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Große Pandabären gibt es weltweit nur in wenigen Zoos. Die chinesische Regierung gibt die Tiere als teure Leihgaben für eine Jahresgebühr von einer Million Euro pro Paar an Staaten, mit denen sie ihre diplomatischen Beziehungen stärken will. Die Haltung von Pandas in ausländischen Zoos ist vor allem ein politisches und finanzielles Geschäft. Für die Zoos steigern Pandas nicht nur das Prestige sondern auch die Besucherzahlen sowie die Einnahmen aus Ticketverkauf, Sponsoring und Merchandising. Nach Berlin will nun auch der Münchner Zoo Pandas aus China holen.
Zucht am Fließband

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten 126 Große Pandas in Gefangenschaft, mittlerweile sind es mehr als 700. Dabei bekommen Pandas in Gefangenschaft nur selten auf natürlichem Wege Nachwuchs. Chinas Panda-Zuchtstationen haben sich daher auf die künstliche Befruchtung der Tiere spezialisiert. Eine Prozedur, die alles andere als tiergerecht ist: Eine Auswertung der New York Times (Video) von Zoodokumenten und veterinärmedizinischen Protokollen berichtet von unzureichend betäubten Tieren, Verbrennungen, Verletzungen und einem Todesfall. Doch nicht nur Chinas Zuchtstationen wenden diese fragwürdige Methode an, auch Zoos in Amerika und Europa, wie zum Beispiel der Zoo Berlin, lassen eigens „Sperma-Teams“ aus China einfliegen, um für Nachwuchs bei Pandas zu sorgen. Denn Panda-Babys sind noch begehrter, als die Elterntiere, sorgen sie doch für mediale Aufmerksamkeit, Besucherrekorde und Umsatz im Zoo-Souvenirshop. Schon kurz nach der Geburt seiner jüngsten Panda-Zwillinge bot der Zoo Berlin exklusive Pandatouren an, für 460 Euro pro Stunde.
Bislang war der Zoo Berlin der einzige deutsche Zoo, der Pandas aus China erhalten hat: Seit Sommer 2017 leben dort Jiao Qing und Meng Meng. Die ersten Tiere, die als Staatsgeschenk 1980 nach Berlin kamen, hatten niemals Nachwuchs. Meng Meng hingegen brachte im August 2024 bereits das zweite Mal Jungtiere zur Welt, gezeugt mittels künstlicher Befruchtung – was für einen Anstieg bei Besucherzahlen und Medienberichte sorgte. Im Januar 2026 wurde durch Medienberichte bekannt, dass auch der Münchner Tierpark Hellabrunn sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder Chinas Panda-Politik unterstützen und Pandas aus China ausleihen wollen. Alleine in den Bau eines neuen Geheges will die Staatsregierung 18 Millionen investieren. Schätzungsweise 10 weitere Millionen Steuergelder werden für die Leihgebühren für 10 Jahre fällig – zusätzliche Leihgebühren für möglichen Nachwuchs sowie Kosten für Tierpfleger, Ärzte und Futter nicht mit eingerechnet
Während deutsche Zoos zu den monetären Details der Pandahaltung schweigt, berichten andere Zoos ganz offen, dass sich mit den schwarz-weißen Bären Besucher- und Einnahmenrekorde erzielen lassen.
Politik und Profit statt Artenschutz
Weltweit werden derzeit über 50 Pandas in Zoos außerhalb Chinas gehalten. Sie alle sind lediglich Leihgaben, für die eine Gebühr von rund 1 Millionen Euro pro Jahr und Elternpaar an China gezahlt werden muss. Für in ausländischen Zoos geborenen Nachwuchs wird laut Medienberichten eine Extra-Gebühr von 800.000 Euro pro Jungtier fällig. Auch sie sind Eigentum des chinesischen Staates und müssen nach wenigen Jahren dorthin abgegeben werden.
Die Haltungsbedingungen scheinen für den Verleih der tierischen Diplomaten wenig relevant zu sein: So findet man die scheuen Waldbewohner nicht nur umgeben von künstlichen Pagoden mitten in Berlin, sondern auch in einem futuristischen Betonklotz im heißen Wüstenstaat Katar.
Panda-Diplomatie
Tatsächlich sind für die Abgabe von Pandas an ausländische Zoos die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen China und dem Empfängerstaat ausschlaggebend. Dies wird gemeinhin als Panda-Diplomatie bezeichnet.

Die Abgabe zweier Pandas an den Zoo Berlin wurde von der damaligen Kanzlerin Angela Merkel persönlich anlässlich eines Staatsbesuchs in Peking auf den Weg gebracht. Zu der Eröffnung des rund 10 Millionen Euro teuren „Panda-Garden“ im Jahr 2017 reiste Chinas Staatschef Xi Jinping persönlich an. In seinem Beisein würdigte Kanzlerin Merkel Jiao Qing und Meng Meng als „sehr sympathische Diplomaten“, die „symbolisch für die Freundschaft zwischen Deutschland und China“ stehen.
Den in Medienberichten angekündigten Panda-Deal für den Münchner Zoo Hellabrunn soll Medienberichten zufolge der bayrische Ministerpräsident Söder auf einer umstrittenen Chinareise im Jahr 2024 eingefädelt haben.
„Wir sehen nur das Schöne, das, was uns glücklich macht, also die niedlichen Pandas. Dabei vergessen wir vielleicht die problematischen Aspekte unserer Beziehungen mit China.“
Claus Soong, Politikwissenschaftler im Mercator Institute for China Studies
In den 1970er Jahren fing China für seine Panda-Diplomatie die Tiere zu Dutzenden in den Wäldern. Mehr als siebzig Bären wurden allein für die Abgabe an ausländische Zoos eingefangen. Zusammen mit Umweltverschmutzung und der Zerstörung des Lebensraums trug dies zu einem massiven Rückgang der Panda-Population bei.
Symboltier des Artenschutzes
Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Panda in Europa und den USA zu einem Symboltier für den Kampf gegen das Artensterben. Für seine Rettung wurde eine Vielzahl an Spendenkampagnen ins Leben gerufen. Viele Millionen flossen seither an eine autokratische Regierung, die u.a. wegen Menschenrechtsverletzungen, totalitärer Überwachungsmethoden und massiver Umweltverschmutzung in der Kritik steht. Hinzu kommen die Panda-Leihgebühren ausländischer Zoos, geschätzt ein zweistelliger Millionenbetrag jährlich; mehr als für irgendein anderes Arterhaltungs-Programm ausgegeben wird. Kürzlich von der New York Times veröffentlichte Unterlagen lassen Zweifel an der Verwendung der Gelder aufkommen, denn finanziert wurden unter anderem der Bau von Appartementgebäuden, von Straßen sowie die Anschaffung von Computern und Fernsehern für lokale Regierungsbüros. Der Lebensraum der Pandas ist hingegen trotz der vielen Millionen Dollar seit 1980 weiter geschrumpft.
Die chinesische Regierung meldet trotzdem, dass sich die Bestandszahl des Großen Pandas erholt hätte. Sie erhebt alle 10 Jahre Bestandszahlen. Zuletzt wurden diese 2013 veröffentlicht, das Ergebnis waren 1864 Tiere (IUCN). Aber diese Zahl ist wissenschaftlich umstritten, denn wie sie erfasst wurde, ist unbekannt. Zudem ist sie angesichts der ausländischen Millionen, die in den Panda-Schutz geflossen sind, hoch politisch.
Panda-Auswilderung: eine traurige Bilanz
Die Panda-Zuchtstationen, in deren Ausbau ebenfalls Leihgebühren aus Zoos geflossen sind, haben sich mittlerweile zu beliebten Touristenattraktion und damit einer rentablen Einnahmequelle entwickelt. Allein die Forschungsstation in Chengdu, mit der der Zoo Berlin kooperiert, wird schon jetzt von 11 Millionen Menschen jährlich besucht und geht davon aus, dass es bald 20 sind – mehr Besucher als Disneyland jährlich hat. Dank künstlicher Befruchtung weisen sie eine beachtliche Nachzucht-Bilanz auf, doch die Zahl der Auswilderungen ist extrem bescheiden.

Laut der staatlichen Forstverwaltung in China wurden zwischen 2003 und 2018 nur 12 Pandas ausgewildert. Zwei der Tiere starben innerhalb kürzester Zeit, sechs weitere starben bereits vor der Auswilderung im Rahmen des Trainings für die Auswilderung. Ob die ausgewilderten Tiere in Freiheit überlebt und sich vermehrt haben und damit zum Erhalt der Population beitragen, ist unbekannt. Die Sender, mit denen sie ausgestattet wurden, haben nur eine Haltbarkeit von etwa 18 Monaten, danach verliert sich ihre Spur.
Insgesamt wurden mehr Pandas aus der Natur entnommen als ausgewildert. Denn auch wildlebende Pandas, die krank oder verletzt gefangen wurden, ließ man oftmals nicht wieder frei, sondern setzte sie für die Zucht ein.
Von den in Europa und Amerika mit viel Geld und Mühe nachgezüchteten Pandas, wurde bisher kein einziges Tier ausgewildert. Dies ist auch gar nicht vorgesehen, denn die Überlebenschancen wären gering. Schließlich sind die Tiere unter absolut artwidrigen, künstlichen Bedingungen aufgewachsen. So wie die 2024 im Zoo Berlin geborenen Panda-Zwillinge, die schon kurz nach der Geburt regelmäßig der Mutter weggenommen, von den Pfleger*innen gemessen, gewogen und in einem Inkubator untergebracht wurden. Nur um sie wenige Wochen später vor großen Menschenmassen zu Schau zu stellen. Angesichts dieser Umstände ist nachvollziehbar, dass viele der scheuen Waldbewohner in Gefangenschaft schwere Verhaltensstörungen zeigen.
Artenschutz sieht anders aus
Mit Artenschutz hat die Pandahaltung und -zucht in Gefangenschaft nichts zu tun. Vielmehr geht es um Profit, Prestige und Politik. Während Tausende Tierarten akut vom Aussterben bedroht sind, werden viele Millionen Euro für die Haltung und Zucht einer einzigen Art ausgegeben, die sich aufgrund ihrer Seltenheit und ihres niedlichen Aussehens besonderer Beliebtheit erfreut.
Der als Artenschutz dargestellte Zuchterfolg täuscht dabei über die wirkliche Problematik hinweg: Nur wenn es gelingt, Lebensraum und Wanderrouten der Tiere in China zu erhalten, können die Großen Pandas vor dem Aussterben bewahrt werden. Dazu sind effektive Schutzgesetze notwendig, die den Schutz der Natur in China voranbringen und die Umweltzerstörung eindämmen. Ansonsten werden Pandas trotz der vielen Millionen, die angeblich für den Erhalt der Art gezahlt wurden, irgendwann nur noch als traurige ‘Diplomaten‘ hinter Gittern leben.

