Wildlife im Namen des Organisations-Bündnisses.
Hintergrund: Massiver öffentlicher Protest, wenig politische Reaktionen
Im Juli 2025 hatte der Tiergarten Nürnberg zwölf gesunde Guinea-Paviane getötet, mit der Begründung, die Gruppe sei zu groß für die Anlage. Der Fall löste bundesweit Empörung aus. Mehr als 350 Strafanzeigen wurden gegen die Verantwortlichen des Zoos gestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelt noch. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA-Consulere zeigt: 69 Prozent der Befragten lehnen die Tötung der Tiere ab.
Anlässlich der Kommunalwahl haben Pro Wildlife, Bund gegen Missbrauch der Tiere, Deutscher Tierschutzbund, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz und PETA Deutschland die OB-Kandidaten von CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen befragt. Die Antworten der Kandidaten sorgen bei den Verbänden für Unverständnis und Enttäuschung.
CSU: Vertrauen auf die Tiergarten-Leitung, ohne kritische Distanz
OB-Kandidat König (CSU) bezeichnet die Tötung als „verantwortungsvoll, rechtlich fundiert und letztlich alternativlos“. Er spricht sich zwar für “vorausschauende Zucht- und Populationsplanung” aus, bleibt dabei aber vage – verbindliche Vorgaben für den Tiergarten fehlen.
SPD: Rückendeckung für den Zoo, Schweigen zu Alternativen
Die SPD betont, auf die Kompetenz der Tiergartenleitung stets vertraut zu haben, und lobt diese als „ehrlich, seriös und transparent“. Zum eigentlichen Kern – ob die Tötung tierschutzrechtlich und ethisch gerechtfertigt war – verweigert die Fraktion mit Verweis auf laufende Gerichtsverfahren eine weitergehende Stellungnahme.
Bündnis 90/ Die Grünen: Verfütterung an Raubtiere befürwortet
Die Grünen sprechen sich grundsätzlich für eine Haltung mit dem Ziel der Auswilderung aus – und befürworten, falls keine andere Unterbringung möglich sei, eine „Verfütterung an Raubtiere”. Konkrete Forderungen, künftige Tötungen durch strukturelle Maßnahmen wie konsequente Sterilisation zu verhindern, bleiben jedoch aus.
Tierschutzorganisationen fordern klare Haltung
„Die Stadt Nürnberg ist Träger des Tiergartens und trägt damit auch die Verantwortung für die Tiere darin“, betonen die Tier- und Artenschutzorganisationen. Dass kein einziger Kandidat verbindliche Maßnahmen fordert – wie eine Abkehr von der verantwortungslosen Praxis, Tiere unkontrolliert zu züchten und dann aus Platzmangel zu töten – sei ein klares Signal fehlender tierschutzpolitischer Ambition. „Tierschutz ist Staatsziel – das darf nicht nur auf dem Papier stehen”, so die Organisationen. Die Tierschützer kritisieren, dass der Zoo seit der Tötung der 12 Tiere weiterhin unbeirrt züchtet und seither mindestens zwei Pavianbabys zur Welt kamen.


