Wildtier-Souvenirs: Gefahr für die Artenvielfalt

08. Oktober 2019.

Augen auf beim Kauf von Souvenirs.

Ein bekanntes Gefühl: Der Urlaub in einem fernen Land war wunderschön und aufregend, zum Ende jetzt noch schnell ein Andenken, um die Erinnerung zu konservieren. Dazu ein paar Mitbringsel für die lieben daheim Gebliebenen. Doch leider sind viele Souvenirs, die jedes Jahr nach Deutschland mitgebracht werden, aus – oftmals bedrohten – Wildtieren hergestellt.

Nautilus © Martin Harvey

Nautilus © Martin Harvey

Viele Menschen sind sich über die Konsequenzen solcher Urlaubskäufe nicht bewusst. Ein großer Teil der gehandelten Arten ist durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) international geschützt und die Einfuhr nach Deutschland entweder verboten oder streng reguliert. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldbußen und strafrechtliche Verfolgung. Doch selbst wenn Arten noch nicht durch internationale Gesetze geschützt sind, können sie bereits bedroht sein. Ein rechtlich verankerter Schutzstatus ist häufig schwer zu erreichen und der Prozess bis hin zu einer CITES-Listung und entsprechenden nationalen Schutzgesetzen ist langwierig.

Illegale Wildtier-Souvenirs © Roberto Isotti

Illegale Wildtier-Souvenirs © Roberto Isotti

Der ausbeuterische Handel mit Wildtiersouvenirs ist zudem keinesfalls auf exotische Fernziele beschränkt, sondern findet auch in Europa statt. Erst vergangene Woche erreichte das Pro Wildlife Team der schockierende Bericht einer Touristin aus Italien, die in einem Souvenirladen zahlreiche Produkte aus Meerestieren entdeckt hatte: Ausgestopfte Meeresschildkröten und Schildkrötenpanzer, ausgestopfte Haie, getrocknete Seesterne und Steinkorallen. Sogar der Oberkiefer eines streng geschützten Sägefisches findet sich in einer Vitrine.

Schildkröte zum Verkauf in Italien

Meeresschildkröte zum Verkauf in Italien © Katharina Kos

Ein großes Problem für den Tier- und Artenschutz

Für den Tier- und Artenschutz stellt solcher Handel ein erhebliches Problem dar. Viele der angebotenen Produkte stammen von Tieren, die gefährdet sind, zudem sind die Fang- und Tötungsmethoden oftmals inhuman. Für beliebte Souvenirs wie Geldbeutel und Taschen aus Reptilienhäuten werden die Tiere häufig wild gefangen und oft lebendig gehäutet. Sehr beliebt bei Touristen sind Mitbringsel aus dem Meer. Gerade Korallen und Muschelbestände wurden über die vergangenen Jahrzehnte speziell für die Vermarkung an Urlauber geplündert. Korallen nehmen eine zentrale Rolle im Ökosystem ein und die Riffe sind stark durch den Klimawandel und die Verschmutzung der Ozeane bedroht. Der Kauf von Korallen-Souvenirs stellt eine zusätzliche akute Bedrohung dar.

Sogar Teile von Haien und Sägefischen stehen zum Verkauf

Sogar Teile von Haien und Sägefischen stehen zum Verkauf © Katharina Kos

Ob Karibik, Italien oder Indonesien: Gerade beim Kauf von exotischen Muschelschalen erliegen Touristen häufig dem Trugschluss, dass diese schlicht von Einheimischen am Strand gesammelt und dann verkauft würden. Wenige wissen, dass hinter dem Handel mit Muschelprodukten eine kommerzielle Industrie steckt. Schöne Lampenschirme, Bilderrahmen oder als Schale im Ganzen; der Handel mit Muscheln ist ein gigantisches Geschäft. Die Tiere werden oft mit Schleppnetzen vom Meeresboden gesammelt, eine Technik, die eine „Unterwasserwüste“ zurücklässt und den empfindlichen Lebensraum zerstört. Die riesige Zahl, in der die Muscheln gesammelt werden, reißt eine Lücke im Ökosystem Meer, denn die Weichtiere erfüllen wichtige ökologische Funktionen. Nach der „Ernte“ werden die Tiere dann tonnenweise lebendig an der Sonne zum Trocknen ausgelegt.

Muscheln zum Verkauf in Italien

Muscheln und andere Meerestiere zum Verkauf in Italien © Katharina Kos

Finger weg von exotischen Delikatessen

Nicht nur Dekoartikel und Schmuckstücke sind ein Problem. Auch Nahrungsmittel, die den oft ahnungslosen Touristen als einheimische Delikatessen zur Mitnahme in die Heimat angeboten werden, sind eine Gefahr für den Schutz bedrohter Arten und können schnell zu Ärger mit den Zollbehörden führen. So stellten deutsche Zollbeamte in den vergangenen Jahren vermehrt Walsalami bei Touristen, die von Kreuzfahrten in Norwegen nach Hause kamen, sicher. Die Einfuhr von Walprodukten in die EU ist strikt verboten, Touristen sind für die Walfleischindustrie in Norwegen aber eine wichtige Zielgruppe.

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Für verantwortungsbewusste Reisende gilt: Was wild ist, sollte auch wild bleiben. Beim Kauf von exotischen Souvenirs sollte komplett auf tierische Produkte verzichtet werden, ganz nach dem Motto „nichts kaufen, was einmal gelebt hat“. Auch bei Pflanzenprodukten sollten Urlauber genau hinschauen, denn viele Hölzer stammen von bedrohten Bäumen und Pflanzen. Der Kauf einer landestypischen Gewürzmischung oder von Handwerksprodukten aus recycelten Materialien und Stoffen unterstützt hingegen die lokalen Händler und ist eine nachhaltige Alternative zum touristischen Ausverkauf der Artenvielfalt.

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