Schutz für das Nashorn

21. September 2018.

Wie können wir die Wilderei in den Griff bekommen?

Im August 2018 wurden in Malaysia 50 Rhino-Hörner auf dem Weg nach Vietnam beschlagnahmt – eine Rekordmenge. Jeden Tag werden in Afrika drei Nashörner gewildert. Weit mehr als 8.000 Tiere starben in den letzten zehn Jahren, in denen die Nachfrage in Asien nach dem vermeintlichen Wunderheilmittel und Statussymbol explodiert ist. Seither wird intensiv darüber gestritten, wie die Wilderei eingedämmt werden kann. Die Bandbreite an Vorschlägen zur Rettung der Nashörner reicht von der synthetischen Herstellung von Horn über Zuchtbestrebungen südafrikanischer Farmer und der chinesischen Pharma-Industrie bis zu Ankündigungen, das Horn zu vergiften, um Konsumenten abzuschrecken. Wie sinnvoll sind diese vermeintlichen Rettungsansätze?

Nashorn-Horn vergiften?

Zunächst scheint die Idee ebenso simpel wie effektiv: Nashörner betäuben, Löcher in die Hörner bohren, sie mit Gift füllen und mit Signalfarben und Warnschildern vor der tödlichen Gefahr warnen, um Wilderer und Konsumenten abzuschrecken. In Südafrika wurde diese Methode tatsächlich einige Jahre lang von manchen Privatleuten und Reservaten angewandt. Einmal abgesehen von der ethischen Frage, ob es akzeptabel ist, Menschen zu vergiften, birgt die Idee zahlreiche weitere Fallstricke: Zum einen sind die Wilderer nicht die Konsumenten des Horns – das Gift stellt für sie keine Gefahr und somit keine Abschreckung dar; das Wildern lohnt sich allemal. Die Konsumenten leben weit entfernt in Asien und wissen nicht, aus welcher Quelle ihr Nashorn-Pulver stammt. Zum anderen wäre es logistisch unmöglich, das Horn aller 25.000 Rhinozerosse in Afrika zu vergiften – zumal das Horn pro Jahr vier bis sieben Zentimeter wächst und die (kostspielige) Methode ständig wiederholt werden müsste. Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass die Hornfasern so dicht sind, dass sich Gift und Farbe aus dem Bohrloch nicht in das restliche Horn verbreiten.

Betäubtes Nashorn © Martin Harvey

Hörner absägen?

Salonfähiger erscheint manchen der Ansatz der „Vereinigung südafrikanischer Nashornbesitzer“: Viehhaltern ähnlich halten und züchten etwa 300 Farmer in Südafrika mehr als 6.000 Nashörner in eingezäunten Arealen unter strenger Bewachung. Um Wilderern den Anreiz zu nehmen, werden vielen Tieren die Hörner abgesägt. Das kann nur unter Vollnarkose geschehen, was belastend und gefährlich für die Tiere ist. Auch wächst das Horn schnell nach und der invasive Eingriff muss etwa alle zwei Jahre wiederholt werden. Zudem sind selbst kleinste Mengen Horn wertvoll für Wilderer, so dass die Methode keinen zuverlässigen Schutz bietet und zum Teil sogar Tiere mit kleinen Hornstümpfen gewildert werden. Last but not least türmen sich mit den abgetrennten Hörnern neue Probleme auf: Anstatt das Horn zu vernichten, haben südafrikanische Farmer über die Jahre große Lagerbestände angesammelt. Alleine John Hume, der größte Nashornfarmer in Südafrika, besitzt sechs Tonnen Horn.

Horn verkaufen, Fluch oder Segen?

Ursprünglich als Sicherheitsvorkehrung gedacht, hat sich die Entfernung der Hörner zu einer potentiellen Goldgrube entwickelt – und damit zu einem neuen Risiko für wildlebende Nashörner: Denn das angesammelte Horn ist in Asien Millionen wert. Der einzige Haken für die südafrikanischen Nashornbesitzer ist, dass der internationale Handel mit Nashorn-Horn seit 1977 durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) verboten ist. Folglich versuchen sie seit Jahren, das internationale Handelsverbot zu Fall zu bringen und das Horn nach Asien zu exportieren. Sie rechtfertigen ihr zweifelhaftes Geschäftsvorhaben damit, dass sie Geld für die Zucht und den Schutz der Rhinos brauchen. Alle Warnungen vor einer Legalisierung des Handels, der den Konsum in Asien weiter anfachen, sowie Schmuggel und Wilderei anheizen würden, stoßen bei ihnen auf taube Ohren. Das gilt auch für chinesische Pharmakonzerne, die in den vergangenen Jahren Dutzende lebende Nashörner aus Afrika einführten, um sie für „medizinische Zwecke“ zu züchten.

Gewildertes Nashorn © Martin Harvey

Klar ist, dass weder das Horn gezüchteter Rhinos, noch das Horn wildlebender Tiere die potentielle Nachfrage von Millionen Konsumenten decken könnte, die eine Handelsfreigabe befeuern würde. Mit der Handelserlaubnis würde also ein Markt für ein Produkt angekurbelt, das keinerlei medizinische Wirkung hat. Dafür würden alle Nashorn-Arten in Gefahr gebracht werden. Bisher hat die internationale Staatengemeinschaft das Handelsverbot aufrechterhalten. Doch die südafrikanische Rhino Owners Association – und allen voran John Hume – übt massiven Druck aus.

Beschlagnahmtes Elfenbein und Horn © Martin Harvey

Was tun?

Angetrieben wird die Wildereikrise von der hohen Nachfrage in Asien und von international agierenden, kriminellen Syndikaten. Wenn wir die Nashörner in Afrika und Asien retten wollen, müssen die Nachfrage eingedämmt und Handel und Korruption konsequent bekämpft werden. Dazu gehört auch, dass alle beteiligten Länder eng zusammen arbeiten, die internationalen Drahtzieher verhaften und hinter Gitter bringen. Seit Jahren haben Gerichte in Südafrika, wo die meisten Nashörner gewildert werden, Beschuldigte laufen lassen und Urteile vertagt. In Asien und sogar in Europa, das als Transit für die Schmuggler dient, sieht es nicht viel besser aus: In Tschechien verhängte ein Gericht kürzlich lediglich eine Geld- und Bewährungsstrafe für einen von 16 Beschuldigten wegen illegalem Nashorn-Handel, alle übrigen kamen frei. Nur wenn Schmuggel und Wilderei nicht mehr als Kavaliersdelikt gelten und der Konsum von Nashorn-Horn zum Tabu wird, haben die Nashörner noch eine Chance.

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