Froschschenkel-Handel

Ausgequakt: Europas Gourmets bedrohen Asiens Frösche

4.600 Tonnen Froschschenkel importiert die EU jährlich aus Indonesien – das entspricht 100-200 Millionen Fröschen. In den 1980er Jahren kamen Froschschenkel in Verruf: Damals sorgten Bilder aus Indien und Bangladesch für Entsetzen, die zeigten, wie grausam Fröschen die Beine abgehackt wurden. 1985 wurden die zwei damals meist gehandelten Arten auf Initiative Deutschlands weltweit unter den Schutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gestellt – und das Thema verschwand aus den Schlagzeilen. Zunächst…

Indonesiens Frösche verschwinden

Pro Wildlife wollte jedoch wissen, ob dieses Problem wirklich aus der Welt geschafft ist. Unsere Recherchen brachten Erschreckendes zutage: Gemeinsam mit den US-Verbänden Defenders of Wildlife und Animal Welfare Institute hat Pro Wildlife die Studie „Canapés to Extinction“ veröffentlicht, die zeigt, dass sich das Problem von Indien und Bangladesh nach Indonesien verlagert hat. Dort werden seither bis zu 200 Millionen Frösche jährlich aus Reisfeldern und Tümpeln für den Export in die EU eingefangen – mit fatalen Folgen für die Natur: Die Frösche werden immer seltener, sie fehlen als Insekten- und Schädlingsbekämpfer. 200 Millionen Frösche würden jährlich bis zu 800.000 Tonnen Insekten, Schnecken und andere Agrarschädlinge vertilgen – wenn sie nicht gefangen, getötet, eingefroren und nach Europa verschifft würden. So jedoch wird der Einsatz von Pestiziden in Indonesien immer weiter erhöht, die Gewässer werden hierdurch immer mehr verschmutzt – mit negativen Folgen für die Artenvielfalt wie auch den Menschen.

Froschschenkel-frisch_PW

Die EU muss endlich handeln!

Die EU ist und bleibt trauriger Spitzenreiter der Frosch-Vernichtung – allen voran Frankreich, Belgien und Holland. Seit 1992 ist es in der EU verboten, Frösche zu fangen und zu verkaufen, also importiert man seither aus Asien – ohne Rücksicht auf die Folgen für die dortigen Ökosysteme. Pro Wildlife fordert von der EU nun, endlich die Verantwortung für die Naturplünderungen zu übernehmen, die Importe drastisch zu reduzieren und sich dafür einzusetzen, dass Frösche weltweit besser geschützt werden. Seit Veröffentlichung unseres Berichtes hat die EU das Froschschenkel-Thema bereits wiederholt diskutiert, aktuell erarbeitet Frankreich als größter EU-Markt weitere Informationen, um ggf. im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) aktiv zu werden. Bereits 2012 stellte Pro Wildlife die fatale Rolle der EU auf dem CITES-Tierausschuss vor und forderte ein Ende des unkontrollierten Handels mit Froschschenkeln. Doch bislang scheitern EU-Maßnahmen am Desinteresse Frankreichs.


Restaurant-Kampagne: „Frösche kommen mir nicht in den Topf“

Auch Starkoch Stefan Marquard, ausgezeichnet mit dem Michelin Stern und bekannt aus TV-Shows, war überrascht, als er von dem Ausmaß der Frosch-Plünderungen hörte: „Ich dachte, das sei längst passé.“ Nun unterstützt er die Kampagne von Pro Wildlife zum Schutz der Amphibien: „Froschschenkel kommen mir nicht in den Topf“ sagt er und empfiehlt auch seinen Kollegen, auf die fragwürdige Delikatesse zu verzichten. Denn auch wenn in Deutschland im Vergleich zu Frankreich wenig Froschschenkel konsumiert werden, stehen sie immer wieder bei „Französischen Wochen“ oder in französischen Restaurants auf der Speisekarte…

Dieses Projekt wird freundlicherweise von der Eva Mayr-Stihl Stiftung und der Heidehof-Stiftung unterstützt.

 

Was können Sie für den Schutz der Frösche tun?

1) Boykottieren Sie Froschschenkel! Und reden Sie mit Freunden, Kollegen und Verwandten über dieses Thema. Dieses Luxusprodukt ist völlig überflüssig!

2) Wenn Sie Froschschenkel auf Speisekarten im Restaurant entdecken, sprechen Sie das Personal darauf an, informieren Sie sie freundlich, aber bestimmt über die großen Tier- und Artenschutzprobleme und bitten Sie sie, solche Gerichte von der Speisekarte zu nehmen. Gleiches gilt für Angebote im Supermarkt (v.a. in den Gefriertruhen).

3) Melden Sie uns Restaurants, die noch immer Froschschenkel auf der Speisekarte haben!

 

Weitere Informationen:

» Bericht „Canapés to Extinction“ (pdf)

» Focus-Artikel: Europas Gourmets gefährden Asiens Frösche