München, 23. Mai 2019.

Pro Wildlife kritisiert Entscheidung

Zur geplanten Aufhebung des Jagdverbotes in Botswana kommentiert die Artenschutzorganisation Pro Wildlife: „Wir bedauern es außerordentlich, dass die Regierung Botswanas angekündigt hat, das seit 2014 geltende Jagdverbot aufzuheben. Die Trophäenjagd auf geschützte Arten wird vor allem dazu führen, dass sich einige wenige Jagdveranstalter bereichern. Sie leistet nachweislich weder einen Beitrag zur Armutsbekämpfung, noch eignet sie sich zur Reduzierung vermeintlich überhöhter Wildbestände. Die Stimmungsmache gegen Elefanten und andere Wildtiere durch Botswanas neuen Präsidenten scheint darauf abzuzielen, bei den Neuwahlen im Oktober Wählerstimmen zu gewinnen“, so Pro Wildlife Sprecherin Daniela Freyer.

Die Regierung nennt als Gründe für die Aufhebung des seit 2014 geltenden Jagdverbots angeblich wachsende Konflikte zwischen Kleinbauern und Tieren, sowie die Notwendigkeit zur Generierung von Einkommen für die Landbevölkerung. Am 23. Mai um 14 Uhr will Präsident Mokgweetsi Masisi eine Pressekonferenz zur Wiedereinführung der Jagd abhalten.

Botswana galt unter seinem bisherigen Präsidenten Ian Khama als Vorreiter im Wildtierschutz. „Der Reichtum an Natur und Tieren ist Botswanas größtes Kapital und wir appellieren an die Regierung, dies nicht aufs Spiel zu setzen. Elefanten und andere Wildtiere dürfen nicht zum politischen Spielball werden“, so Freyer. Der Safari-Tourismus ist eine zunehmend wichtige Einnahmequelle und bringt insgesamt deutlich mehr Geld und Arbeitsplätze als die Jagd“, so Freyer. Laut Informationen der Weltnaturschutzorganisation IUCN schafft der Safari-Tourismus in Botswana 39 mal mehr Arbeitsplätze als die Großwildjagd – im ganzen Land verdienten im Jahr 2009 nur 1.000 Menschen an der Jagd. Im Vorfeld der Entscheidung hatte sich die Regierung von Trophäenjägern beraten lassen und vornehmlich Gemeinden angehört, in denen die Jagd früher erlaubt war. Gemeinden, die vom Tourismus profitieren und die wachsende Tourismusbranche wurden offenbar außen vor gelassen.

Botswanas neue Regierung will nicht nur das Jagdverbot aufheben. Sie versucht zudem derzeit gemeinsam mit drei Nachbarstaaten, das internationale Handelsverbot für Elfenbein zu Fall zu bringen, das seit 2008 gilt. „Es ist fatal, dass Botswana als ehemaliger Musterknabe im Artenschutz seine bedrohten Arten jetzt mit einem Preisschild versehen will“, so Freyer.

In Botswana lebt mit etwa 130.000 Tieren die größte Elefantenpopulation der Welt. Der Bestand der Savannenelefanten ist in sieben Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, in Botswana waren es 15 Prozent in fünf Jahren. Früher galten die Bestände im südlichen Afrika als stabil und verschont von der Wildereikrise. Verschiedene wissenschaftliche Berichte belegen allerdings in den vergangenen Jahren einen Anstieg von Wilderei und illegalem Elfenbeinhandel, darunter auch im Norden Botswanas. Im August 2018 hatten Berichte der Organisation „Elephants Without Borders“ über die Wilderei von mindestens 88 Elefanten für weltweites Aufsehen gesorgt. Zwischenzeitlich wurden diese Erkenntnisse von renommierten Experten verifiziert. Präsident Masisi hatte die Berichte damals vehement dementiert, seine Behörden entzogen der Organisation Forschungslizenzen und versuchten, ihr die Verbreitung der Wilderei-Berichte zu verbieten.

Verschiedene wissenschaftliche Studien zu Löwen belegen zudem, welch fatalen Auswirkungen die Großwildjagd hat. Auch in Botswana hat sie in der Vergangenheit zu einem Zusammenbruch der Bestände geführt. Die Löwenjagd ist dort deshalb (mit einer Unterbrechung) bereits seit 2001 verboten. „In ganz Afrika sind die Wildtierbestände großer Säugetiere stark rückläufig. Die Wiedereinführung der Jagd ist vor diesem Hintergrund unverantwortlich“, so Freyer. „Schleierhaft bleibt auch, wie Botswanas Regierung die angekündigte „ethische Jagd“ sicherstellen will. Tiere alleine aus Gier nach Trophäen abzuschießen entbehrt jeglicher Ethik – nach deutschem Tierschutzgesetz ist dies illegal. Zudem dominieren in Afrikas Jagdindustrie seit Jahrzehnten Korruption und Missmanagement“, so Freyer abschließend.

Hintergrundinformationen: Trophäenjagd auf bedrohte Arten

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