Wer ist das größte Tier der Welt? Welcher Säuger hat die längste Lebenserwartung? Und wer kann am längsten die Luft anhalten?

Wale – Echt rekordverdächtig

Wal Wale Buckelwal im Sprung

Buckelwal

Waltiere sind keine Fische, sondern Säugetiere, die vor etwa 50 Millionen Jahren den Weg zurück vom Land ins Wasser nahmen. Sie sind ein echter Evolutionserfolg und kommen in allen Weltmeeren vor. Etwa 90 Arten Waltiere (Cetacea) gibt es – die sich in Bartenwale (Mysticeti) und Zahnwale (Odontoceti) aufteilen. Neben Großwalen gehören auch Kleinwale und Delfine zu den Waltieren. Die meisten Großwale wie zum Beispiel Blauwal, Finnwal oder Buckelwal sind Bartenwale, auch Furchenwale genannt. Diese Riesen ernähren sich vornehmlich von Plankton (also Kleinstlebewesen im Meer), das sie mit ihren etwa 200 Hornplatten (Barten) aus dem Wasser filtern. Bartenwale werden mindestens sechs Meter lang und sie haben im Gegensatz zu Zahnwalen zwei Blaslöcher. Der einzige Vertreter der Zahnwale unter den Großwalen ist der Pottwal, der sich wie alle Zahnwale von Fisch und Wirbellosen (z.B. Kraken) ernährt. Die anderen Zahnträger zählen zu den Kleinwalen und Delfinen.

Die Giganten der Meere

Pottwal mit Kalb © Tomas Kotouc

Pottwal mit Kalb © Tomas Kotouc

Mit bis zu 33 Metern Länge und bis zu 200 Tonnen Gewicht ist der Blauwal (Balaenoptera musculus) das größte Tier der Erde – ein Rekord, an den auch kein Dinosaurier je herankam. Ein Blauwal ist so schwer wie 40 Elefanten, allein sein Herz wiegt bis zu eine Tonne. Und es gibt noch mehr Rekordhalter: Pottwale (Physeter macrocephalus) können dank einer galertartigen Masse in ihrem riesigen Kopf, die ihnen den englischen Namen „sperm whale“ einbrachte, Tauchgänge von bis zu 100 Minuten leisten. Weil man Tiefseefische und -kraken in ihrem Magen fand und weil sie sich ab und zu in Tiefseekabeln verfangen, weiß man, dass Pottwale bis zu 3.000 Meter tief tauchen können. Grönlandwale (Balaena mysticetus) können ein stattliches Alter von über 200 Jahren erreichen, womit sie sogar Riesenschildkröten übertreffen und somit den Altersrekord der Säugetiere anführen.

Perfekt angepasst an ein Leben im Wasser

Wale besitzen neben einem stromlinienförmigen Körper ein speziell an ein Leben im eisigen Wasser angepasstes und sehr effektives Atmungs- und Kreislaufsystem. Bei jedem Atemzug kann ein Wal 90 Prozent des Luftvolumens seiner Lunge austauschen und der Luft doppelt so viel Sauerstoff entziehen wie ein Landsäuger. Im Vergleich dazu können wir Menschen beim Luftholen nur etwa 15 Prozent der Atemluft wechseln. Außerdem haben Wale eine stark ausgeprägte Isolationsschicht, die bei manchen Arten bis zu einem halben Meter Dicke erreichen kann. Neben den Seekühen sind Waltiere die einzigen Säugetiere, die vollständig an ein Leben im Wasser angepasst sind und nur dort überleben können. Daher führen Strandungen nicht selten zum Tod der Tiere, da die Kolosse von ihrem eigenen Körpergewicht erdrückt werden oder aufgrund der ausgeprägten Isolationsschicht an Überhitzung sterben.

Wanderrouten

Blauwalfluke © Scott Trageser

Blauwalfluke © Scott Trageser

Saisonale Wanderungen sind bei Walen keine Seltenheit. Vor allem Großwale wandern jedes Jahr lange Strecken zwischen Geburtsstätten und Nahrungsrevieren. So sind Blauwale etwa vier Monate unterwegs, um von den tropischen Winterquartieren und Geburtsstätten ihrer Jungtiere bis in die nahrungsreiche Arktis und Antarktis zu gelangen. Grauwale legen eine Strecke von 15.000 bis 20.000 Kilometer pro Jahr zurück, also im Laufe ihres Lebens die Strecke von der Erde bis zum Mond und zurück. Rekordhalter der längsten Wanderstrecken unter allen Säugetieren sind die Buckelwale.

Wale leben in Schulen

Die meisten Wale sind sehr soziale Tiere und leben in Gruppen, den sogenannten Schulen zusammen, die in der Regel aus 10 bis 50 Tieren bestehen, aber während Nahrungsbooms und Paarungszeiten auch über 1000 Tiere umfassen können. Sie gehen gemeinsam auf Jagdzüge und haben ein ausgeprägtes Kommunikationsverhalten. So können sich Buckelwale aufgrund der Tiefe ihres Gesangs über eine Distanz von etwa 2.500 km unterhalten. Die starken sozialen Bindungen innerhalb der Gruppe sind nicht selten Schuld daran, dass die Tiere einem gestrandeten Individuum in den Tod folgen, wie oft beispielsweise bei Grindwalen beobachtet werden kann.

Harpunen und andere Gefahren

Zwergwale © Ash Lambert

Zwergwale © Ash Lambert

Lange waren Harpunen und Speere die größten Gefahren für Wale. Erst seit dem kommerziellen Walfangmoratorium 1986 ist der Walfang verboten. Trotzdem jagen Japan, Island und Norwegen circa 1.200 Tiere jährlich. Zudem kollidieren Wale mit Fischerbooten oder werden von Schiffsschrauben verletzt. Unterwasserlärm durch Windparks, Ölplattformen oder Schiffsverkehr stört die Orientierung und die Kommunikation der Waltiere. Giftstoffe sammeln sich an und verringern die Fruchtbarkeit und die Lebenserwartung der Tiere. Außerdem werden immer wieder Wale an den Strand gespült, in deren Magen sich Berge von Plastikmüll finden – die Tiere sind qualvoll verhungert.

Einige Arten sind mittlerweile stark dezimiert. Der Nordkaper (Eubalaena glacialis) gehört zu den seltensten Großwalen der Erde. Schätzungen zählen nur noch rund 450 Tiere, wobei erschwerend hinzukommt, dass es sich dabei größtenteils um männliche Tiere handelt.

Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife kämpft international gegen den Fang von Walen und klärt die Öffentlichkeit über das Vorgehen der drei Walfangnationen auf. Dazu nimmt Pro Wildlife an internationalen Konferenzen teil und veröffentlicht Hintergrund-Dokumentationen für Entscheidungsträger.
Blauwal Fluke © Lynsey Smyth

Blauwal Fluke

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