München / Reykjavik, den 17. Januar 2019.

Artenschützer kritisieren Studie als Walfang-Propaganda

Isländischen Medien zufolge empfiehlt eine Studie des Ökonomischen Institutes der Universität Island eine Reduzierung der Walbestände, um größere Fischereierträge zu generieren. Pro Wildlife kritisiert die Studie als unsachlich und einseitig: „Das Argument, Wale seien für die Überfischung der Meere verantwortlich, ist hanebüchen und vielfach widerlegt“, betont die Biologin Dr. Sandra Altherr. „Wir fürchten jedoch, dass die Regierung Islands nach dieser Studie wieder grünes Licht für die Finnwaljagd gibt.“

Fragwürdige Ergebnisse

2018 lief eine Fünfjahresquote für Islands Finnwaljagd aus, seither wird mit Spannung erwartet, ob die neue isländische Regierung auch für die nächsten Jahre wieder die Jagd auf die zweitgrößten Säugetiere der Welt genehmigt. Die neue Studie der Universität Island, im Auftrag des isländischen Wirtschaftsministeriums, wird in diese Entscheidung einfließen – mit ihren mehr als fragwürdigen Ergebnissen:

– Die Studie beschreibt die Jagd auf Finn- und Zwergwale als nachhaltig – und das, obwohl die Internationale Walfangkommission bis heute keine als verträglich akzeptable Quote definiert hat.

– Der Studie zufolge würde eine Reduzierung der Bestände von Finn- und Zwergwalen um 40 Prozent die Erträge der isländischen Fischerei um Milliarden erhöhen.

– Die Studie betont, der Walfang in Island hätte sich nicht negativ auf die Touristenzahlen ausgewirkt – dabei hat v.a. die Walbeobachtung tausende Urlauber nach Island gelockt; ein Tourismuszweig, der sich nur schlecht mit der grausamen Jagd auf die Meeresriesen verträgt.

– Die Studie bringt sogar die Option ins Spiel, künftig weitere Walarten wie Pott- und Buckelwale zu bejagen (auch hierzu gibt es keine IWC-Quoten). Jedoch ist den Autoren das Risiko bewusst, dass eine Jagd auf die bei Touristen besonders beliebten Buckelwale besonders kontrovers wäre.

Wale als Fischvernichter?

„Für uns ist diese Studie Walfangpropaganda. Die alte Behauptung, Wale wären an der Überfischung der Meere mitverantwortlich, ist von diversen fundierten Untersuchungen längst widerlegt. Im Gegenteil, die Studie ignoriert die vielen neuen Erkenntnisse, welch zentrale Rolle Wale für intakte marine Ökosysteme haben“, so die Pro Wildlife Sprecherin. Die meisten Walbestände haben bis heute bei weitem nicht die Größenordnung aus der Zeit vor der systematischen Bejagung erreicht – also zu Zeiten, als Fischbestände noch weitgehend intakt und noch nicht von industriellen Fischflotten leer geplündert waren.

Quoten für Finnwaljagd befürchtet

Die Fangquoten für Finnwale für den Zeitraum 2014-2018 betrug jeweils 154 Tiere pro Jahr; die isländische Regierung steht aktuell vor der Frage, ob sie erneut Quoten vergibt. Die Europäische Union hatte im vergangenen Herbst per Demarche Island aufgefordert, den Walfang nicht weiter zu genehmigen. „Gerade erst hat Japan die internationale Staatengemeinschaft mit seinem angekündigten Austritt aus der Walfangkommission schockiert – und nun droht in Island die nächste fatale Entscheidung, nämlich eine erneute Freigabe der Finnwaljagd“, ao Altherr abschließend.

>> Links zu aktuellen Medienberichten in Island:

>> Hintergrund zu Islands Walfang

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