München, 27. November 2020.

Zirkusfamilie hat den Tod geheim gehalten, die Tiere illegal verscharrt und die Stoßzähne entfernt – ungarische Behörden ermitteln

Den zwei Zirkuselefanten von René Casselly, die am 18. August 2020 auf bisher ungeklärte Weise in einem Tiertransporter starben, wurden Berichten aus Ungarn zufolge die Stoßzähne skrupellos entfernt bevor sie auf dem Safaripark-Gelände in Szada, Ungarn, illegal verscharrt wurden. Jetzt ermitteln auch die ungarische Polizei und die Behörden gegen den deutschen Zirkus: Wegen des Verdachts auf Tierquälerei, des Verstoßes gegen die Tierschutzbestimmungen und des illegalen Vergrabens der Tierkörper. „Ein tragischer, früher Tod nach einem unwürdigen, qualvollen Leben –  im Zirkus kommt das leider allzu häufig vor. Allerdings sind die Lügen und Heuchelei im Fall Casselly kaum zu überbieten“, so Daniela Freyer, Mitbegründerin der Tierschutzorganisation Pro Wildlife.

Tod wurde zwei Monate lang geheim gehalten

Erst als Berichte durch Pro Wildlife und andere Tierschützer an die Medien gelangten, wurden die Behörden auf den Fall aufmerksam. Demnach wurden die beiden Elefanten Mambo und Betty illegal verscharrt. Auch der Meldepflicht über den Tod der Tiere kam die Familie nicht nach. René Casselly hatte den Tod der Elefanten über zwei Monate lang geheim gehalten. Erst nach Medienberichten veröffentlichte der RTL-Star ein Statement, in dem er den Tod seiner Elefanten bestätigte. Aus Trauer hätte die Familie nicht früher über den Tod sprechen können. Eine Obduktion zur Klärung der Todesursache hätte aus Ehrfurcht vor den Tieren nicht stattgefunden. „Diese Krokodilstränen nehmen wir René Casselly nicht ab. Wer jahrelang seine Tiere als Turngerät missbraucht und auch noch zulässt, dass ihnen nach ihrem Tod brutal die Stoßzähne entfernt werden, kann kaum von Ehrfurcht sprechen“, sagt Daniela Freyer von Pro Wildlife.

RTL-Star schweigt zu offenen Fragen

Wie genau die Tiere zu Tode kamen, ist noch immer unbekannt. Casselly äußerte sich bisher nicht dazu. Die ungarische Tierschutzbehörde Nébih geht davon aus, dass der Tod durch einen Unfall im Zusammenhang mit dem Transport verursacht wurde. Zuvor waren Pro Wildlife Informationen zugespielt worden, dass die Elefanten morgens tot im Transportwagen gefunden wurden. Auch die Zirkusfamilie bestätigte nun, dass am Vorabend des Vorfalls fünf Elefanten transportiert worden waren. Drei von ihnen wurden am nächsten Morgen regungslos in einem der Transportfahrzeuge aufgefunden. Während eines der Tiere überlebte, hätten Mambo und Betty nicht mehr gerettet werden können.

Ungeklärt ist auch, weshalb die Tiere überhaupt von Szada nach Györ und zurück transportiert wurden und sich die ganze Nacht im Fahrzeug befanden. Die Zirkusfamilie behauptet, die Elefanten hätten ein „mögliches neues Zuhause“ nahe Györ besichtigt, wo sie Land für einen eigenen Safaripark gekauft hat. „Der Transport von fünf Zirkustieren für eine Besichtigung klingt wenig glaubwürdig. Es ist möglich, dass die Tiere für Filmaufnahmen oder einen privaten Auftritt herumgefahren wurden“, so Daniela Freyer. „ So oder so muss René Casselly zur Verantwortung gezogen werden. Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung durch die Behörden.“

Hintergrundinformationen

  • Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat am 19. November einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der die Zurschaustellung von Elefanten und anderen Wildtieren verbieten soll. Tierschützer kritisieren den Vorschlag als unzureichend. (https://www.prowildlife.de/pressemitteilungen/tier-und-artenschutzorganisationen-kritisieren-neue-zirkusverordnung/)
  • Ein dritter Elefant der Familie Casselly, Tonga, wurde vom Tierarzt Dr. Endre Sós, der u.a. im Zoo Budapest tätig ist, behandelt und konnte gerettet werden. Er bescheinigte auch den Tod von Mambo und Betty am 18. August 2020, machte jedoch ebenfalls keine Angabe zur möglichen Todesursache.
  • Der deutsche Zirkus René Casselly tritt regelmäßig auch in Deutschland auf, unter anderem für Weihnachtszirkusse in Offenburg, Stuttgart und Reutlingen. Der durch RTL bekannt gewordene „Elephant-Boy“ René Casselly Jr. vermarktet sich mit seinen Elefanten erfolgreich auf Instagram, Facebook und über einen Merchandise-Shop.
  • RTL-Star René Casselly (bürgerlich: René Kaselowsky), der bereits zwei Mal die Ninja Warrior Show gewann, hatte medienwirksam verkündet: „Ich werde meinen Gewinnanteil für das Wohlergehen meiner Tiere in meinem privaten Elefanten-Park investieren.“ Die beiden Elefanten waren nach der Rückfahrt vom neuen Gelände der Cassellys gestorben. (Quelle)
  • Tierschützer kritisieren die Haltung der ehemals fünf Casselly-Elefanten bereits seit langem wegen tierquälerischer Dressurmethoden sowie körperlicher Schäden und Verhaltensstörungen, infolge der schlechten Haltungsbedingungen im Zirkus. Die Show von Dompteur und Akrobat Casselly Jr. ist auch umstritten, da er die Elefanten als lebende Turngeräte für seine Akrobatik-Nummern missbraucht.
Diesen Beitrag teilen