Falknerei: Freizeitspaß oder Tierquälerei?

Eine beliebte Freizeitbeschäftigung: Ein Besuch in der Falknerei.

Da kann man doch mit gutem Gewissen hingehen, denken sich viele! Die Tiere können ja frei fliegen und kommen freiwillig wieder zurück! Aber stimmt der Eindruck vom semifreien Leben der Greifvögel in einer Falknerei wirklich?

Die meisten Menschen verbinden mit der Falknerei Greifvogel- Flugvorführungen auf Burgen, in Freizeit- oder Vogelparks. Der Vogel spannt seine wunderschönen Flügel weit auf und fliegt eine große Runde. Er kommt zurück und setzt sich auf den Arm oder die Hand des Falkners. Hier bekommt er eine Belohnung, ein Stückchen Fleisch oder ein Eintagsküken. Für viele scheint der Besuch einer Flugshow mit Falken, Adlern und Geiern eine willkommene Abwechslung zum Zoo-Besuch, wo die Tiere hinter Gittern eingesperrt sind. Der Freiflug des Adlers in der Falknerei scheint nichts mit Tierquälerei zu tun haben. Doch wenn man sich den Ursprung dieser Vorführung anschaut, wird einem schnell klar, dass hier eben doch vieles nur Show ist. Um es direkt deutlich zu machen: JA, leider sind auch Falknereien mit ihren teilweise frei fliegenden Adlern und Bussarden Tierquälerei.

Falknerei © Pixabay

Falknerei © Pixabay

Falknerei ist Tierquälerei

Um das nachzuvollziehen, muss man sich zunächst einmal vor Augen führen, wozu die Falknerei eigentlich dient: Nämlich zur Jagd, der sogenannten Beizjagd, bei der mit abgerichteten Greifvögeln frei lebendes Wild gejagt wird. Diese Methode entstand vor etwa 3.500 Jahren in Zentralasien, wo vor allem Falken für die Jagd in der offenen Steppe eingesetzt wurden. Anders als der Name vermittelt, jagen Falkner auch mit anderen Vögeln als dem Falken, etwa mit Bussard oder Habicht. Gejagt werden beispielsweise Rehwild, Wolf, Fuchs, Fasan und Hase. Viele der Beutetiere sterben dabei einen langsamen und schmerzhaften Tod, wenn sie durch die Vögel ergriffen und verwundet werden. Vor allem die Jagd auf größere Tiere wie Wolf und Reh bedeutet für die Tiere große Qualen. Meist töten die Raubvögel ihre Beute nicht, sondern fixieren diese, bis der Jäger kommt. Manche können sich allerdings aus den Greifen des Raubvogels befreien und erliegen später ihren Wunden.

Um die Vögel überhaupt für die Jagd (und somit auch Show) einsetzen zu können, müssen sie zuvor gefügig gemacht werden. Sie werden von klein an auf den Menschen fehlgeprägt und somit abhängig gemacht, sodass sie immer wieder zu ihren Peinigern zurückkehren. Ihr Wille wird früh gebrochen. Dafür gibt es mehrere Methoden, weit verbreitet ist es allerdings, die Tiere fest am Arm anzubinden und so lange herumzutragen, bis sie den Versuch, wegzufliegen, aufgeben. Damit der Vogel garantiert zurück kommt, lassen die Falkner ihre Tiere hungern, teils tagelang.

Ein Leben lang an einen Stock gebunden

Die Haltung der Tiere ist, in welcher Form auch immer, mit großem Leid verbunden. Bei der Anbindehaltung verbringen die Tiere nahezu ihr ganzes Leben mit Fußfesseln angebunden an einem Holzpflock. Versuchen sie, zu fliegen, werden sie von der ein bis zwei Meter langen Lederschnur zurückgerissen. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) führen zudem Panikreaktionen insbesondere bei sehr großen Volieren, in denen die Vögel hohe Geschwindigkeiten erreichen, zu Verletzungen bis hin zu Todesfällen. Um die Greifvögel ruhigzustellen, nehmen die Falkner ihnen oftmals zeitweilig sämtliche visuelle Reize und verdecken ihre Augen mit einer Haube.

Falknerei

Falknerei © Pixabay

Hybriden bedrohen heimische Populationen

Nicht selten kommen die Tiere einfach nicht zurück, dies stellt ein großes Problem für unsere heimische Fauna dar, da nicht nur heimische Vögel zur Jagd eingesetzt werden, sondern auch Hybride (zum Beispiel der Gerlin, eine Hybridzüchtung aus arktischen Gerfalken, 1.350 bis 2.020 Gramm x Merlin, 125 bis 300 Gramm) und nicht heimische Arten wie dem nordamerikanischen Wüstenbussard. Den Falknern entkommene Hybrid-Falken und nicht heimische Tiere haben sich in Europa schon mehrfach mit frei lebenden Raubvögeln verpaart. Die Nachkommen sind eine Gefahr für die Brutpopulation einheimischer Raubvogelarten.

Deshalb empfehlen wir Ihnen, diese Einrichtungen nicht zu besuchen.

Mehr Informationen:

>> Wildtiere in Zoo und Zirkus

>> Merkblatt der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz

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