Asiens letzte Menschenaffen

Orang-Utan (englisch: Orangutan) bedeutet auf malaiisch „Waldmensch“, und das hat einen guten Grund. Die drei Arten Borneo-Orang-Utan (Pongo pygmaeus), der seltenere Sumatra-Orang-Utan (Pongo abelii) und der auf Sumatra erst 2017 entdeckte Tapanuli-Orang-Utan (Pongo tapanuliensis) sind die größten auf Bäumen lebenden Tiere. Ihr Zuhause ist versteckt in den blätterdichten Baumkronen in Tieflandregenwäldern und Sumpfgebieten.
  • Status: vom Aussterben bedroht
  • Population: ca. 115.000
  • Lebensraum: Sumpf- und Regenwald
  • Verbreitung: Borneo und Sumatra (Indonesien)

Waldmenschen auf Bäumen

Orang-Utan © IAR

Orang-Utan © IAR

Mit ihrem rotbraunen Fell und ihren langen, kräftigen Armen, optimal angepasst an ihre baumbewohnende Lebensweise, unterscheiden sich Orang-Utans deutlich von den in Afrika lebenden Menschenaffen. Ihre Arme haben eine Spannweite von bis zu 2,25 Meter. Dies und die nach innen biegbaren Beine machen sie zu behenden Kletterern, die in den Bäumen Früchte, aber auch Blätter und Insekten suchen.
Männlicher Orang-Utan © Pixabay

Männlicher Orang-Utan © Pixabay

Mit 90 bis 200 Kilogramm sind die Männchen deutlich größer als die Weibchen mit ihren maximal 50 Kilogramm. Auch die sehr stark ausgeprägten Wangenwülste, die ein Leben lang wachsen, und der riesige Kehlsack der Männchen sind charakteristisch. Mit letzterem stoßen die Männchen ihre lauten Schreie aus, mit denen sie ihr Revier markieren.

Wie alle Menschenaffen sind Orang-Utans tagaktiv. Nachts schlafen sie hoch oben in Bäumen in (täglich neuen) selbstgebauten Nestern aus Blättern und Ästen, in die sie sich gemütlich einrollen. Die Tiere pfeifen zum Spaß, küssen sich und halten sich bei Regen ein Palmenblatt über den Kopf. Während ihre afrikanischen Verwandten Schimpansen und Gorillas auf den Knöcheln gehen, laufen Orang-Utans auf den Handinnenflächen oder stützen sich auf die Fäuste; selten auf dem Erdboden, meist auf den Baumästen, wo sie sich auch langsam schwingend fortbewegen.

Die Waldmenschen sind Einzelgänger, dauerhafte Beziehungen gibt es nur zwischen Müttern und ihren Kindern. Männchen vertragen sich nicht gut untereinander, meist kommt es bei Begegnungen zu Handgreiflichkeiten. Und auch rangniederen Weibchen gegenüber sind sie nicht gerade zimperlich: Oftmals werden diese von umherstreifenden Männchen zur Kopulation gezwungen. Weibliche Orang-Utans sind etwas sozialer und gehen sogar gelegentlich gemeinsam auf Nahrungssuche.

Ebenso wie die meisten ihrer Primatenverwandten sind Orang-Utans hauptsächlich Vegetarier: Sie essen Früchte, Samen, Nüsse, Blätter und junge Triebe. Tierische Nahrung in Form von Vogeleiern, Insekten oder kleinen Wirbeltieren nehmen sie sehr selten zu sich.

Alle Orang-Utan-Arten sind vom Aussterben bedroht

Orang-Utan Mutter mit Kind

Orang-Utan Mutter mit Kind © Pixabay

Orang-Utans bekommen mit 15 Jahren ihren ersten Nachwuchs und legen große Pausen zwischen zwei Geburten ein. Beim Borneo-Orang-Utan sind es knapp acht Jahre, auf Sumatra sogar über neun Jahre. Jungtiere bleiben bis zu zehn Jahre bei ihrer Mutter, wobei sie bis zu sieben Jahre lang gestillt werden. Auch nach der Trennung besuchen die Kinder ihre Mütter hin und wieder, die Bindung bleibt ein Leben lang bestehen.

Aufgrund der geringen Fortpflanzungsrate bringen Orang-Utans in ihrem Leben nur etwa ein oder zwei Kinder zur Welt. Wie bei Menschen tritt bei den Weibchen in ihren späten Vierzigern die Menopause ein. Die Lebenserwartung liegt bei rund 50 bis 60 Jahren.

Ursprünglich waren die Menschenaffen im südostasiatischen Raum weit verbreitet, inzwischen sind sie nur noch auf Sumatra und Borneo anzutreffen. Ihr Überleben ist durch Abholzung, vor allem für Palmölplantagen, und den illegalen Tierhandel bedroht. 

  • Der Gesamtbestand der Sumatra-Orang-Utans wird auf nur noch etwa 13.800 Tiere geschätzt. 90 Prozent von ihnen lebt im Leuser-Ökosystem, Indonesiens größtem Naturreservat.
  • Die geschätzte Zahl der Borneo-Orang-Utans liegt bei rund 100.000 Tieren.
  • Beim Tapanuli-Orang-Utan sind es wohl nur etwa 800 Tiere.
  • Alle drei Orang-Utan-Arten sind inzwischen auf der Internationalen Roten Liste als akut vom Aussterben bedroht eingestuft.
Das tut Pro Wildlife

Pro Wildlife unterstützt die IAR-Auffangstation für Orang-Utans auf Borneo/Indonesien, die verletzte oder beschlagnahmte Tiere aufpäppelt, für ein Leben in der Wildnis trainiert und wieder in geeignete und sichere Waldgebiete auswildert. Wir klären über die Gefahren der Palmöl-Produktion und die Bedrohung der Orang-Utans durch touristische Angebote auf.

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