Bericht: Ein Leben in Ketten: Elefanten im Tourismus

Neuer Bericht: Die vielen Probleme des Elefantentourismus.

In vielen asiatischen Ländern werden Elefanten im Tourismus eingesetzt. Es existieren mehrere hundert Einrichtungen, die zum Teil täglich hunderte oder gar mehrere tausend Besucher empfangen. Der neue Bericht „Ein Leben in Ketten – Elefanten im Tourismus“ von Pro Wildlife zeigt nun, wie problematisch der Elefantentourismus ist. Viele Tiere werden in der Wildnis gefangen und mit Hilfe von massiver Gewalt gefügig gemacht. In den Elefantencamps werden häufig selbst die grundlegendsten Bedürfnisse der Tiere missachtet. Außerdem geht von Elefanten eine potentielle Lebensgefahr für Urlauber aus.

Asiatischer Elefant © Avijan Saha

Elefantenkuh mit Kalb © Avijan Saha

Wildfänge für den Tourismus

Etwa 44.000 wildlebende asiatische Elefanten stehen 15.000 Tieren in Gefangenschaft gegenüber. Die gefangenen Elefanten sind keine Waisen, die von liebevoller Hand großgezogen werden – viele stammen direkt aus der Wildnis. Nicht selten wird für ein Elefantenbaby die ganze Herde getötet, da Mütter und Tanten die Elefantenkälber beschützen. Der asiatische Elefant ist vom Aussterben bedroht und diese Form des Tourismus trägt noch dazu bei, die Zahlen weiter zu dezimieren.

Da der Bedarf an Elefanten für den Tourismus so groß ist, wird er insbesondere in Thailand auch mit Elefanten aus den Nachbarländern gedeckt – trotz internationaler Handelsverbote. Die Elefanten werden illegal über die Grenzen gebracht und steigende Besucherzahlen in den Elefantencamps befeuern den Markt weiter. Es wird davon ausgegangen, dass 75 Prozent der in Sri Lanka im Tourismus eingesetzten Elefanten illegal gefangen wurden.

Grausame Dressur-Methoden und schlechte Haltung

Elefantenreiten

Viel Leid für ein Selfie

Viele Urlauber sitzen dem Mythos auf, dass Asiatische Elefanten wie unsere Reit- und Lastentiere domestiziert und für den Arbeitseinsatz gezüchtet sind. Asiatische Elefanten sind jedoch Wildtiere und wurden nie domestiziert. Es ist massive Gewalt nötig, damit sich ein Elefant dem Willen des Menschen beugt. Dafür werden die Tiere über einen langen Zeitraum mit Hilfe von Seilen und Ketten fixiert und mit Schlägen sowie Nahrungs- und Wasserentzug gefügig gemacht, bis ihr Willen gebrochen ist. Nur eines von drei wild gefangenen Elefantenjungen überlebt diese Prozedur, die als Einbrechen oder Phajaan bekannt ist. Mit Schlaginstrumenten wie dem Elefantenhaken oder spitzen Gegenständen halten die Elefantenführer die Tiere auch danach ihr Leben lang unter Kontrolle. Außerdem ist der Elefant das einzige Wildtier, das an Ketten gehalten wird – in vielen Camps sogar dauerhaft.

Elefant in Ketten

Elefant in Ketten auf hartem Betonboden

Dazu kommt, dass die Ernährung der Elefanten mangelhaft ist und in vielen Fällen freier Zugang zu Wasser und Schatten fehlt. Häufig stehen sie in ihren eigenen Exkrementen und leiden an Verletzungen, die ihnen von den Elefantenhaken zugefügt wurden. Aufgrund der schlechten Haltung leiden viele Elefanten an Verhaltensstörungen.

Elefanten sind gefährliche Wildtiere

Elefantenbaden©Pete the Painter

Elefantenbaden © Pete the Painter

Viele Elefanten in Gefangenschaft sind mit Tuberkulose infiziert, einer der weltweit tödlichsten Infektionskrankheiten. Das macht sie zu potentiellen Krankheitsüberträgern. Viele Touristen lassen sich beispielsweise beim Baden mit den Elefanten nassspritzen, so können die Erreger übertragen werden. Zudem bleibt ein Elefant sein Leben lang ein Wildtier und die Liste von Angriffen von Elefanten auf Menschen in Elefantencamps ist lang. Immer wieder kommt es sogar zu Todesfällen und auch Touristen mussten für das zweifelhafte Vergnügen bereits mit ihrem Leben bezahlen.

Die Reisebranche reagiert langsam

Wilde Elefanten © Avijan Saha

Wilde Elefanten @ Avijan Saha

Pro Wildlife klärt Reiseunternehmen über die Missstände im Elefanten-Tourismus auf und fordert, dass die Branche diese Tierquälerei nicht weiter unterstützt. Erste Erfolge gibt es bereits: TUI hat als  Branchenriese Elefantenreiten aus dem Programm genommen, weitere Anbieter wie Geograf Reisen, Studiosus und Hauser Exkursionen reagierten auch direkt. Auch der größte deutsche Reiseverband DRV hat sich in einem offiziellen Positionspapier gegen direkte Interaktionen mit Elefanten ausgesprochen.

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