München, 26. Januar 2026. – Am 27. Januar startet Europas größte Jagdmesse JAGD & HUND in Dortmund. Über 90 Aussteller bieten dort Trophäenjagd auf Elefant, Nashorn, Löwe, Eisbär und viele weiteren Arten an. Dabei zeigen zwei neue Rechtsgutachten, dass ein Ausschluss tier- und artenschutzwidriger Messeangebote möglich ist. 21 Tier- und Artenschutzorganisationen fordern die Stadt auf, Anbieter von Trophäenjagdreisen endlich von der Messe zu verbannen. „Deutschland verzeichnet weiterhin alarmierend hohe Trophäeneinfuhren. Laut aktueller Auskunft des Bundesumweltministeriums wurden 2025 651 Trophäeneinfuhren allein geschützter Tierarten registriert. Dies erfordert unverzügliches Handeln auch auf kommunalpolitischer Ebene“, fordert Dr. Mona Schweizer von Pro Wildlife.
Gutachten belegen Handlungsmöglichkeiten
Ein von Tier- und Artenschützern in Auftrag gegebenes neues Rechtsgutachten zeigt, dass unter anderem auf Basis des Tierschutzgesetzes, welches Töten ohne vernünftigen Grund unter Strafe stellt, der Ausschluss von Trophäenjagd-Anbietern von der Messe dringend geboten und rechtsicher möglich ist. Die Möglichkeit zum Ausschluss bestimmter Wirtschaftszweige belegt auch ein Gutachten, dass dem Stadtrat im Dezember 2025 vorgelegt wurde. „Die Messe zeichnet sich seit Jahren durch Rückschritt statt Fortschritt aus. Selbst frühere Einschränkungen wie unter anderem das Vermarktungsverbot von Löwen-Gatterjagden wurde – angeblich aus juristischen Bedenken – 2024 wieder zurückgenommen. Mit den neuen Gutachten können sich Messeleitung und Stadt nicht länger hinter vorgeschobenen Argumenten verschanzen und der Verantwortung entziehen“, kritisiert Schweizer.
Vermarktung umstrittener Elefantenjagden
Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigt auch das Angebot umstrittener Elefantenjagden in Botswana, die von einer wachsenden Zahl von Ausstellern auf der JAGD & HUND vermarktet werden. Seit der Aufhebung des Trophäenjagdverbots 2019 erhöhte Botswana die jährlichen Jagdquoten massiv: allein in den letzten Jahren von 281 (2022) auf 415 Tiere (2026). Ein aktueller Bericht von Wissenschaftlern aus Botswana verdeutlicht die fatalen Konsequenzen für die botswanische Elefantenpopulation. „Die Trophäenjagd löscht gerade die wenigen verbliebenen, bereits durch Wilderei und Lebensraumschwund bedrohten älteren Elefantenbullen aus, die für die Fortpflanzung und die Sozialstruktur und damit das langfristige Überleben der Population so wichtig sind“, erklärt Biologin Schweizer. „Dass die Messe solchen Angeboten eine Plattform bietet, ist aus Artenschutzsicht fatal.“
Messe und Stadt Dortmund in der Verantwortung
Während die gesellschaftliche Ablehnung gegenüber Trophäenjagd in Import- und Exportländern groß ist – zum Beispiel 89 Prozent in Deutschland und 68 Prozent in Südafrika – diskutiert der Dortmunder Stadtrat seit Jahren über die umstrittene Vermarktung von Trophäenjagdangeboten auf der Messe – ohne Ergebnis. Die JAGD & HUND ist eine messeeigene Veranstaltung und die Stadt Dortmund alleinige Gesellschafterin der Messehallen, damit trägt der Stadtrat die politische Verantwortung. „Wer Eigentümerin der Messe ist, entscheidet auch über deren Inhalte“, betont die Pro Wildlife Expertin. „Der Stadtrat muss endlich die Vermarktung von Trophäenjagdangeboten beenden.“
Hintergrundinfos
Diese Pressemitteilung wird unterstützt von:
BBT – Bündnis bayerischer Tierrechtsorganisationen
Bund gegen den Missbrauch der Tiere e. V.
Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht e. V.
Deutscher Tierschutzbund e. V.
ElasmOcean e. V.
Future for Elephants e. V.
Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung e. V.
Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V.
GNA-Stiftung
Humane World for Animals Deutschland
Jane Goodall Institut Deutschland e. V.
Landestierschutzverband NRW e. V.
Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e. V.
OceanCare
PETA Deutschland e. V.
Rettet den Regenwald e. V.
Rettet die Elefanten Afrikas e. V.
Stiftung für das Tier im Recht
VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz
Wildtierschutz Deutschland e. V
