140 Wanderzirkusse halten in Deutschland Wildtiere
unter minimalsten Bedingungen.

Seit Jahrhunderten stellen Menschen Wildtiere in Zoo und Zirkus zur Schau. Viele fristen in engen Käfigen und Gehegen ein trauriges Dasein. Verhaltensstörungen wie sich ständig wiederholende Bewegungsmuster sind Ausdruck dafür, dass Wildtiere in Zirkussen und häufig auch im Zoo leiden und ihre natürlichen Verhaltensweisen in zu kleinen und unstrukturierten Gehegen nicht ausleben können.

Das Märchen von der Arche Noah

Eisbär im Zoo © Pixabay

Zoos präsentieren sich gerne als Einrichtungen für den Tier- und Artenschutz. Bilder von tierischem Nachwuchs sollen den Eindruck vermitteln, die Tiere würden sich in Gefangenschaft wohlfühlen und das Überleben der Art sichern. Tatsächlich dienen die so genannten „Erhaltungszuchtprogramme“ allerdings dazu, den Bestand in Gefangenschaft zu sichern – nicht den in freier Natur. Nachzuchten aus dem Zoo werden nur in wenigen Ausnahmefällen ausgewildert. Auch finanziell leisten Zoos einen minimalen Beitrag zum Artenschutz. In erster Linie sind die niedlichen Jungtiere Besuchermagneten. Überzählige Tiere werden in Entwicklungsländer abgeschoben, an Zirkusse, Händler und Privathalter verkauft – oder getötet. Ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. Der Öffentlichkeit wird zudem verschwiegen, dass Zoos Tiere teils noch immer aus freier Natur beziehen, darunter Elefanten, Nashörner oder Giraffen. Auch viele Vögel, Reptilien und Fische sind Wildfänge. Pro Wildlife setzt sich für strenge, verbindliche Vorgaben für die Haltung, Zucht und den Handel von Wildtieren ein und fordert ein Ende der Wildtier-Importe.

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der Panther, Rainer Maria Rilke

Raus aus der Manege!

Zirkus Krone © Usien

Seien es Tiger, Löwen oder Elefanten: In vielen der in Deutschland umherreisenden Zirkusbetriebe sind Wildtiere zu sehen. Manche stellen sogar noch Flusspferde, Nashörner, Bären oder Affen zur Schau – ein Anachronismus. Beengte Käfige, häufige und langandauernde Transporte sowie tierquälerische Dressuren hindern Wildtiere daran, ihre natürlichen Verhaltensweisen und Bedürfnisse auszuleben. Es mangelt an Platz für ausreichend Bewegung und oft auch an Artgenossen. Viele Zirkustiere sind einsam. Zirkusse sind nicht in der Lage, Wildtiere ihrer arttypischen, oft hochkomplexen Sozialstruktur gemäß zu halten, oder auch nur, sie adäquat zu ernähren. Dies belegen häufig zu beobachtende Verhaltensstörungen, Apathie und haltungsbedingte Erkrankungen. Da deren Dressur meist auf Gewalt (Peitschen, Elefantenhaken, Stöcke, Elektroschocker) und Zwang basiert, sind auch Ausbrüche von Tieren und Verletzungen bei Besuchern und Tiertrainern nicht selten. Um Kunststücke wie Kopfstand oder Rollerfahren zu lernen, müssen die Tiere stundenlang trainieren. Dabei leiden sie unter enormen Stress und gesundheitlichen Beschwerden. Es existieren zwar Zirkusleitlinien, diese sind aber nicht rechtsverbindlich und werden nicht hinreichend umgesetzt.

Löwen im Zirkus © Jo-Anne McArthur_mit Copyright

Löwen im Zirkus © Jo-Anne McArthur

Im Jahr 2011 wurden bei 895 Kontrollen 409 Verstöße gegen Haltungsanforderungen für Tiere festgestellt. 2012 waren in Deutschland etwa 330 Betriebe registriert, die die Erlaubnis hatten, Tiere zur Schau zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt wurden von insgesamt 1400 Tieren mehr als 900 Wildtiere in etwa 141 Zirkusbetrieben gehalten (ohne Kamele, Lamas und Alpacas).

Pro Wildlife setzt sich seit Jahren für ein Wildtierverbot im Zirkus ein. Mehr als 20 europäische Länder, darunter Österreich, haben das bereits umgesetzt oder zumindest starke Einschränkungen beschlossen. Zuletzt haben Irland und Italien für ein solches Verbot gestimmt. Der deutsche Bundesrat hat sich 2016 bereits zum dritten Mal für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus ausgesprochen – doch die Bundesregierung blockiert bisher. Trotzdem entschieden immer mehr Gemeinden dagegen, Flächen an Zirkusbetriebe zu vermieten, die Wildtiere mit sich führen.

Mittlerweile gibt es auch in Deutschland Alternativen zu Zirkussen mit Wildtieren. „Circus Flic Flac“ verzichtet ganz auf „tierischen Stars“ und setzt auf menschliche Show-Acts. Auch „Circus Roncalli“ hat Anfang 2018 Tiershows ganz aus seinem Programm gestrichen.

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