Mikroplastik in den Meeren

15.Mai 2019

Unsichtbares Plastik zerstört die Ozeane

Plastik ist überall. Regale und Gemüsetheken in Supermärkten quellen vor Kunststoffverpackungen über, Alltagsgegenstände sind doppelt und dreifach eingeschweißt und häufig werden sogar Plastikgegenstände nochmal in Plastik eingepackt. Der Großteil des von uns genutzten Plastikmülls ist sogenanntes „single-use“ Plastik, das nach einmaliger Verwendung weggeworfen wird – wie Verpackungsfolien, hauchdünne Tüten an der Obsttheke oder Joghurtbecher.

Plastik im Supermarkt

Zwar sammeln und trennen wir Deutsche fleißig Plastikmüll, jedoch wird nur ein Bruchteil davon recycelt; der Rest wird verbrannt oder in Entwicklungsländer exportiert. Vieles davon landet in der Natur. Doch viele Kunststoffprodukte sind giftig und oft nicht oder nur sehr langsam abbaubar. So überdauert unser Plastikmüll in der Natur Jahrhunderte.

Plastik baut sich häufig sehr langsam oder gar nicht ab

Mikroplastik: Unsichtbar und überall

Die Bedrohung der Umwelt durch Mikroplastik war lange wenig erforscht und von der Öffentlichkeit kaum beachtet, doch in jüngster Zeit erhält das Thema immer mehr Aufmerksamkeit. Mit bloßem Auge können wir Mikroplastik häufig gar nicht sehen, denn es handelt sich um Partikel, die kleiner sind als fünf Millimeter.

Mikroplastik in deutschen Flüssen © Wagner et al CC Lizenz 4.0

Dennoch kommt jeder von uns mehrmals täglich mit Mikroplastik in Kontakt, das zum Beispiel in Kosmetika wie Duschgelen, Peelings oder Cremes enthalten ist. Die Partikel werden bewusst beigefügt, um den Reinigungseffekt zu verbessern. Zeitweise enthielten manche Kosmetikprodukte bis zu 15 Prozent Mikroplastik in Form von Plastikpellets. Die Minipartikel landen im Abfluss, doch bisher können die wenigsten Kläranlagen die winzigen Plastikteilchen aus dem Abwasser filtern. Das Mikroplastik gelangt so nahezu ungehindert in die Gewässer und damit früher oder später auch in die Meere.

In vielen Kosmetikprodukten ist Mikroplastik enthalten

Das Mikroplastik in den Ozeanen stammt allerdings nicht nur aus den Abwässern: Größerer Plastikmüll, der in die Meere gelangt, zerfällt durch Wellen und Sonneneinstrahlung allmählich in immer kleinere Partikel, die schließlich nur noch den Bruchteil eines Millimeters messen. Meerestiere fressen oder verschlucken diese Partikel versehentlich – und so gelangt das Mikroplastik über die Nahrungskette in Muscheln, Fische und schließlich auch auf hiesige Teller. Selbst in Meersalz wurde Mikroplastik gefunden.

Mikroplastik landet auch auf unseren Tellern

Je kleiner, desto gefährlicher

Mikroplastikrückstände wurden mittlerweile in nahezu allen Meeresteilen weltweit nachgewiesen. Die Einflüsse auf die im Ozean lebenden Tiere hängen von der Lebensweise, der Konzentration der Partikel im Wasser und der Größe der Teilchen ab. So wirken sich kleinere Partikel meist gravierender auf Organismen aus, da Stückchen im Nanometerbereich durch Zellmembranen gelangen können, was zu Veränderungen in den Zellen führen kann. Partikel im Milli- und Mikrometerbereich hingegen werden von den Tieren oft in Form von Fasern oder Fragmenten aufgenommen und führen zu Verstopfungen, bei großen Mengen sogar zum Tod.

Toter Vogel mit Plastik im Magen © Claire Fackler

Je nach Lebensform sind Organismen unterschiedlich von den Einflüssen des Mikroplastiks in den Meeren betroffen. Studien in Miesmuscheln zeigten Gewebeveränderungen, Entzündungsreaktionen und sogar ein Absterben von Gewebe. Solche kleineren Tiere in marinen Ökosystemen geben das Plastik an ihre Fressfeinde weiter. So wird also auch die Strandkrabbe geschädigt, die sich von den Miesmuscheln ernährt, danach Kraken, Fische und Vögel über die gesamte Nahrungskette hinweg.

Mikroplastik wird über die Nahrungskette weitergegeben

Wie viel Mikroplastik bereits in den Ozeanen ist, ist umstritten. Die Messmethoden sind schwer, teuer und zeitintensiv, was bereits eine Untersuchung von ausgewählten, kleinen Gebieten sehr schwierig macht. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass bis zu fünf Billionen Plastikteile in den Ozeanen schwimmen. Dort bewegen sie sich mit Hilfe der Meeresströmungen um den ganzen Erdball, sammeln sich weiter an und zerfallen in immer kleinere Teile. Mikroplastik konnte mittlerweile in einem Großteil der Oberflächengewässer, Küstengewässer, Mündungsgebieten, Flüssen, Stränden und sogar in der Tiefsee nachgewiesen werden. Einmal ins Meer gelangt, kann es bisher nicht herausgefiltert werden.

Plastik tötet alle Arten von Meeresbewohnern © Peter Chadwick

Wie können Verbraucher Mikroplastik vermeiden?

Viele Menschen tun sich schwer damit, zu erkennen, wo sie selbst Mikroplastik vermeiden können. Oft ist es jedoch recht einfach:
Kosmetika: Viele Apps und Seiten im Internet informieren darüber, in welchen Produkten Mikroplastik enthalten ist. Immer mehr Hersteller von Duschgels, Shampoos und Sonnencremes verzichten auf Mikroplastik. Hautpeeling lässt sich zudem leicht selbst und ohne Mikroplastik herstellen.
Kleidung: Kleidung aus Synthetikfasern verliert bei jedem Waschen Faserteilchen, die von den Kläranlagen nicht aus dem Abwasser gefiltert werden können. Ein Blick auf das Etikett hilft: Vorsicht bei Polyester, Polyamid, Polyacryl, Nylon oder Elasthan, in solchen Kleidungsstücken ist Plastik verarbeitet.

Auch Kleidung kann zum Mikroplastik-Problem werden

Autoreifen: In Folge von Reibung, Druck und Hitze nutzt sich der Reifen mit der Zeit ab und gibt Partikel an die Umwelt ab. Laut Weltnaturschutzunion (IUCN) stammt bis zu einem Viertel der gesamten Mikroplastikmenge weltweit von Reifenabrieb. Hier hilft nur, das Auto öfter stehen zu lassen.
Zigarettenkippen: Sie gehören zu dem Müll, der am häufigsten in die Umwelt gelangt. Die Filter bestehen aus einer Art Bioplastik, das sich nur langsam Zeit abbaut. Doch bis das passiert, werden die Plastikfasern von Tieren aufgenommen. Raucher sollten die Kippen nicht einfach fallen zu lassen, sondern in Mülleimern entsorgen.
Putz- und Spültücher: Sie bestehen oft aus Mikrofasern und Chemiefasern. Ähnlich wie die Kleidung verlieren auch sie bei jedem Gebrauch kleine Kunstfasern und Partikel bei jedem Gebrauch, welche in das Abwasser gelangen. Als Alternative bieten sich Baumwolltücher, Stoffreste oder ökologische Spülschwämme aus Cellulose und Naturfaser.
Plastik: Größere Plastikteile zerfallen im Meer nach und nach zu Mikroplastik. Verbraucher sollten deshalb auf Plastik verzichten, wo es möglich ist. Der Kauf von unverpacktem Obst und Gemüse sowie Mehrwegbecher für den Kaffee unterwegs helfen bereits.

Plastik ist überall
Die globale Kunststoffproduktion betrug im Jahr 2016 etwa 335 Millionen Tonnen, was dem Lebendgewicht der Weltbevölkerung entspricht. Sie wächst jedes Jahr weiter an. Europa produziert knapp 60 Millionen Tonnen pro Jahr, ist für ein Fünftel der weltweiten Kunststoffproduktion verantwortlich und wird nur noch von China (mit etwa 29 Prozent) getoppt.

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