Gezüchtet, vermarktet, erschossen: Löwen sterben für billige Trophäen

Vor Europas größter Jagdmesse: Neuer Bericht kritisiert Abschüsse gezüchteter Tiere – auch durch deutsche Jäger*innen

München, 22. Januar 2026.   Kurz vor Beginn der JAGD & HUND – Europas größter Jagdmesse – am 27. Januar 2026 in Dortmund, veröffentlicht die Tier- und Artenschutzorganisation Pro Wildlife einen neuen Bericht über die Gatterjagd auf Löwen. Besonders brisant: Deutsche Jäger*innen beteiligen sich an einer tierschutzwidrigen Industrie, die Löwen systematisch ausbeutet. Und genau diese Jagdangebote werden auch auf der Dortmunder Messe beworben. „Der Abschuss gezüchteter Löwen ist der grausame Endpunkt einer lebenslangen Ausbeutung“, erklärt Dr. Mona Schweizer, Biologin und Trophäenjagd-Expertin von Pro Wildlife. „Diese Tiere werden zunächst als Welpen für Foto- und Kuschelangebote missbraucht und später als billige Trophäen verkauft. Die Vermarktung dieser perfiden Angebote auf der JAGD & HUND sowie die Einfuhr von Jagdtrophäen muss endlich gestoppt werden.“

Trauriges Leben auf Jagd-Farmen

Mehr als 8.000 Löwen vegetieren in Südafrika auf Zuchtfarmen dahin – mehr als doppelt so viele wie dort in freier Natur leben. Die Raubkatzen werden gezielt für die sogenannte Gatterjagd gezüchtet: den Abschuss in umzäunten Gehegen, aus denen es kein Entkommen gibt. Offiziellen Zahlen zufolge stammen seit 2015 durchschnittlich 87 Prozent der nach Deutschland importierten Löwentrophäen von solchen Zuchtlöwen.

Der Bericht beleuchtet die gravierenden Tier- und Artenschutzprobleme der Gatterjagd: Schlechte Haltungsbedingungen, Inzucht mit dramatischen gesundheitlichen Folgen, fehlende Kontrollen und mangelnde Sanktionen. Selbst nationale und internationale Jagdverbände lehnen die Gatterjagd als unethisch ab.

Löwenabschüsse als Schnäppchenangebote

Obwohl die Gatterjagd seit langem massiv in der Kritik steht, sind Vermarktung und Einfuhr in Deutschland noch immer legal. Die Recherchen von Pro Wildlife zeigen das ganze Ausmaß der morbiden Schnäppchenjagd auf bedrohte Tiere: „Im Vergleich zu Abschüssen wilder Löwen, mit Einstiegspreisen von meist 20.000 bis 25.000 Euro, werden Zuchttiere geradezu verramscht. Preise unter 10.000 Euro sind keine Seltenheit. Der Abschuss einer Löwin kostet nur ungefähr die Hälfte. Diesjährige Messe-Aussteller führen Angebote für männliche Löwen ab 10.800 und Löwinnen für 5.800 Euro“, so Schweizer.

Pro Wildlife fordert Einfuhr- & Vermarktungsverbot

Die Jagdmesse „JAGD & HUND” hatte die Vermarktung von Gatterjagdangeboten vor zehn Jahren untersagt, das Verbot jedoch 2024 stillschweigend wieder aufgehoben. Südafrikas Regierung kündigt seit Jahren ein Verbot der Gatterjagd an, setzt es aber nicht um.

Auch die Bundesregierung bleibt bisher untätig. Während andere europäische Länder Importverbote für Trophäen geschützter Arten erlassen haben, werden in Deutschland weiterhin Einfuhrgenehmigungen erteilt – sogar für Tiere aus der von allen Seiten abgelehnten Gatterjagd. „89 Prozent der Deutschen lehnen Trophäenimporte ab. Die Politik muss endlich handeln“, so Schweizer.

„Diese Löwenfarmen sind eine tierquälerische Ausbeutungsindustrie, die auf Massenproduktion setzt, um den Trophäenjäger*innen Löwen zum Schnäppchenpreis bieten zu können. Das ist nicht mit dem deutschen Tierschutzgesetz vereinbar,“ betont die Pro Wildlife Expertin. „Wir fordern ein sofortiges Verbot – sowohl für die Vermarktung dieser Angebote als auch für die Einfuhr von Trophäen.“

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