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Schon kleine Veränderungen helfen heimischen Wildtieren und Insekten: Heimische Pflanzen, Wasserstellen und naturnahe Ecken bieten Nahrung und Unterschlupf. Wer auf Pestizide, Torf und Mähroboter verzichtet und etwas Unordnung zulässt, schafft wertvolle Lebensräume – im Garten ebenso wie auf dem Balkon oder der Fensterbank.
Wie kann ich vor meiner Haustür Artenschutz betreiben?
Praktischen Artenschutz können wir buchstäblich vor der eigenen Tür betreiben. Denn viele heimische Wildtiere und Insekten verlieren ihre Lebensräume: Wo früher blühende Wiesen, Hecken und wilde Säume waren, finden sich heute versiegelte Flächen, intensiv genutzte Äcker oder kurz geschorener Zierrasen. Naturnahe Gärten, Balkone und Grünflächen können als Trittsteine dienen, die Lebensräume miteinander verbinden. Und das Beste: Wer der Natur mehr Raum lässt, kann sich das aufwendige Rasenmähen und Zurückschneiden oft sparen.
Welche heimischen Arten sind bedroht?
Wildbienen, Schmetterlinge, Vögel, Igel und Reptilien stehen unter Druck. Die Roten Listen zeigen, wie viele heimische Arten gefährdet sind oder bereits als ausgestorben gelten. Ein wichtiger gemeinsamer Faktor ist der Verlust geeigneter Lebensräume. Auch im eigenen Garten können Sie etwas dagegen tun.
| Artengruppe | Was die Rote Liste zeigt |
| Wildbienen | 40,9 % der 557 heimischen Arten gelten als bestandsgefährdet, 39 Arten bereits als ausgestorben oder verschollen. (Rote Liste der Bienen Deutschlands, 2011) |
| Tagfalter und Widderchen | 44,9 % der 207 bewerteten Arten sind bestandsgefährdet, nur 34,3 % ungefährdet; 10 Arten sind ausgestorben. (Rote Liste Tagfalter & Widderchen, BfN & Rote-Liste-Zentrum, 2025) |
| Brutvögel | 43 % der 259 Arten stehen auf der Roten Liste; im Offenland gelten drei Viertel als gefährdet, mit Vorwarnliste sogar 87 %. (Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 6. Fassung, 2021) |
| Braunbrustigel | In Deutschland 2020 von „ungefährdet“ auf die Vorwarnliste hochgestuft; die Populationen gehen langfristig zurück. (Rote Liste der Säugetiere Deutschlands, 2020) |
| Heimische Echsen | Nur Waldeidechse und Blindschleiche gelten bundesweit als ungefährdet; Zauneidechse und Mauereidechse stehen auf der Vorwarnliste, die Smaragdeidechsen gelten als gefährdet. (Rote Liste der Reptilien Deutschlands, 2020) |

Mit heimischen Pflanzen können Sie im eigenen Garten und auf dem Balkon Nahrung und Lebensräume schaffen. Besonders wertvoll sind Blüten für Insekten sowie Beeren und Samen für Vögel.
Welche Pflanzen helfen Wildbienen, Schmetterlingen und Vögeln?
Ein kurz geschnittener Rasen und sterile Ziergärten bieten vielen Wildtieren wenig Nahrung und Lebensraum. Heimische Wildblumen, Kräuter und Gehölze sind oft die bessere Wahl: Sie versorgen Insekten mit Nektar und Pollen, bieten Raupen Futter und liefern Vögeln Samen, Beeren und Insekten als Nahrung.
Sie müssen dafür nicht den ganzen Garten verwildern lassen. Schon ein paar wilde Streifen, eine blühende Ecke oder ein bepflanzter Balkonkasten können helfen. Achten Sie auf heimische, standortgerechte Pflanzen und ein Blütenangebot vom Frühjahr bis in den Herbst.
Achten Sie auf einfache Blüten: Wählen Sie möglichst Pflanzen, bei denen die Staubgefäße in der Mitte gut sichtbar sind. Stark gefüllte Blüten haben oft weniger zugänglichen Nektar und Pollen.
| Kategorie | Gut für Wildtiere |
| Stauden und Wildblumen | Wiesen-Storchschnabel, Natternkopf, heimische Flockenblumen, Wilde Karde |
| Küchenkräuter | Thymian, Salbei, Oregano, Schnittlauch und Minze – möglichst blühen lassen |
| Einjährige Pflanzen | Ringelblume, Borretsch, Kapuzinerkresse und standortgerechte Wildblumenmischungen |
| Sträucher und Gehölze | Weißdorn, Schlehe, Holunder, Vogelkirsche und heimische Brombeeren |
Tipp: Lassen Sie verblühte Stauden und Samenstände möglichst bis zum Frühjahr stehen. Sie bieten Insekten Winterquartiere und Vögeln Nahrung. Heimische Gehölze liefern außerdem Blüten, Früchte und geschützte Nistplätze.

Wie gestalte ich meinen Garten und Balkon wildtierfreundlich?
Ob großer Garten oder kleiner Balkon – mit der richtigen Gestaltung schaffen Sie wertvolle Lebensräume. Im Garten helfen vor allem naturnahe Strukturen, auf dem Balkon kommt es auf geeignete Pflanzen und sichere Wasserstellen an.
Tipps für einen naturnahen Garten
- Heimische Pflanzen wählen: Heimische Wildblumen, Stauden und Sträucher bieten Nahrung und Schutz. Achten Sie auf ein möglichst langes Blütenangebot und wählen Sie Pflanzen, die zum Standort passen.
- Wilde Ecken zulassen: Lassen Sie Laub unter Sträuchern liegen und richten Sie, wenn möglich, einen Laub- oder Reisighaufen ein. Totholz, stehen gelassene Staudenstängel und offene Bodenstellen bieten Unterschlupf und Nistmöglichkeiten für zahlreiche Tiere.
- Wasser anbieten: Eine flache, standsichere Wasserschale hilft Vögeln und Insekten, ihren Durst zu stillen. Reinigen Sie sie regelmäßig und sorgen Sie dafür, dass kleine Tiere sicher hinein- und wieder herauskommen. Ein naturnaher Teich kann zusätzlichen Lebensraum bieten.
- Rückzugsorte erhalten: Prüfen Sie vor Schnittarbeiten, ob Tiere in Hecken und Sträuchern leben oder nisten. Lassen Sie verblühte Stauden möglichst bis zum Frühjahr stehen. Ihre Samen dienen Vögeln als Nahrung, die Stängel bieten Insekten Unterschlupf.
Tipps für einen wildtierfreundlichen Balkon
- Blühpflanzen in Kästen und Kübeln: Auch auf dem Balkon können Sie Wildbienen und anderen Insekten Nahrung bieten. Pflanzen Sie heimische Arten wie Wiesensalbei, Wiesen-Flockenblume oder Kartäusernelke. Küchenkräuter wie Thymian, Oregano und Salbei sind ebenfalls wertvoll, wenn Sie sie blühen lassen. Kombinieren Sie verschiedene Arten, damit vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrung zur Verfügung steht. Achten Sie auf die Lichtverhältnisse Ihres Balkons.
- Wasser bereitstellen: Eine flache Schale hilft Vögeln und Insekten, besonders an heißen Tagen. Reinigen Sie sie regelmäßig und legen Sie kleine Steine hinein, auf denen Insekten landen können.
- Torffreie Erde verwenden: Für den Torfabbau werden wertvolle Moore zerstört. Torffreie Blumenerde schont diese Lebensräume.
Was schadet Wildtieren im Garten und auf dem Balkon?
| Finger weg von … | Warum problematisch | Besser so |
| Unkraut- & Insektenvernichtungsmitteln | Sie schaden auch nützlichen Insekten und anderen Tieren. | Unkraut von Hand jäten und Schädlinge absammeln. |
| Schneckenkorn mit Metaldehyd | Es kann nicht nur Schnecken, sondern auch Igel, Vögel, Amphibien und andere Tiere vergiften. | Schnecken absammeln und natürliche Fressfeinde fördern. |
| Chemischen Düngern | Bei übermäßiger Anwendung können Nährstoffe in Gewässer gelangen und Ökosysteme belasten. | Sparsam düngen und möglichst reifen Kompost verwenden. |
| Torferde | Der Torfabbau zerstört wertvolle Moore, die Lebensraum bieten und große Mengen Kohlenstoff speichern. | Torffreie Erde verwenden. |
| Laubsaugern und -bläsern | Sie können Kleintiere und Insekten verletzen oder aufsaugen. | Laub mit dem Rechen zusammenkehren und teilweise unter Sträuchern oder in Ecken liegen lassen. |
| Regentonnen ohne Deckel | Todesfallen für Wild- und Haustiere | Tonnen abdecken oder eine geeignete Ausstiegshilfe anbringen. |
| Mährobotern | Sie können insbesondere Igel schwer verletzen oder töten. | Möglichst auf Mähroboter verzichten. Falls sie eingesetzt werden, nur tagsüber und nicht in der Dämmerung oder nachts mähen. |
Jeder Garten und Balkon kann helfen
Ob großer Garten oder kleiner Balkon: Schon mit wenigen Veränderungen können Sie Wildtieren Nahrung, Wasser und Rückzugsorte bieten. Heimische Pflanzen, wilde Ecken und der Verzicht auf Pestizide helfen Insekten, Vögeln und anderen Tieren. Sie müssen nicht alles auf einmal verändern. Fangen Sie einfach dort an, wo es für Sie möglich ist – die Natur profitiert davon.

Auch im Winter können Sie Wildtieren helfen. Erfahren Sie, wie Sie Igeln, Vögeln und anderen heimischen Wildtieren durch die kalte Jahreszeit helfen – mit Tipps zu Winterquartieren und Fütterung.
>> Zum Ratgeber „Wildtierschutz im Winter“

