Die Rote Liste der gefährdeten Arten

IUCN stuft 759 weitere Arten als bedroht ein

Vor 65 Millionen Jahren verursachte ein Meteorit das wohl berühmteste Artensterben der Erdgeschichte. In den 1980er Jahren warnten Wissenschaftler erstmals davor, dass wir bald Zeugen des sechsten Massensterben werden könnten – diesmal menschgemacht. Nun ist es soweit:

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Jahrhunderte lang hat der Mensch zu seinem vermeintlichen Vorteil die Natur ausgebeutet, transformiert und ganze Ökosysteme vernichtet. Damit hat er das empfindliche Gleichgewicht der Natur massiv gestört, was zu einem Verlust ihrer Biodiversität geführt hat. Verdeutlicht wird dies durch die Internationale Rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten der Weltnaturschutzunion IUCN. Besonders in den Tropen, die Hotspots der Biodiversität sind, ist der Artenreichtum stark zurückgegangen. Die sensiblen, perfekt aufeinander abgestimmten Wechselwirkungen der Natur werden durch zahlreiche menschliche Eingriffe stark belastet. Der Verlust beziehungsweise die Fragmentierung der Lebensräume, Umweltverschmutzungen, sowie legaler und illegaler Wildtierhandel führen jährlich dazu, dass tausende von Tier- und Pflanzenarten aussterben.

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Fast 26.000 Arten vom Aussterben bedroht

Seit die Rote Liste erstmals im Jahre 1962 veröffentlicht wurde, hat ein Netzwerk von mehr als 8.000 Spezialisten den Status von 91.523 Arten erfasst, davon gelten 25.821 als bedroht (Stand Dezember 2017). Allein in den letzten Monaten hat IUCN weitere 759 Arten als bedroht eingestuft und den Gefährdungsstatus von 3.536 neuen Arten zur Internationalen Roten Liste hinzugefügt. Neben diversen Pflanzenarten stehen auch viele Tierarten kurz vor dem Aussterben – 41 Prozent der Amphibien, 33 Prozent der Korallen, 25 Prozent der Säugetiere und 13 Prozent der Vögel sind gefährdet.

Irrtum Nr. 1: „Arten, die nicht auf der Roten Liste stehen, sind auch nicht bedroht.“
Oft wird angenommen, wenn eine Art nicht auf der Roten Liste steht, dann sei sie auch nicht bedroht und könnte ohne Probleme genutzt werden. Ein fataler Irrtum, denn die Rote Liste ist mangels Kapazitäten und belastbarer Populationsdaten (gerade bei neu entdeckten oder weniger beachteten Arten) schlicht nicht vollständig: Forscher gehen davon aus, dass wir bis heute nur 20 Prozent der auf der Erde vorkommenden Arten entdeckt und bestimmt haben. Den Großteil dieser unbestimmten Arten werden wir wohl nie zu Gesicht bekommen, denn täglich verschwinden 150 Tier- und Pflanzenarten von unserer Erde – sie sind damit unwiederbringlich verloren.

Aufbau der Roten Liste bedrohter Arten

Um den Status einer Art zu ermitteln, ist es nötig, diverse Informationen zu sammeln und unter wissenschaftlichen Aspekten zu bewerten. Neben der Größe des Verbreitungsgebietes und der Population spielen weitere Faktoren wie Bedrohungen und Ökologie eine wichtige Rolle. Deshalb wurden 1992 acht verschiedene Gefährdungskategorien, die bis heute gültig sind, eingeführt.

• EX – Ausgestorben
• EW – in der Natur ausgestorben
• CR – vom Aussterben bedroht
• EN – stark gefährdet
• VU – gefährdet
• NT – potenziell gefährdet
• LC – nicht gefährdet
• DD – ungenügende Datengrundlage

Als weltweit anerkannter kritischer Indikator verzeichnet die Rote Liste der bedrohten Tier- und Pflanzenarten nicht nur den Status diverser Arten aus dem Reich der Tiere, Pilze und Pflanzen. Vielmehr ist sie ein Werkzeug, das Regierungen, wissenschaftliche Institute, Organisationen und Privatpersonen dabei hilft, Prioritäten im Bereich des Naturschutzes zu setzen.

Der Dodo ist bereits vor mehr als 300 Jahren ausgestorben

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Ziel der Roten Liste ist es, bis 2020 den Status von 160.000 Arten zu beschreiben, somit ein vollständigeres Bild abzugeben und den Naturschutz mithilfe von Informationen weiter zu fördern.

Irrtum Nr. 2: „Arten, die auf der Roten Liste stehen, sind automatisch geschützt“
Leider sind dies zwei völlig unabhängige Vorgänge: Die Rote Liste wird von Experten erstellt, die die Gefährdungssituation einer Art analysiert. Doch damit eine bedrohte Art auch international unter Schutz gestellt wird, müssen weitere Daten (z.B. zum Handel) zusammengetragen sowie Regierungen überzeugt und aktiviert werden. Erst wenn Schutzanträge für das CITES-Artenschutzübereinkommen ausgearbeitet und von einem Land eingereicht werden – und auch die erforderlichen Mehrheiten den Antrag unterstützen – wird eine bedrohte Art endlich unter internationalen Schutz gestellt.

Zusätzlich zu der internationalen Roten Liste führen auch einzelne Länder nationale Rote Listen. Diese beleuchten den Status von Flora und Fauna im regionalen Zusammenhang. In Deutschland wurden bis heute 40.000 Tier- und Pflanzenarten hinsichtlich ihres Gefährdungsstatus bewertet, mehr als ein Viertel davon gelten als bedroht oder ausgestorben.

Diese alarmierende Tatsache dürfen wir nicht ignorieren! Wir müssen handeln! Denn die Erde ist unser Zuhause, sie ist unser größtes und wichtigstes Gut, wo sollten wir hingehen wenn wir sie zerstören?

Mehr Informationen:

»  Internationale Rote Liste bedrohter Arten

» CITES – das Washingtoner Artenschutzübereinkommen

» Tierhandel

» Lebensraum der Wildtiere schützen!

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