Palmöl statt Regenwald auf Borneo

12. November 2020.

Abholzung bedroht Orang-Utans & Co.

Auf Borneo, Indonesien, wurden im Sommer 86 Hektar Regenwald dem Erdboden gleichgemacht, in dem zuvor hoch bedrohte Tiere wie Nasenaffen, Orang-Utans, Nebelparder und Schuppentiere gelebt hatten. Die Abholzung soll Platz schaffen, um zwei Palmöl-Fabriken zu errichten. Das ist an sich schon katastrophal genug. Hinzu kommt, dass das Ganze auch noch mit dem Verbrauchersiegel RSPO zusammenhängt, das angeblich nachhaltig produziertes Palmöl ausweisen soll…

Wie glaubwürdig ist das Ökosiegel RSPO?

Regional, saisonal, plastikfrei, vegetarisch/vegan und fair. Soll all das erfüllt sein, wird die Auswahl beim Shoppen traurig gering. Ökosiegel & Verbraucherlabel könnten dabei eine immense Orientierungshilfe geben – gäbe es nicht so viele von ihnen (allein in Deutschland über 1.000 verschiedene!). Und gäbe es nicht so viele Skandale. Denn nicht selten kommt es vor, dass ein Label doch eher ein Marketing-Gag ist oder sich Konzerne schlichtweg nicht an ihre eigenen Richtlinien halten. Das zeigt auch der aktuelle Fall eines Konzerns aus Singapur: First Resources Limited.

Der Konzern ist bereits seit 2008 Mitglied des RSPO, dem „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“. Träger des RSPO-Siegels verpflichten sich, eine Reihe von Prinzipien und Kriterien einzuhalten, die eine nachhaltige Palmölproduktion garantieren sollen. Dennoch hat die Tochterfirma des Konzerns auf Borneo gerade wichtigen Lebensraum für Nasenaffen und viele andere bedrohte Tiere platt gemacht. Wo bis zum Frühjahr noch artenreicher Wald mit Vogelgezwitscher und Affengrunzen vorhanden war, ist bereits auf 86 ha nur noch eine tote Mondlandschaft, auf der eine Palmölraffinerie und eine „Biodiesel“-Fabrik errichtet werden sollen.

Nasenaffen sind akut vom Aussterben bedroht © Pixabay

Nasenaffen sind akut vom Aussterben bedroht © Pixabay

Bulldozer & Kettensägen im Regenwald

Dabei hat der Mutterkonzern First Resources Ltd. erst 2015 äußerst medienwirksam erklärt, man wolle künftig Waldrodungen und Menschenrechtsverletzungen aus der gesamten Produktions- und Lieferkette verbannen. Die indonesische Tochterfirma PT Wahana Prima Sejati hingegen hat seit Januar 2020 an der Ostküste Borneos eine Fläche von 86 Hektar äußerst artenreichen Waldes dem Erdboden gleichgemacht. Das entspricht einer Fläche von etwa 123 Fußballfeldern. Zwei Hügel auf dem Gelände wurden abgetragen, um die Fläche zu ebnen und zu erhöhen. Wald und Wildtiere sind verschwunden, der angrenzende Fluss ist verdreckt, die Schneise der Verwüstung zieht sich bis zum Mangrovenwald an der Küste.

Kritik am RSPO: Kettensägen, Bulldozer und Planierraupen verwüsteten 86 ha Wald © SAVE Wildlife

Kettensägen, Bulldozer und Planierraupen verwüsteten 86 ha Wald © SAVE Wildlife

Abholzung für Palmöl: Legal ist noch lange nicht okay

Das ökologische Desaster, das PT Wahana Prima Sejati verursacht, ist offenbar nicht einmal illegal: 2019 ließ das Unternehmen die erforderliche Umweltverträglichkeitsprüfung anfertigen (auch wenn sich nun abzeichnet, dass dabei wohl falsche Angaben gemacht wurden). Die indonesische Regierung – ohnehin nicht gerade für großes Naturschutz-Engagement bekannt – hat ihnen eine Konzession für das Gebiet erteilt. Denn obwohl der Wald ökologisch wertvoll ist, ist er kein Schutzgebiet, sondern wurde zur nutzbaren Fläche erklärt. Auch wenn die Rodung kein Fall für die indonesische Justiz zu sein scheint, sollte zumindest RSPO angesichts der Kritik hellhörig werden und schleunigst die Reißleine ziehen.

Kritik am RSPO: Ende Juni 2020 glich die Fläche bereits einer Mondlandschaft © SAVE Wildlife

Ende Juni 2020 glich die Fläche bereits einer Mondlandschaft © SAVE Wildlife

Kritik am RSPO: Label muss nun Farbe bekennen

Eines der RSPO-Kriterien besagt, dass keine Entwaldung stattfinden und kein Wald mit hohem Naturschutzwert („high conservation value forest“) beschädigt werden darf – doch die Kriterien sind schwammig formuliert und lassen Interpretationsspielraum zu. In den Waldgebieten der Balikpapan Bay leben diverse bedrohte Tierarten, darunter eine der größten noch verbliebenen Nasenaffen-Populationen (stark gefährdet), Nebelparder (stark gefährdet), Malaienbär (gefährdet), Malaiisches Schuppentier (akut vom Aussterben bedroht) und Marmorkatze (potenziell gefährdet). Ja, es wurden sogar Orang-Utans in dieser Gegend wieder angesiedelt. Und der Lebensraum all dieser Wildtiere muss weichen, damit ein RSPO-Mitglied über seine Tochterfirma Palmöl-verarbeitende Fabriken aufstellen kann?

Eine formale Beschwerde gegen First Resources Ltd. läuft bereits beim RSPO. Pro Wildlife und Rettet den Regenwald haben bei der Firmenleitung offiziell protestiert, RSPO darüber informiert und Online-Petitionen gestartet. Wir fordern: Die Fabriken dürfen nicht errichtet werden, der Wald muss wieder aufgeforstet werden.

Kritik: Palmöl wird wegen der umweltzerstörerischen Produktion auch das „grüne Gift“ genannt

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Immer wieder steht das RSPO-Siegel in der Kritik, wegen der unklaren Kriterien und den vielen Verstößen, die die Mitgliedsfirmen immer wieder begehen. Sollten Kahlschläge wie in der Balikpapan Bay auch noch mit einer RSPO-Zertifizierung belohnt werden, ist jegliche Glaubwürdigkeit des ohnehin angeschlagenen Siegels gänzlich dahin. Mit Nachhaltigkeit hat das alles jedenfalls nichts zu tun, das sollten auch die Verbraucher wissen.

Autorin: Dr. Sandra Altherr

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