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Coltan – ein Rohstoff, der in fast jedem Smartphone steckt – wird zu großen Teilen im Osten der Demokratischen Republik Kongo abgebaut, mitten im Lebensraum der stark bedrohten Grauergorillas. Der oft unregulierte Abbau finanziert bewaffnete Konflikte, kostet Menschen das Leben und zerstört den Regenwald. Damit trägt unser Elektrokonsum dazu bei, dass einer unserer nächsten Verwandten vom Aussterben bedroht ist. Pro Wildlife klärt über die Zusammenhänge auf – und jede und jeder kann sofort etwas tun: das Handy solange wie möglich benutzen, ein altes Handy spenden und so den Affenschutz unterstützen.
Auf einen Blick
- Rohstoff: Coltan (Columbit-Tantalit); daraus wird Tantal für Elektronik gewonnen.
- Herkunft: vor allem der Osten der DR Kongo – mit rund der Hälfte der Weltförderung (2024 und 2025) der größte Tantalproduzent (Mineral Commodity Summaries 2026, PDF)
- Betroffene Art: Grauergorilla (Gorilla beringei graueri), endemisch im Ostkongo.
- Population: weniger als 7.000 Tiere (IUCN, 2026) – rund 60 % Rückgang in etwa 20 Jahren.
- Schutzstatus: „vom Aussterben bedroht“ (IUCN Red List); 2026 zudem als „kritisch dezimiert“ (Green Status) bewertet.
- Sofort helfen: altes Handy an Pro Wildlife spenden → Recycling schont Rohstoffe und finanziert Affenschutz.
Was ist Coltan – und warum steckt es in fast jedem Handy?
Coltan ist die Kurzform für Columbit-Tantalit, ein metallhaltiges Erz. Aus ihm wird mit chemischen Verfahren vor allem Tantal gewonnen. Tantal speichert elektrische Energie auf kleinstem Raum und ist deshalb in unzähligen Geräten verbaut: in Smartphones und Laptops ebenso wie in Spielekonsolen, Navigationsgeräten, Hörgeräten oder Herzschrittmachern. Meist steckt nur eine winzige Menge im einzelnen Gerät – doch die globale Nachfrage ist enorm. Das macht den Rohstoff wirtschaftlich so begehrt.
Woher kommt das Coltan in unseren Handys?
Eines der wichtigsten Coltan-Vorkommen der Welt liegt im Osten der Demokratischen Republik Kongo, in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu. Nach Angaben des US-amerikanischen Geologiedienstes (USGS) war die DR Kongo 2024 mit rund 51 % der weltweiten Förderung der größte Tantalproduzent der Welt; für 2025 schätzt der USGS rund 1.300 von 2.500 Tonnen weltweit – also wieder etwa die Hälfte. (Mineral Commodity Summaries 2026, PDF)
Ein großer Teil des Erzes wird von Hand aus Minen geholt – häufig unter menschenunwürdigen Bedingungen, teils durch Kinderarbeit und weitgehend unreguliert. Bewaffnete Gruppen kontrollieren viele dieser Minen und graben auch mitten im Urwald und in Schutzgebieten. Ein erheblicher Teil des Erzes wird über Nachbarländer wie Ruanda ausgeschleust und tritt dann in die globalen Lieferketten der Elektronikindustrie ein – der Weg vom Regenwald bis ins Handy ist damit kaum nachvollziehbar.
Coltan aus dem Kongo – die wichtigsten Fakten
| Frage | Antwort |
| Was ist Coltan? | Erz (Columbit-Tantalit), aus dem Tantal gewonnen wird |
| Wofür wird es gebraucht? | Kondensatoren in Smartphones, Laptops, Konsolen, Medizintechnik |
| Wichtigstes Fördergebiet | Osten der DR Kongo (Nord- und Süd-Kivu) |
| Anteil an der Welt-Tantalproduktion | Die Hälfte (2024 und 2025, USGS) – damit weltweit größter Produzent |
| Zentrale Problematik | Konfliktrohstoff: finanziert bewaffnete Gruppen, zerstört Regenwald |
| Betroffene Tierart | Grauergorilla (Gorilla beringei graueri) |
Wie hängen Coltan-Abbau und Gorillas zusammen?
Die Grauergorillas leben im ursprünglichen Regenwald des Ostkongo und sind eigentlich streng geschützt. Doch der Bergbau dringt immer tiefer in ihren Lebensraum vor – auch in Schutzgebiete. Wird der Wald für Minen gerodet, verlieren die Tiere ihren Rückzugsraum. Und ausweichen können sie kaum: Rundherum wächst der Druck durch Bergbau, Landwirtschaft und Konflikte.
Zum Verhängnis wird den Grauergorillas außerdem ihre Lebensweise und Größe. Sie halten sich viel am Boden auf – das macht sie zu leichter Beute der Wilderei. Munition ist teuer – und ein Gorilla liefert viel Fleisch pro Kugel. Rund um die Minencamps ist die Versorgung schlecht; erlegte Gorillas werden als „Buschfleisch“ an Minenarbeitende verkauft, oder diese jagen selbst. Die kommerzielle Jagd nach Buschfleisch rund um die Bergbaugebiete gilt als einer der wichtigsten Treiber des dramatischen Populationsrückgangs – neben dem fortschreitenden Verlust des Lebensraums.
Wie viele Grauergorillas gibt es noch?

Der Grauergorilla (Gorilla beringei graueri), auch Östlicher Flachlandgorilla genannt, ist die größte lebende Primatenart und kommt ausschließlich im Osten der DR Kongo vor. Er ist eine von zwei Unterarten des Östlichen Gorillas (Gorilla beringei) – die zweite ist der Berggorilla. Wie viele Grauergorillas heute noch leben, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen: Die anhaltende Konfliktlage in ihrem Verbreitungsgebiet macht genaue Zählungen fast unmöglich.
Klar ist aber, dass ihre Zahl dramatisch eingebrochen ist. Mitte der 1990er-Jahre – vor den großen Kriegen in der Region – lebten schätzungsweise noch rund 16.900 Tiere. Eine großangelegte Erhebung von 2011 bis 2015 kam nur noch auf etwa 3.800 Grauergorillas – ein Rückgang um rund 77 % innerhalb einer einzigen Generation. In ihrem Kerngebiet, dem Kahuzi-Biega-Nationalpark, brach die Population sogar um etwa 87 % ein. Auf dieser Grundlage stufte die IUCN den Grauergorilla 2016 in die höchste Gefährdungskategorie „vom Aussterben bedroht“ (Critically Endangered) ein.
Im August 2026 kam eine neue Bewertung hinzu: In der ersten „Green Status of Species“-Bewertung der Östlichen Gorillas – geleitet von der Senckenberg-Forscherin Dr. Jessi Junker – wurde der Grauergorilla als „kritisch dezimiert“ eingestuft, nur eine Stufe vor „in der Natur ausgestorben“. Diese Bewertung nennt zwar eine höhere Zahl von heute weniger als 7.000 Tieren – doch das ist kein Zeichen der Erholung: Sie beruht auf anderen Methoden und einer breiteren Datengrundlage und lässt sich nicht direkt mit der Zählung von 2015 vergleichen. Der langfristige Trend bleibt eindeutig negativ; die Gesamtpopulation ist in rund 20 Jahren um etwa 60 % geschrumpft.
Zugleich zeigt die Bewertung, dass gezielter Schutz wirkt: In einzelnen gemeinschaftlich verwalteten Waldgebieten – etwa der Nkuba Conservation Area und dem Oku Community Reserve – sind die Populationen trotz der Unruhen stabil geblieben. Der Grauergorilla bleibt jedoch vollständig von fortgesetztem Schutz abhängig.
Allein in deutschen Haushalten liegen rund 167 Millionen ungenutzte Handys (Bitkom, 2026). Darin stecken wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer und Tantal. Wer alte Geräte an Pro Wildlife spendet, sorgt dafür, dass diese Stoffe recycelt statt neu abgebaut werden – und finanziert damit unser Menschenaffen-Schutzprogramm. Seit 2009 hat Pro Wildlife auf diese Weise bereits mehr als 85.000 Althandys gesammelt (Stand Oktober 2026).



