Der Schimpanse, unser nächster Verwandter

Sehen wir einen Schimpansen, erinnert er uns stark an uns selbst: Gesicht, Hände, sogar Fingernägel ähneln uns sehr. Und tatsächlich: Der Schimpanse ist mit einer genetischen Übereinstimmung von 98 Prozent unser nächster Verwandter.
  • Status: Stark gefährdet
  • Population: 170.000 – 300.000 Tiere
  • Lebensraum: Regenwald und baumarme Savannen
  • Verbreitung: Mittleres Afrika

Schimpansen können bis zu 60 Jahre alt werden

Gemeinsam mit den Orang-Utans, den Gorillas und dem Menschen bilden die Schimpansen die Familie der Menschenaffen. Zur Gattung der Schimpansen zählen zwei Arten: der Gemeine Schimpanse (Pan troglodytes), der in Äquatorialafrika zu finden ist, und der nur in der Demokratischen Republik Kongo vorkommende Bonobo (Pan paniscus). Es gibt insgesamt vier Unterarten des Gemeinen Schimpansen, darunter der  Nigerianisch-Kamerunische Schimpanse (Pan troglodytes ellioti), der mit nur 6.000 bis 9.000 Tieren am seltensten ist. In der Internationalen Roten Liste wird unser nächster Verwandter als stark gefährdet eingestuft. Ende des 20. Jahrhunderts gab es noch ein bis zwei Millionen Schimpansen, inzwischen sind es weniger als 300.000 Tiere.

Schimpanse © Limbe Wildlife Centre

Schimpanse © Limbe Wildlife Centre

Schimpansen sind sehr sozial und leben in Großgruppen, die sich aus bis zu 150 Tieren zusammensetzen. Oftmals spalten sich die Gruppen in Untergruppen auf und trennen sich zeitweise beispielsweise zur Nahrungssuche, kommen aber zur Nachtruhe in ihren Schlafnestern wieder zusammen. Während Schimpansen-Männchen ihr ganzes Leben in derselben Gemeinschaft verbringen, verlassen die meisten Weibchen ihre Geburtsgruppe, sobald sie erwachsen sind.
Bonobo © Roberto Isotti

Bonobo © Roberto Isotti

Die Lebenserwartung von Schimpansen liegt bei rund 60 Jahren. Sie werden bis zu 170 Zentimeter groß, Weibchen bis zu 50 Kilogramm und Männchen bis zu 70 Kilogramm schwer; und sie werden bis zu siebenmal so stark wie ein Mensch! Obwohl der Bonobo auch „Zwergschimpanse“ genannt wird, ist er annähernd so groß wie der Gemeine Schimpanse. Unterscheiden kann man die beiden Arten am besten am Kopf: Der Bonobo hat ein dunkles Gesicht mit rosafarbenen Lippen, eine flachere Stirn und oft eine gescheitelte Frisur.

Auch im Sozialverhalten unterscheiden sie sich: Im Gegensatz zu den Gemeinen Schimpansen sind Bonobos sehr friedfertig, matriarchalisch strukturiert und werden oft von Weibchen angeführt. Berüchtigt sind sie für ihr aktives Sexualverhalten. Die „Hippie-Affen“ lösen Konflikte mit Sex, in beliebiger Geschlechterkombination.

Alle Schimpansen sind Allesfresser, ernähren sich aber überwiegend von Pflanzen, Früchten und Nüssen sowie Insekten. Ab und zu stehen aber auch kleinere Säugetiere auf dem Speiseplan. Bei den Gemeinen Schimpansen geht der Clan gemeinsam auf die Jagd nach Buschschweinen, Buschböcken, Waldantilopen und Stummelaffen.

Gruppen bilden Kulturen aus

Schimpansen-Familie

Schimpansen-Familie

Weibchen bekommen ihr erstes Kind im Schnitt mit 13 Jahren und dann etwa alle fünf bis sechs Jahre (meist ein Baby, selten Zwillinge), das sie dann acht bis neun Monate säugen. Anfangs klammert sich das Baby an den Bauch der Mutter, später wird es auf dem Rücken getragen. Der Nachwuchs bleibt bis zu zehn Jahre in der Nähe der Mutter. Stirbt ein Weibchen, kümmern sich die älteren Geschwister oder der Clan um ihre Kinder.

Regional weisen die Schimpansen-Clans kulturelle Unterschiede auf. Schimpansen geben ihr Wissen an ihre Nachkommen weiter. So entstehen Traditionen und Kulturen, die sich beispielsweise beim Werkzeuggebrauch zeigen. Bei diesen Menschenaffen wurde auch beobachtet, dass rangniedrigere Tiere ranghöhere Artgenossen täuschen, um an Leckereien zu kommen: Sie starren so lange an eine andere Stelle im Wald, bis das ranghöhere Tier dorthin seine Aufmerksamkeit lenkt; dann kann sich das schwächere Tier die Frucht unbemerkt stibitzen.

In der Öffentlichkeit werden Schimpansen für weniger bedroht als Gorillas gehalten. Studien haben gezeigt, dass dies unter anderem daran liegt, dass Schimpansen im Zirkus oder in Werbespots gezeigt werden und die Öffentlichkeit hieraus fälschlicherweise ableitet, dass sie dann so bedroht ja nicht sein könnten. Hauptgefahren für Schimpansen sind Vernichtung ihres Lebensraumes, Wilderei und Seuchen wie Ebola.

Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife unterstützt das Affenwaisenhaus Limbe Wildlife Centre in Kamerun, in dem Gorillas, Schimpansen und andere Wildtiere eine Zuflucht finden und das wichtige Aufklärungsarbeit gegen den Verzehr von Buschfleisch leistet. Auch unterstützen wir die Schimpansen-Auffangststation J.A.C.K in der Demokratischen Republik Kongo und das EAGLE-Netzwerk im Kampf gegen Wilderei in Afrika.

Mehr Informationen

Gorilla Silberrrücken

Affenschutz © Ian Redmond

Pro Wildlife setzt sich seit der Gründung für den Affenschutz ein. Wir helfen dabei, illegal gehaltene Affen zu befreien. Wir kämpfen gegen den Verlust ihres Lebensraums und kümmern uns um verwaiste Primaten.

» Affenschutz

Schimpanse

Schimpanse

In der Demokratischen Republik Kongo, einem der gefährlichsten und ärmsten Länder der Welt, kämpft das Team von J.A.C.K. um das Überleben der Schimpansen.

» Affenwaisenhaus J.A.C.K.

Schimpansen

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Für mehr als 200 verwaiste Schimpansen, Gorillas, Drills und andere Affenarten sowie gefährdete Graupapageien ist das Limbe Wildlife Centre (LWC) im Süden Kameruns zu einer neuen Heimat geworden.

» Limbe Wildlife Centre

Wollaffen

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Die Affenjagd für den Kochtopf bedroht Affen in Afrika und Südamerika.

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Patenschaft © Paul-Williams

Sie können Leben retten! Helfen Sie uns mit Ihrer Patenschaft, Affen weltweit zu schützen.

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