Tiger King: Die Geschichte hinter der Netflix-Serie

09. Juli 2020.

Tiger und Löwen in Deutschland?

Die Netflix-Serie „Tiger King: Großkatzen und ihre Raubtiere“ lockt weltweit Menschen vor die Fernseher. In der Hauptrolle: Der Exzentriker Joe Exotic, selbsternannter „Tiger King“ und Waffennarr, der inzwischen wegen diverser Verbrechen zu einer Haftstrafe von 22 Jahren verurteilt ist. Nun hat ein Bundesrichter entschieden, dass der ehemalige Zoo von Joe Exotic in den Besitz seiner Gegenspielerin, Tierrechtsaktivistin Carole Baskin, übergeht. Der aktuelle Besitzer des Zoos, Großkatzenzüchter Jeff Lowe, hat nun 120 Tage Zeit die Einrichtung zu räumen und für seine ca. 200 Tiere, die aktuell in dem Zoo leben, eine neue Unterkunft zu finden.

Die US-Doku-Serie zeigt die grausamen und tierschutzwidrigen Hintergründe hinter dem Handel mit und der Haltung von Großkatzen. Deutlich wird auch, dass Narzissmus eines der Motive des Tiger King und anderer Raubkatzenhalter ist. Misshandlungen der Tiere gehören hier zum Tagesgeschäft, denn Wildtiere sind und bleiben wild und gefährlich, eine artgerechte Unterbringung in privaten Haushalten ist quasi unmöglich. Allein in den USA leben mehr Tiger in Gefangenschaft als auf der ganzen Welt in der freien Natur. Die Schätzungen belaufen sich auf 5.000 bis 10.000 Tigern in den USA, im Vergleich zu noch etwa 4.000 Tigern in der Wildnis.

Wie bei Tiger King? Raubtiere in deutschen Hinterhöfen

Doch nicht nur in den USA werden Raubtiere als „Haustiere“ missbraucht, auch in Deutschland liegen exotische Wildtiere, dank Instagram und Co., im Trend. Erst kürzlich machte der Fall des Löwen Mojos Schlagzeilen, der bei einem privaten Halter in Sachsen-Anhalt lebte. Der Mann hatte den Löwen zwei Jahre zuvor in Tschechien gekauft und nach Deutschland gebracht. Es war nicht das ersten Mal.

Bereits 2015 sorgte der selbe Halter für Schlagzeilen. Damals entkamen ihm zwei Löwenjunge, die er kurz zuvor in Tschechien gekauft hatte, aus dem Zimmer, in dem sie gehalten wurden. Er überließ die Tiere freiwillig unserer holländischen Partnerorganisation AAP, die sich bis heute um die Tiere kümmert. Das hielt ihn nicht davon ab, sich kurz danach erneut einen Löwen zu kaufen – über das Internet sind Löwen bereits ab 2.000 Euro zu kaufen. Den neuen Löwen Mojo hat der Halter nun zeitweise an den Zoo Halle abgegeben, doch sein weiteres Schicksal ist bisher unklar. Da Sachsen-Anhalt die Haltung von exotischen Wildtieren nicht verbietet, dürfte der Mann Mojo aus rechtlicher Sicht weiterhin halten. Ob er das Tier überhaupt zurückhaben möchte, ist noch nicht klar. Doch wer kümmert sich zukünftig um den Löwen und kommt für die hohen Kosten für Unterbringung und Futter auf?

männlicher Löwe

Kein Einzelfall: In Lahr in Baden-Württemberg wurde Anfang 2019 das Puma-Männchen Tikam beschlagnahmt. Der Besitzer hielt das Tier in einer normalen Mietswohnung und ging mit ihm an einer Hundeleine spazieren. Schlussendlich meldete die Vermieterin das ungewöhnliche „Haustier“. Aufgrund fehlender Papiere und Impfungen wurde der Puma beschlagnahmt und unter Quarantäne gestellt, die Haltung selbst wäre in Baden-Württemberg jedoch nicht verboten gewesen. In Heilbronn wirbt sogar ein Hotel mit dem hauseigenen Geparden Bungee.

Fehlende Gesetze in Deutschland

In Deutschland gibt es bisher kein Gesetz, das die Privathaltung exotischer Wildtiere verbietet. Tiere, die nicht als gefährlich eingestuft sind und die nicht artgeschützt sind, können in ganz Deutschland gehalten werden, ohne das der Halter diese überhaupt melden müsste. De facto weiß niemand, wie viele exotische Wildtiere in Deutschland gehalten werden. Und die wenigsten sind so auffällig wie ein Tiger, ein Löwe oder ein Puma ebenso wie die wenigsten Halter so auffällig sind wie der „Tiger King“.

Neun Bundesländer haben auf die fehlende Gesetzgebung reagiert und Verordnungen erlassen, die die Haltung von gefährlichen Wildtieren regeln. Welche Tiere hier als gefährlich eingestuft werden, unterscheidet sich allerdings je nach Bundesland stark. Vor kurzem hat auch Nordrhein-Westfalen ein Gesetz erlassen, dass die Haltung von Gifttieren regelt. Ungiftige aber dennoch gefährliche Tiere, wie Löwen, Krokodile oder Riesenschlangen können hier jedoch weiterhin ohne Einschränkungen gehalten werden. In den verbleibenden sechs Bundesländern (Baden-Württemberg, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt) ist die Haltung von gefährlichen, exotischen Wildtieren nicht geregelt.

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Tiger King auch in Deutschland?

Auch wenn in Deutschland sicherlich weit weniger Raubkatzen gehalten werden als in den USA: Auch in den Gärten und Wohnzimmern der Republik vegetieren Raubkatzen und andere Raubtiere in beengten Käfigen in nicht artgerechter Haltung. Es ist höchste Zeit, dass Deutschland zum Schutz der Tiere und der Menschen endlich handelt und die Haltung dieser Tiere verbietet.

Tiger King: Privatpersonen halten Raubkatzen

Das tut Pro Wildlife
Seit seiner Gründung klärt Pro Wildlife Öffentlichkeit und Politiker über fehlenden Gesetze im Wildtierschutz auf und setzt sich für eine bundeseinheitliche Regelung ein. Viele andere Länder machen es inzwischen vor und regeln die Privathaltung exotischer Tiere zum Beispiel mit Hilfe einer Positivliste, die festlegt, welche Tiere überhaupt gehalten werden dürfen; nämlich solche, die aus Tier- , Arten- und Naturschutzgründen, aber auch aus Gesundheitsaspekten für eine Privathaltung geeignet sind. Pro Wildlife fordert eine solche Lösung auch für Deutschland. Auch ein Sachkundenachweis sowie deutlich strengere Beschränkungen und Kontrollen der Importe von lebenden Wildtieren sind wichtig, um den Handel und die Haltung von exotischen Wildtieren zu regulieren.

Dieser Artikel wurde zuerst am 29. April 2020 veröffentlicht und am 9. Juli 2020 aktualisiert.

Autorin: Katharina Lameter

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