Tortur auf Tournee: Wildtiere leiden im Zirkus

Wildtiere im Zirkus sind ein Auslaufmodell.

Elefant, Tiger, Löwen und Co. in der Manege – diese Tierquälerei gehört bei vielen Zirkussen in Deutschland noch immer zum Programm. Anstatt durch Steppen oder Wälder zu streifen, touren Wildtiere in engen Transportwägen durch Deutschland. Dressur, enge Käfige und ständige Transporte sind besonders für Wildtiere eine Qual. Ein wildes, artgerechtes Leben sieht anders aus.
Elefant im Circus Krone © Pro Wildlife

Elefant im Zirkus © Pro Wildlife

Käfig und Rampenlicht bieten kein Entkommen

Wildtiere sind im Gegensatz zu Haustieren nicht domestiziert und deshalb nicht an ein Leben in Gefangenschaft und den Umgang mit Menschen angepasst. Selbst wenn die Tiere in Gefangenschaft geboren sind, haben sie die gleichen Bedürfnisse wie ihre Artgenossen in freier Wildbahn. In Zirkussen, Varietés oder Tierschauen gibt es keinerlei Möglichkeiten, ihnen ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.

Beengte Käfige, häufige und lange Transporte sowie tierquälerische Dressuren verursachen erheblichen Stress und hindern die Tiere daran, ihre natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse auszuleben. Es mangelt an ausreichend Bewegung und meist auch an artgerechtem Sozialkontakt. Löwen und Tiger fristen häufig ein trauriges Dasein in winzigen Anhängern, Elefanten werden stundenlang angekettet.

Die Folgen für die Tiere sind schwerwiegend: Häufig erkranken sie aufgrund der schlechten Haltung und leiden an Verhaltensstörungen. Diese äußern sich dadurch, dass die Tiere teilnahmslos wirken (Apathie), sich wiederholende Bewegungen ohne Ziel und Funktion  durchführen (Stereotypie) oder vermehrte Aggressionen gegenüber Artgenossen oder Menschen zeigen. Laut Experten sind solche Verhaltensstörungen Ausdruck von erheblichem Leid.

Löwen im Zirkus © Jo-Anne McArthur

Löwen im Zirkus © Jo-Anne McArthur

Wildtiere im Zirkus sind nicht mehr zeitgemäß

Inzwischen wissen die meisten Menschen, dass es Tierquälerei ist, wenn Elefanten einen Kopfstand machen, Tiger auf den Hinterbeinen durch die Manege hüpfen oder Löwen zu unsinnigen Kunststücken gezwungen werden. Eine repräsentative Umfrage aus dem Jahr 2015 hat gezeigt, dass zwei Drittel der Deutschen keine Wildtiere in Zirkussen sehen wollen.

Zirkusse wie Roncalli und Circus Flic Flac gehen mit gutem Beispiel voran. Sie verzichten ganz auf Tiere in der Manege und haben sich stattdessen auf Showacts mit Menschen spezialisiert. Doch viele andere Zirkusse halten noch immer an dem völlig veralteten Konzept von Unterhaltung mit Wildtieren fest. Auch der Bundesrat und die Agrarministerkonferenz haben sich bereits mehrfach für ein Wildtierverbot in Zirkussen ausgesprochen.

Bundeslandwirtschaftsministerium will Raubkatzen und Co nicht verbieten

Am 19. November 2020 hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) nun endlich eine Verordnung vorlegt, die die Zurschaustellung von bestimmten Wildtierarten wie Elefanten, Primaten, Großbären, Giraffen, Flusspferden und Nashörnern verbieten soll. Das andere Wildtiere wie Löwen, Tiger, Robben und Zebras weiterhin in Zirkussen leiden sollen, ist ein Skandal! Wo bleibt das bundesweite generelle Verbot für alle Wildtiere in Zirkussen?

Tigerhaltung im Zirkus © Pro Wildlife

Tigerhaltung im Zirkus © Pro Wildlife

Zweiklassengesellschaft in Zoo und Zirkus

Während Zoos und Tierparks durch das sogenannte Säugetiergutachten strengere Haltungsvorgaben erfüllen müssen, gelten für die gleichen Tiere im Zirkus nur Minimalanforderungen.  Ein Beispiel: In Zoos muss einem Rudel mit fünf Löwen ein Außengehege von mindestens 500 m² zur Verfügung gestellt werden. Zirkusse hingegen müssen laut den bislang geltenden Empfehlungen der Zirkusleitlinien der gleichen Zahl an Tieren lediglich ein 50 m² großes Außengehege bereitstellen – und das nur für vier Stunden täglich. Im Umkehrschluss bedeutet das, die Löwen dürfen 20 Stunden am Tag in einem 24 m² großen Hänger eingesperrt werden. Das ist völlig legal. Gerechtfertigt wird diese Sonderstellung des Zirkus mit dem Training und den Auftritten der Tiere. Ein rückständiger und für die Tiere fataler Irrglaube.

Das Tierschutzgesetz in Deutschland legt grundsätzlich fest, dass Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden müssen und so, dass keine Schmerzen, Leiden oder Schäden entstehen. Darüber hinaus gibt es in Deutschland keine rechtlich bindenden Vorgaben für die Haltung von Wildtieren in Zirkusbetrieben. Es existieren zwar die sogenannten Zirkusleitlinien des BMEL, in denen konkretere Angaben zur Haltung festgehalten sind. Diese haben jedoch lediglich Empfehlungscharakter und bleiben vor allem weit hinter den Anforderungen an Zoos zurück. Zudem erfüllen Zirkusse häufig selbst diese minimalen Empfehlungen nicht. Selbst bei großen und bekannten Zirkussen werden regelmäßig Verstöße gegen die Haltungsanforderungen festgestellt. 

Elefant im Circus Krone © Pro Wildlife

Elefant im Circus Krone © Pro Wildlife

Andere EU-Länder sind Deutschland weit voraus

Während manche EU-Länder gleich alle Tiere in Zirkussen verbieten, haben die meisten ein generelles Wildtierverbot für Zirkusse erlassen. In Finnland, Polen, Portugal, Schweden, Tschechien und Ungarn gibt es ein Verbot von bestimmten Wildtierarten. Nachdem Deutschland lange im EU-Vergleich das traurige Schlusslicht beim Thema Tierschutz für Zirkustiere darstellte, will das BMEL nun endlich auch Handeln und zumindest das Zurschaustellen bestimmter Wildtiere verbieten.

Wildtiere in Zirkussen sind ein Sicherheitsrisiko

In Zirkussen gehaltene Wildtiere stellen außerdem ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Sowohl auf dem Zirkusgelände als auch bei Ausbrüchen von Zirkustieren kommt es immer wieder vor, dass Besucher und Tiertrainer verletzt oder sogar getötet werden. Fast die Hälfte aller Unfälle mit Wildtieren im Zirkus, die zwischen 1995 und 2017 in der EU dokumentiert wurden, ereigneten sich in Deutschland.

Tiger-Dressur im Zirkus

Tiger-Dressur im Zirkus

Kaum Platz für ehemalige Zirkustiere

Werden Zirkustiere beschlagnahmt oder gibt ein Zirkus seine Tiere freiwillig ab, sind es meist die Auffangstationen von Tierschutzvereinen, die die Tiere zu sich nehmen und für die hohen Unterbringungs- und Verpflegungskosten aufkommen. In Europa gibt es nur sehr wenige Einrichtungen, die auf die Unterbringung von Wildtieren spezialisiert sind, und die Wartelisten sind lang. Zoos nehmen nur selten Zirkustiere auf.

Was jeder Einzelne tun kann

  • Besuchen Sie keine Zirkusse, die Wildtiere mitführen.
  • Klären sie Freunde, Familie und Bekannte über die grausamen Hintergründe auf.
  • Wenden Sie sich an ihre Stadt oder Gemeinde und rufen Sie sie dazu auf, keine städtischen Flächen an Zirkusse mit Wildtieren zu vermieten.
Das tut Pro Wildlife
Zirkus ja – aber ohne Wildtiere! Gemeinsam mit zahlreichen Tierschutzvereinen und Tierärzten setzt sich Pro Wildlife für ein Wildtierverbot in Zirkussen ein und klärt Öffentlichkeit und Politik über die Probleme auf, die mit der Haltung von Zirkustieren verbiúnden sind.

Mehr Informationen

Zirkuselefant (c) Usien

Zirkuselefant (c) Usien

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