Korallensterben in den Weltmeeren

31. Juli 2018

Zurück bleibt eine bleiche Unterwasserwüste.

“Hawaii verbietet Sonnencreme” – so lautete eine außergewöhnliche Schlagzeile, die Anfang des Sommers im Internet für Aufmerksamkeit sorgte. Was war da los? Will Hawaii seine Touristen loswerden? Nein. Es geht um ein ganz anderes, viel größeres Problem: Der Stoff Oxybenzon, der leider in vielen Kosmetika und auch in Sonnencremes verwendet wird, ist hochgiftig für das Ökosystem unter Wasser.

Das Great Barrier Reef in Australien

Besonders die bunten Korallen vor der Küste leiden unter diesen Giften, denn sie dringen tief bis in die Zellen der empfindlichen Lebewesen vor und führen zur tödlichen Korallenbleiche. Leider nur ein Grund von vielen, wieso die “Regenwälder der Meere”, wie die wunderschönen Korallenriffe auch genannt werden, absterben. Umweltverschmutzung, Überfischung und die steigenden Temperaturen durch den Klimawandel sind die Hauptfaktoren, warum die Korallenbänke in immer größeren Ausmaßen ausbleichen und absterben.

Ein Clownfisch in einer Anemone

Korallenbleiche

Korallenriffe entstehen durch die Kalk-Skelette der Steinkorallen. Steinkorallen setzen sich aus vielen tausenden Polypen zusammen, wovon jeder ein einzelnes Tier ist. Erst durch die Symbiose mit Algen bekommen die Korallen die Anmutung wilder Pflanzen. Diese Vereinigung kommt beiden Seiten zugute: Die Korallen beziehen durch die Algen Sauerstoff und Energie, die Algen bekommen von den Korallen Kohlendioxid, Stickstoff- und Phosphatverbindungen. Die Farbenpracht der Korallenbänke ist eben dieser Symbiose geschuldet und zusammen bilden sie einen Lebensraum für unzählige Arten unter Wasser.

Bunte Korallen

Es wird vermutet, dass 25 Prozent der Meeresfische in den Korallenriffen zuhause sind und dort Schutz und Nahrung finden. Diese Ökosysteme existieren schon seit Urzeiten und sind extrem empfindlich. Kleinste Mengen an Giftstoffen oder eben ein rascher Anstieg der Wassertemperatur führen zu einer Auflösung dieser Symbiose. Denn ist das Wasser zu warm, verlieren die Algen ihr wichtigstes Pigment, das Chlorophyll und sie sterben ab. Übrig bleiben nackte Kalk-Skelette, die ohne Algen nicht überlebensfähig sind. Ein Teufelskreis beginnt: die Korallen bleichen aus und zurück bleibt eine Wüstenlandschaft, in der Meeresbewohner weder Nahrung noch Schutz finden. Das ganze Ökosystem stirbt.

Eine Meeresschildkröte in einem Korallenriff

Die Korallenbleiche wird bereits seit 30 Jahren beobachtet. Aber gerade in den vergangenen Jahren hat das Ausbleichen rasant zugenommen. Am gravierendsten sind die Entwicklungen im Great Barrier Reef vor Australien. Dort hat die Hitzewelle 2016 zu großflächigen Bleichen geführt. Forscher diagnostizieren deshalb eine düstere Zukunft: Sollte es der Weltgemeinschaft nicht gelingen, den weltweiten Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius zu begrenzen, haben die Riffe keine Chance.

Das Great Barrier Reef von oben

Vergiftung der Korallen

Global gesehen ist der Anstieg der Wassertemperaturen die größte Bedrohung unserer Korallenriffe. Aber es ist nicht der einzige Grund, warum viele Korallen krank sind. Inhaltsstoffe von Kosmetika, insbesondere von Sonnencreme, sind für die Korallen extrem gesundheitsschädlich. Und die Verschmutzung ist erheblich: ca. 14.000 Tonnen Sonnencreme gelangen jährlich in unsere Weltmeere.

Dazu kommen Verschmutzungen aus Seifen und Waschlotionen. Sie werden über das Waschbecken aus Badezimmern oder von Kreuzfahrtschiffen sowie durch Kläranlagen in Gewässer gespült und verunreinigen das Meer. Auf Hawaii sind die Cremes mit dem Stoff Oxybenzon ab dem 1. Januar 2021 nicht mehr zulässig. Wer nach Hawaii fliegt, bekommt bei Hawaiian Airlines ein kleines Tütchen „Riff-sichere“ Sonnencreme. Allerdings gibt es noch keine absolut unproblematische Alternative, auch nicht bei uns in Deutschland.

Mit Dynamit auf Fischfang

Führt man sich vor Augen, wie empfindlich Korallen auf Giftstoffe reagieren, möchte man sich die Haare raufen angesichts der grotesken Fischereimethoden wie dem Cyanid- oder noch brutaler, dem Dynamitfischen in Asien oder Afrika. Die Giftfischerei mit dem Nervengift Cyanid ist besonders in Asien eine beliebte Fangmethode, wo tropische Fische gerne mal als Spezialität oder als Deko in Aquarien enden. Dabei betäuben Fischer mit einer Zyankali-ähnlichen Substanz die Fische, um sie leichter ins Netz zu bringen. Wo die Fische gerade noch so überleben, sterben die Algen und die Pflanzen an den giftigen Schwaden.

Fischer in Asien

Noch schlimmer geht es beim Dynamitfischen zu. Hier ist der Name Programm: Fischer werfen Dynamit ins Wasser und sammeln anschließend die tote Beute ein. Was das für die Korallen bedeutet, dürfte jedem klar sein. Zwar sind Cyanid- und Dynamitfischen fast überall verboten, aber fehlende Kontrollen machen es den Fischern leicht, die Gesetze zu umgehen. Oft bleibt ihnen gar keine andere Wahl, als zu diesen rabiaten Methoden zu greifen. Denn die großen Fangnetze der Industrieschiffe rauben die Meere derart aus, dass für traditionelle Fischer kaum etwas übrig bleibt.

Ein Fischer in Asien

Tauchtourismus – Risiko und Chance

Korallenriffe sind nicht nur hübsche Lebensräume für hübsche Fische. Sie sind auch für uns Menschen von großer Bedeutung. Denn die Fische, die darin leben, sind Nahrungsgrundlage und Einnahmequelle für viele Millionen Menschen. Außerdem schützen die Korallenriffe die Küstenlinien vor Erosion durch tropische Stürme und fungieren als Barriere für den Anstieg des Meeresspiegels. Rein aus ökonomischer Sicht ist der Verlust der Korallenriffe fatal. Länder wie die Malediven oder Australien beziehen große Einnahmen ihres Bruttoinlandprodukts aus dem Tourismus. Besonders am Great Barrier Reef sorgen Millionen naturverliebter Besucher für einen Milliarden-Umsatz. Das bleibt nicht ohne Folgen. Wie überall, wo die Massen nach Vergnügen suchen, nimmt auch das maritime Ökosystem Schaden.

Taucher in einem Korallenriff

Aber: Das System ist durchaus in der Lage, sich zu regenerieren – wenn der Mensch die Finger davon lässt. Eindrucksvoll zeigt sich das neuerdings im Roten Meer. In Ägypten kam durch Revolution, Putsch und Militärregierung praktisch der Tourismus zum Erliegen. Schlecht für die Beduinen und die Hotelangestellten, aber gut für die Riffe, die sich nach jahrelanger Dauerbelastung durch Sonnencreme, Plastik, Trittschäden und Sandablagerungen durch die vielen Bootspropeller der Ausflügler endlich erholen konnten. Taucher berichten, dass die Riffe heute kaum wieder zuerkennen seien. In den buntesten Farben würden sich dort die Korallen und ihre Meeresbewohner präsentieren.

Ein Feuerfisch im Roten Meer

Nachhaltiger Tauchtourismus – so könnte ein Modell der Zukunft aussehen. Denn gerade diejenigen, die auf ihre Unterwasser Attraktionen Acht geben und sie pflegen, können längerfristig vom Geld der Besucher leben. Das hieße Tauchgänge begrenzen, das richtige Verhalten unter Wasser vermitteln und Bojen anlegen, die das ankern überflüssig machen. Das sind Ansätze, die dem Massensport Tauchen in Zukunft das eigene Revier sichern können.

Was können wir tun?

Gerade beim Tauchen ist ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Natur unerlässlich. Das heißt: Abstand halten, nicht auf Korallen aufstützen oder gar darauf stellen, keine Souvenirs mitnehmen und Korallen auf keinen Fall abbrechen. Auf chemische Sunblocker verzichten und bei längeren Aufenthalten im Wasser lieber ein T-Shirt mit UV-Filter tragen. Soll es trotzdem Sonnencreme sein, gibt es Alternativen aus der Naturkosmetik, auch wenn diese nicht immer unproblematisch sind.

Diskusfische im Korallenriff

Wer Fisch auf seinem Teller möchte, sollte darauf achten, dass es sich dabei um keine Fischart handelt, deren Bestände aktuell von Überfischung bedroht sind. Da die Bestände insgesamt übernutzt sind, müssten Urlauber häufiger auf solche Gaumenfreunde verzichten. Grundsätzlich hilft es den Korallen, den eigenen CO2-Abdruck so klein wie möglich zu halten – weniger Auto fahren, weniger Fliegen, weniger Fleisch konsumieren und auf Ökostrom umsteigen. Muss es doch mal die Flugreise sein (vielleicht sogar ins heißgeliebte Tauchgebiet?), können Klimaschutzprojekte zum Beispiel von atmosfair.com dazu beitragen, zumindest einen Teil der Emissionen zu neutralisieren.

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