Bedrohte Arten im Visier
Nicht nur die Wilderei bedroht Wildtiere, auch die legale Jagd birgt erhebliche Tier- und Naturschutzprobleme. Das gilt für die Hobbyjagd ebenso wie für die kommerzielle Jagd von Tieren zur Gewinnung von Pelzen, Leder und Fleisch. Für Trophäen werden bedrohte Arten erlegt, in manchen Ländern werden ganze Populationen behördlich zum Abschuss freigegeben, und viele erlaubte Jagdmethoden sind grausam – von der Jagd mit Bleischrot bis zur Falknerei. Pro Wildlife dokumentiert vor allem die Jagd auf bedrohte und geschützte Arten und setzt sich für strengere Regeln ein.
Auf einen Blick
- Deutschland ist der größte Trophäen-Importeur der EU – und lehnte in den Jahren 2023–2025 keinen einzigen Einfuhrantrag für Trophäen geschützter Arten ab.
- Massenabschüsse von Elefanten: 2024 gaben Namibia (723 Wildtiere) und Simbabwe (200 Elefanten) den Abschuss frei; 2026 genehmigte Botswana die Tötung von 23 Elefanten für Festessen zum Unabhängigkeitstag.
- Jagd auf den Wolf: Obwohl sich die Bestände vielerorts noch immer nicht erholt haben, senkte die EU 2025 seinen Schutzstatus. Seit April 2026 ist der Wolf in Deutschland eine jagdbare Tierart – die Bundesländer können nun die reguläre Bejagung erlauben.
- Erfolg 2026: Das EU-Parlament machte den Weg für ein EU-weites Verbot von Bleischrot bei der Jagd frei.
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Einfuhrvorgänge für Trophäen geschützter Arten nach Deutschland (2025) – EU-weit die meisten
1 Mio.
Wasservögel sterben in der EU jedes Jahr an einer Bleivergiftung durch Jagdmunition
Trophäenjagd auf bedrohte Arten
Ein besonders eklatantes Beispiel tier- und naturschutzwidriger Jagd ist das Töten von Tieren allein wegen der Trophäe. Spezialisierte Jagdreiseagenturen bieten im Internet und auf Jagdmessen selbst bedrohte und international geschützte Arten legal zum Abschuss an. Ob gefährdete Zugvögel, die Großwildjagd auf die „Big Five“ – ein aus der Kolonialzeit stammender Jagdbegriff für Elefant, Nashorn, Löwe, Leopard und Büffel – oder weitere bedrohte Arten wie Eisbär, Gepard und Giraffe: Je seltener die Art und je größer Hörner, Mähnen, Felle und Stoßzähne, desto höher der Preis für den Abschuss. Gerade die prächtigsten Tiere sind für den Erhalt ihrer Population aber oft besonders wichtig. Deutsche Jagdgäste gehören zu den Spitzenreitern bei der Jagd auf geschützte Arten im Ausland und führen jedes Jahr Hunderte Trophäen ein. Die Jagdlobby rechtfertigt das Geschäft mit der Behauptung, die Jagd auf bedrohte Arten bringe Geld für die Menschen vor Ort. Tatsächlich profitieren vor allem die Jagdindustrie und lokale Eliten.
Sogar einige EU-Mitgliedstaaten wie Rumänien, Kroatien und die baltischen Staaten lassen die Trophäenjagd auf geschützte Arten wie Braunbären zu und missachten damit europäisches Naturschutzrecht.
Gatterjagd („canned hunting“)
In Südafrika werden Löwen und Tiger in Jagdfarmen gezielt gezüchtet, damit Trophäenjagende sie in umzäunten Gehegen im Rahmen einer Gatterjagd („canned hunting“) ohne echte Fluchtchance abschießen können. 96,2 % der aus Südafrika nach Deutschland eingeführten Löwentrophäen stammten 2025 aus solchen Zuchtbetrieben. Mehr Informationen dazu im Pro Wildlife Bericht zur Gatterjagd auf Löwen (2026).
Hilft die Jagd gegen vermeintliche Überpopulationen?
Oft werden Wildtiere legal und in großer Zahl getötet – um vermeintliche Überpopulationen einzudämmen, sogenannte Problemtiere zu beseitigen, angebliche Schädlinge zu bekämpfen oder Seuchen vorzubeugen. Solche Massenabschüsse – auch Keulung genannt – sind jedoch meist wenig zielführend, ökologisch fragwürdig und ethisch kaum vertretbar; häufig stehen wirtschaftliche Interessen, die Ausweitung landwirtschaftlicher Gebiete oder Handelsinteressen dahinter.
Ein prominentes Beispiel ist der massenhafte Abschuss stark gefährdeter Afrikanischer Savannenelefanten. Ende der 1990er Jahre wurden die ebenso grausamen wie sinnlosen Massentötungen eingestellt – doch seit 2024 droht die Praxis wieder aufzuleben: Namibia erlaubte den Abschuss von Elefanten in Schutzgebieten unter dem Vorwand der „Ernährungssicherung“, ein deutscher Jagdunternehmer erhielt in Simbabwe die Genehmigung für die „Keulung“ von etwa 50 Elefanten und Botswanas Regierung ließ 2025 und 2026 Elefanten für „Festessen“ zum Unabhängigkeitstag töten. In manchen Regionen Südafrikas wird sogar der Abschuss ganzer Elefantenherden diskutiert. Gleichzeitig propagieren die Befürworter solcher Abschüsse die Freigabe des Handels mit dem wertvollen Elfenbein – einer der Beweggründe für die Tötungen: Mehr dazu: Keulung von Elefanten.
Ein weiteres Beispiel ist die kommerzielle Jagd auf rund 1,6 Millionen Kängurus pro Jahr in Australien: Landwirtschaft und Politik betrachten Australiens einzigartige Wildtiere als Konkurrenz zur Weidehaltung, während die Jagdindustrie sowie Schlachthäuser am Export von Fleisch und Leder verdienen. Zu den großen Abnehmern gehören Tierfutterhandel und führende Sportmarken.
Welche Jagdmethoden sind besonders grausam?
Bei der Jagd kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, die erhebliches Tierleid verursachen und auch aus Naturschutzgründen problematisch sind. Im Ausland sind teils Praktiken erlaubt, die hierzulande längst verboten sind – etwa die Jagd mit Pfeil und Bogen oder Armbrust, das Hetzen mit Hunden und das gezielte Anködern von Raubtieren.
| Jagdmethode | Problem aus Tier- und Naturschutzsicht |
| Fallenjagd | Tiere werden gefangen, verletzen sich und sterben oft qualvoll; häufig sind auch nicht anvisierte Arten betroffen. |
| Jagd mit Bleischrot | Hochgiftiges Blei vergiftet Greifvögel und andere Tiere, die Schrotkörner oder bleihaltiges Aas aufnehmen. |
| Falknerei & Beizjagd | Greifvögel verbringen den Großteil ihres Lebens angebunden und werden vor dem Einsatz ausgehungert. |
| Gatterjagd („canned hunting“) | In Gehegen gezüchtete und an Menschen gewöhnte Tiere werden ohne echte Fluchtchance zum Abschuss freigegeben. |
| Bogen & Armbrust | Hohes Risiko langer Leidenszeiten durch Fehlschüsse; in Deutschland verboten, im Ausland teils erlaubt. |
| Hetzjagd mit Hunden | Tiere werden gezielt in Angst- und Stresssituationen getrieben; verlängerte Leidenszeit. |
Falknerei und Beizjagd
Auch die Falknerei, bei der Greifvögel zur Beizjagd eingesetzt oder für Vorführungen zur Schau gestellt werden, ist aus Tierschutzsicht höchst problematisch: Die Tiere werden an einer kurzen Fußfessel gehalten und vor dem Jagdeinsatz gezielt ausgehungert.
Bleimunition: EU-Verbot mit Lücken
Blei ist hochgiftig und gelangt über die Jagd massenhaft in die Umwelt, wo es Wasser- und Greifvögel vergiftet, die Schrotkörner oder bleihaltiges Aas aufnehmen. Im Oktober 2026 machte das EU-Parlament den Weg frei für ein EU-weites Verbot von Bleischrot bei der Jagd – ein Erfolg, für den sich auch Pro Wildlife eingesetzt hat. Zwei Einschränkungen kritisieren wir: Das Verbot greift erst nach einer Übergangsfrist von sieben Jahren, und bleihaltige Kugelmunition – etwa für die Jagd auf Wildschweine, Rehe oder Hirsche – bleibt EU-weit weiterhin erlaubt.
Darf der Wolf in Deutschland gejagt werden?
Zunehmend ja. Der Wolf ist nach seiner Ausrottung aufgrund strenger Schutzbestimmungen seit dem Jahr 2000 langsam nach Deutschland zurückgekehrt – ein Naturschutzerfolg. Obwohl die Bestände sich in vielen Regionen Europas noch immer nicht erholt haben, wurde sein Schutz Schritt für Schritt gelockert: 2025 senkte die EU seinen Schutzstatus von „streng geschützt“ auf „geschützt“ zunächst in der Berner Konvention, dann in der FFH-Richtlinie. Im April 2026 wurde in Deutschland das Bundesjagdgesetz geändert und gilt nun als jagdbare Tierart. Konkret heißt das: Die Bundesländer können Jagdzeiten festlegen und die reguläre Bejagung von Wölfen erlauben. Doch pauschale Abschüsse schützen Nutztiere nicht wirksam und sind ökologisch fragwürdig. Mehr dazu auf unserer Hintergrundseite zum Wolf in Deutschland.
Was fordert Pro Wildlife?
- Keine Jagd auf gefährdete Arten
- Verbot der Trophäeneinfuhr und von Jagdreiseangeboten
- Stopp der kommerziellen Jagd, zum Beispiel auf Kängurus
- Koexistenz statt Abschüsse: z.B. durch den Schutz von Herden und landwirtschaftlichen Gebieten
2026
Das EU-Parlament machte den Weg für ein Verbot von Bleischrot bei der Jagd in der gesamten EU frei.
2025
Handelsbeschränkungen für Elefant, Nashorn, Giraffe und Wanderfalken bleiben erhalten
2020
Deutsche Lebensmittel-Einzelhandelsketten, ein Tierfutterhersteller und eine Drogeriemarktkette nehmen Fleisch aus der Kängurujagd aus dem Sortiment.
2019
Seit 2019 gelten Handelsbeschränkungen für Giraffen; Trophäen und andere Körperteile dürfen nur noch mit Genehmigung exportiert werden.
2018
Seit 2018 dürfen keine Eisbären aus der kanadischen Population Kane Basin mehr in die EU eingeführt werden. Pro Wildlife hatte dokumentiert, wie die Trophäenjagd die Population gefährdet.
2016
Seit 2016 ist die Einfuhr von Eisbär-Trophäen aus Grönland in die EU untersagt.
2015
Seit die EU 2015 ihre Artenschutzverordnung verschärft hat, dürfen Elefanten, Nashörner, Löwen, Eisbären, Flusspferde und Argali-Wildschafe nur noch nach Prüfung und Genehmigung eingeführt werden. Pro Wildlife hatte sich für eine Genehmigungspflicht für alle geschützten Arten eingesetzt.
2004
Für Braunbären aus der kanadischen Provinz British Columbia gilt seit 2004 ein Einfuhrverbot.
Publikationen und weitere Informationen
- 2026: Bericht zur Gatterjagd auf Löwen „Gezüchtet für den Abschuss“
- 2026: Declaration on the Abolition of Trophy Hunting (Manifest an die UN)
- 2024: Fakten statt Mythen zur Trophäenjagd
- 2022: Bericht Im Fadenkreuz der Trophäenjagd
Mit Ihrer Unterstützung setzen wir uns für bessere Schutzgesetze und ein Ende der Trophäenjagd ein.


