Australien brennt

Die Buschbrände 2019/20 und ihre Folgen für Wildtiere

Australien brennt

Bei den Buschbränden in Australien im Sommer 2019/20 – dem sogenannten „Black Summer“ – waren nach Schätzungen einer wissenschaftlichen Studie fast drei Milliarden Wildtiere von den Flammen und ihren Folgen betroffen. Pro Wildlife leistete über die Partnerorganisation Humane Society International (seit 2025 Humane World for Animals) vor Ort Soforthilfe für verletzte Tiere und setzt sich bis heute für einen besseren Schutz australischer Wildtiere ein.

Das Wichtigste zu den Buschbränden

  • Die Brände 2019/20 zerstörten rund 120.000 Quadratkilometer Lebensraum – etwa die Fläche von England.
  • Fast drei Milliarden Tiere waren betroffen, darunter allein rund 2,46 Milliarden Reptilien (Studie University of Sydney, 2020).
  • Auf Kangaroo Island wurden mehr als 41.000 der rund 50.000 Koalas getötet oder verletzt.
  • Als Folge unter anderem der Brände sind Koalas in Queensland, New South Wales und dem ACT seit Februar 2022 offiziell als „stark gefährdet“ eingestuft.
  • Extreme Hitze und Dürre – verstärkt durch die Klimakrise – machten die Feuer so verheerend.

Wie viele Tiere starben bei den Buschbränden in Australien 2019/20?

Eine wissenschaftliche Studie eines Forschungsteams um die University of Sydney bezifferte das Ausmaß der Katastrophe erstmals umfassend: Rund drei Milliarden Wirbeltiere waren von den Bränden und ihren Spätfolgen betroffen – getötet, verletzt oder durch den Verlust von Lebensraum und Nahrung bedroht. Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung nach Tiergruppen.

TiergruppeBetroffene Tiere (Schätzung)
Reptilien~ 2,46 Milliarden
Vögel~ 181 Millionen
Säugetiere (gesamt)~ 143 Millionen
Amphibien~ 51 Millionen
Gesamtfast 3 Milliarden
Mehr als 60.000 Koalas starben bei den Rekordbränden 2019/2020
95.000 Koalas waren von den Rekordbränden 2019/2020 betroffen.

Unter den Säugetieren waren nach denselben Schätzungen unter anderem rund 39 Millionen Gleitbeutler (Possums), etwa 50 Millionen Mäuse und Ratten, rund 5 Millionen Kängurus und Wallabys, etwa 5 Millionen Fledermäuse sowie zwischen 43.000 und 95.000 Koalas betroffen. Selbst Fische blieben nicht verschont: Asche und Schlamm, die nach den Bränden in Flüsse und Seen gespült wurden, töteten mehrere hunderttausend Tiere.

Kurz erklärt: „betroffen“ – was heißt das?

Die Studie zählt nicht nur unmittelbar verbrannte Tiere, sondern alle, die im Brandgebiet lebten und durch Feuer, Rauch, Hitze oder den anschließenden Verlust von Nahrung und Unterschlupf ums Leben kamen oder in ihrem Überleben bedroht waren. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer lässt sich nicht exakt bestimmen – die Größenordnung von rund drei Milliarden Tieren gilt jedoch als wissenschaftlich fundiert.

Warum waren die Buschbrände 2019/20 so verheerend?

Buschbrände gehören zu Australiens Natur – viele Ökosysteme sind an regelmäßige Feuer angepasst und regenerieren sich danach. Der „Black Summer“ jedoch übertraf frühere Brände deutlich. Ursache war eine gefährliche Mischung aus extremer Hitze und langanhaltender Dürre, die trockenes Buschland großflächig zu leicht entzündbarem Brennmaterial machte. Beide Faktoren werden durch die Klimakrise verstärkt: Trockene Regionen werden trockener, heiße Regionen heißer. Bereits 2008 sagte der im Auftrag der australischen Regierungen erstellte Garnaut-Klimabericht voraus, dass die Feuersaison früher beginnen und die Brände heftiger ausfallen würden – und dass diese Entwicklung bis etwa 2020 deutlich erkennbar sein werde.

Die Buschbrände sind damit ein konkretes Beispiel dafür, wie eng Klimawandel, der Verlust von Lebensraum und der Verlust der Artenvielfalt ineinandergreifen. Wie die Klimakrise Wildtiere weltweit unter Druck setzt, lesen Sie in unserem Überblick zu den Folgen des Klimawandels für Wildtiere.

Welche Arten wurden besonders schwer getroffen?

Australien ist ein Kontinent mit außergewöhnlich vielen endemischen Arten – Tieren, die ausschließlich hier vorkommen. Manche leben nur auf wenigen Quadratkilometern oder einzelnen Inseln. Für solche Arten kann ein einziges Großfeuer das Aussterben bedeuten. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Dutzend bedrohte Arten durch die Brände schwer getroffen wurden und einige davon ausgerottet worden sein könnten.

Kurz erklärt: endemisch

Endemisch heißt: Eine Art kommt weltweit nur in einem einzigen, oft eng begrenzten Gebiet vor. Geht dieses Gebiet verloren, ist die Art insgesamt bedroht – es gibt keine Population anderswo, die den Verlust ausgleichen könnte.

Besonders betroffen waren bedrohte Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet. Die folgende Tabelle zeigt drei belegte Beispiele mit Gefährdungsstatus und dem dokumentierten Ausmaß der Brände 2019/20:

ArtGefährdungsstatusBetroffenheit durch die Brände 2019/20
Kangaroo-Island-Schmalfußbeutelmaus (Sminthopsis aitkeni)Vom Aussterben bedroht (IUCN)Kommt weltweit nur auf Kangaroo Island vor; rund 95 % des Lebensraums verbrannt, Population zuvor unter 500 Tieren.
Glanz-Rabenkakadu, Kangaroo-Island-Unterart (Calyptorhynchus lathami halmaturinus)Stark gefährdet (national, EPBC)Lebt nur noch auf Kangaroo Island; über die Hälfte der Nahrungshabitate verbrannt. Die Population von rund 450 Tieren blieb dank intensiver Schutzmaßnahmen weitgehend stabil.
Südlicher Großgleitbeutler (Petauroides volans)Stark gefährdet (IUCN)In Ostaustralien weit verbreitet, im Megafeuer aber schätzungsweise 85 % der untersuchten Population verloren; 2022 höher eingestuft.
Südlicher Großflugbeutler © David Cook Wildlife
Südlicher Großflugbeutler © David Cook Wildlife

Besonders dramatisch war die Lage auf Kangaroo Island vor der Südküste Australiens. Die Insel beherbergte eine der letzten gesunden Koala-Populationen des Landes – frei von der weit verbreiteten Chlamydien-Infektion. Nach Schätzungen dieser Studie wurden dort mehr als 41.000 der rund 50.000 Koalas getötet oder verletzt – die südaustralische Umweltbehörde beziffert die verbliebene Population auf nur noch etwa 8.500 Tiere. Koalas sind Bränden weitgehend hilflos ausgeliefert: Sie sind zu langsam, um zu fliehen, und retten sich bei Gefahr auf Bäume – bei Feuer eine tödliche Strategie.

Rauch der Feuer auf Kangaroo Island © NASA EOSDIS
Rauch der Feuer auf Kangaroo Island © NASA EOSDIS

Sind Koalas heute vom Aussterben bedroht?

Ja – und die Buschbrände haben diese Entwicklung beschleunigt. Im Februar 2022 stufte die australische Regierung die Koala-Populationen der Bundesstaaten Queensland, New South Wales und des Australian Capital Territory (ACT) offiziell als „stark gefährdet“ (endangered) ein.

Mehr als fünf Jahre danach: der Status der Koalas

Am Bedrohungsstatus hat sich nichts geändert: Koalas in Queensland, New South Wales und dem ACT gelten weiterhin als stark gefährdet. Als Ursachen nennt die australische Regierung ein Zusammenspiel aus Lebensraumverlust, klimabedingten Wetterereignissen, Krankheiten und den Buschbränden 2019/20.

Wie viele Koalas es gibt, lässt sich nur schwer bestimmen. Das nationale Koala-Monitoring des CSIRO gibt die gelistete Population (Queensland, NSW und ACT) für 2025 mit 398.000 bis 569.000 Tieren an – deutlich mehr als frühere Schätzungen. Dieser Anstieg spiegelt laut CSIRO jedoch vor allem umfangreichere Erhebungen und verbesserte Modelle wider, nicht eine tatsächliche Erholung der Population.

Einstufung als stark gefährdet (DCCEEW) · Nationales Koala-Monitoring, Schätzung 2025 (CSIRO/DCCEEW)

Was hat Pro Wildlife für Australiens Wildtiere getan?

Bereits in den ersten Tagen der Katastrophe stellte Pro Wildlife knapp 78.000 Euro Soforthilfe bereit. Gemeinsam mit der Partnerorganisation vor Ort wurden verletzte Tiere gerettet und erstversorgt, Wasser- und Futterstationen in den verbrannten Gebieten eingerichtet und rund 100 Pflegestellen ausgebaut, damit sie auf künftige Katastrophen besser vorbereitet sind.

Einen Überblick über unser Projekt zur Wildtierrettung in Australien finden Sie auf unserer Projektseite. Wie die Rettung 2020 Tag für Tag ablief, schildert unser ausführliches Einsatz-Tagebuch mit Berichten und Videos direkt von vor Ort.

Was tut Pro Wildlife heute für Australiens Wildtiere?

Die akute Brandkatastrophe von 2019/20 ist vorbei – die Bedrohungen für Australiens Wildtiere sind es nicht. An zwei zentralen Themen arbeitet Pro Wildlife weiter:

Kängurujagd stoppen

Jedes Jahr werden rund 1,6 Millionen Kängurus für Fleisch und Leder getötet. Pro Wildlife klärt über diese kommerzielle Jagd auf und erhöht den Druck auf Handel und Politik – mit Erfolg: Mehrere Handelsketten und führende Sportmarken haben den Verkauf von Kängurufleisch und -leder inzwischen gestoppt. Mehr zur Kängurujagd

Reptilienschmuggel bekämpfen

Australiens einzigartige Reptilien, obwohl sie nicht exportiert werden dürfen, sind bei Sammler*innen in Europa, den USA und Japan als „Haustiere“ begehrt. Mit seinen Stolen-Wildlife-Recherchen dokumentiert Pro Wildlife diesen Schmuggel – und das wirkt: Auf dieser Grundlage stellte Australien mehrere heimische Arten unter den internationalen Artenschutz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). 2022 ließ Australien mehr als 120 heimische Echsen in CITES Anhang III listen, der stark bedrohte Zwergblauzungenskink (Tiliqua adelaidensis) kam sogar in Anhang I – ein kommerzielles Handelsverbot. 2025 folgten auf der Weltartenschutzkonferenz CoP20 zwei endemische Geckoarten in Anhang II. Mehr zum Reptilienschmuggel

Wildtiere retten, wo es jetzt brennt

Auch auf Borneo bedrohen Waldbrände seit Sommer 2026 verstärkt Regenwald und seine Bewohner. Mit Ihrer Spende rüsten Sie Rettungsteams aus und helfen, verletzte Orang-Utans zu versorgen.

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