Japan: Walfang in Nordpazifik und Antarktis

Japan dominiert die Walfang-Debatten.

Beim Thema Walfang dominiert Japan die internationalen Schlagzeilen – und lange Zeit tötete das asiatische Land auch mit Abstand die meisten Meeresriesen, bis es vor wenigen Jahren von Norwegen als Walfangland Nummer Eins abgelöst wurde. Doch bis heute verärgert Japans dreiste Vorgehensweise Diplomaten und Tierschützer gleichermaßen – erst Ende Juli forderte die EU in einer offiziellen Stellungnahme ein Ende der Jagd. Denn die Sündenliste des Landes ist lang.
Wal Seiwal Walfang

Seiwale © Christin Khan NOAA

„Forschung“ mit der Harpune

Japan_Walfang©Australian Customs and Border Protection Service

Japanischer Walfänger © Australian Customs and Border Protection Service

Japan versäumte es, gegen das seit 1986 geltende kommerzielle Walfang-Moratorium fristgerecht Widerspruch einzulegen. Deshalb nutzt das Land ein Schlupfloch der Internationalen Walfangkommission (IWC) und fängt die Meeresriesen unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“ – auch wenn die Studienobjekte dieser „Forschung“ noch auf hoher See zu Supermarkt-tauglichen Paketen verarbeitet werden.

Besonders kritikwürdig: Japan fängt im Nordpazifik Seiwale auf hoher See – dies ist nach den Vorgaben des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (englisch CITES) verboten, da es sich formal um einen Import handelt und das Land keinen Einspruch gegen das weltweite Handelsverbot für Seiwale eingelegt hat.

Dreiste Scheckbuchpolitik

Walfang in Japan, Walfänger © Australian Customs and Border Protection Service

Japanischer Walfänger © Australian Customs and Border Protection Service

Um seine Walfang-Interessen durchzusetzen, schreckt Japan auch nicht vor Korruption zurück: Arme Länder aus der Karibik, Afrika und Asien bekommen großzügige Entwicklungshelfer aus Tokio und unterstützen im Gegenzug bei der Walfangtagung Japans Interessen. Und das ist nicht Alles. Bis vor wenigen Jahren konnten die Mitgliedsstaaten ihre IWC-Gebühren auf der Konferenz in bar bezahlen – es war offensichtlich, dass das Geld von Japan kam.

Japan betreibt Walfang sogar im Schutzgebiet

Japans Walfang konzentriert sich auf zwei Gebiete: vor den eigenen Küsten im Nordpazifik (Zwerg-, Sei- und Brydewale sowie einige Pottwale) und ausgerechnet im Walschutzgebiet um die Antarktis (vor allem Zwergwale, gelegentlich auch Finnwale). Die Exkursionen dorthin sind aufwändig und teuer, aber die Wale in den abgelegenen Antarktis-Gewässern sind weniger mit Schadstoffen belastet.

Statistik zu Walfang Japans im Antarktis-Schutzgebiet

Rüge vom Internationalen Gerichtshof

Der Walfang im Antarktis-Schutzgebiet war Anlass für Australien und Neuseeland, Japan beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu verklagen. Mit Erfolg: Der IGH befand 2014  die Waljagd in der Antarktis als nicht-wissenschaftlich und damit illegal. Einer der Kritikpunkte dabei war die hohe Zahl von Walen, die für die japanischen „Studien“ getötet werden – weitere Schelte gab es für das Fehlen wissenschaftlich relevanter Ergebnisse.

Neue „Forschungsprogramme“ statt Ende der Jagd

Nach der Schlappe vor dem Internationalen Gerichtshof hoffte die Weltöffentlichkeit, dass Japans Walfang zumindest in der Antarktis eingestellt würde. Stattdessen pausierte Tokio nur eine Saison und arbeitete derweil zwei neue „Forschungsprogramme“ aus – mit weniger Arten und, zumindest in der Antarktis, weniger Individuen: Ab 2016 sind unter „NEWREP-NP“ im Nordpazifik jährlich 134 Sei- und 174 Zwergwale zum Abschuss freigegeben, unter „NEWREP-A“ in der Antarktis jährlich 333 Zwergwale.

Statistik zu Walfang Japans im Nordpazifik

Handel mit Walprodukten eskaliert

Japan hat gegen das weltweite CITES-Handelsverbot für Walprodukte formalen Widerspruch eingelegt und ist somit formaljuristisch nicht daran gebunden – wie auch die anderen beiden Walfang-Nationen Island und Norwegen. Seit Japan in der Antarktis weniger Wale fängt, haben die beiden nordeuropäischen Länder ihre Exporte von Walfleisch und Walspeck nach Japan drastisch ausgebaut.

Mehr Informationen:

Kalender 2017 0912 © Michael Tenten

Walfang in Norwegen © Michael Tenten

Walfang: international verboten, jedoch weiter praktiziert . » Diese Länder betreiben weiterhin Walfang
Walkuh mit ihrem Jungtier

Walkuh mit ihrem Jungtier

IWC: Wale als Verhandlungsmasse. » Tagung der Internationalen Walfangkommission 2018
Japanische Walfänger © Australian Customs and Border Protection Service

Japanische Walfänger © Australian Customs and Border Protection Service

Japanische Jagd auf Wale: Forschung oder Piratenwalfang? » Hintergrundinformationen zu Japans Walfang
Zwergwale in Norwegen © HansBernhard

Norwegens Zwergwale © Hans Bernhard

Das Walfangland Nummer 1 beruft sich auf Wikinger-Traditionen. » Waljagd in Norwegen
Island Dagur Brynjólfsson

Island © Dagur Brynjólfsson

Island: Jagd auf bedrohte Finnwale. » Waljagd in Island
Diesen Beitrag teilen