München / Krefeld, 22. Dezember 2020.

Überlebende Schimpansen noch immer tierschutzwidrig untergebracht

Nach Pro Wildlife vorliegenden Informationen sind die beiden Schimpansen Bally und Limbo auch zwölf Monate nach dem Brand im Affenhaus des Krefelder Zoos noch immer in einem viel zu kleinen Raum eingesperrt. Die Tier- und Artenschutzorganisation kritisiert die Langzeithaltung der beiden Schimpansen Bally (46 J.) und Limbo (27 J.) im Provisorium als inakzeptabel und fordert die zuständige Veterinärbehörde auf, umgehend für eine bessere Unterbringung zu sorgen. Die beiden westafrikanischen Schimpansen haben als einzige Menschenaffen des Zoos den verheerenden Brand in der Silvesternacht 2019 leicht verletzt überlebt. Insgesamt starben 50 Tiere, darunter fünf Orang-Utans, zwei Gorillas, ein Schimpanse und diverse kleinere Äffchen.

Laut Gutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren ist für Schimpansen ein Innengehege von mindestens 800 m³ für eine Gruppe von bis zu vier erwachsenen Tieren nötig. Zudem ist ein Außengehege der gleichen Größe vorgeschrieben. „Die beiden Schimpansen haben in den letzten zwölf Monaten nur 155 m³ Raum zur Verfügung gehabt – das ist ein Zehntel dessen, was sie laut Mindestanforderungen als Minimum bräuchten“, so Dr. Sandra Altherr von Pro Wildlife. In Videoaufnahmen des Zoos ist zudem zu sehen, dass sie auf einem kahlen Boden ausharren, der größtenteils nicht, wie vorgeschrieben, mit einem wärmedämmenden organischen Substrat bedeckt ist. „Die viel zu kleine Notunterkunft wird den hochintelligenten Tieren in keinster Weise gerecht“, betont die Diplom-Biologin.

Bereits im Juli 2020 gab es kritische Berichte in der Presse. Die Zooleitung verwies damals darauf, dass es sich nur um eine „vorübergehende Lösung“ handele. Für Pro Wildlife bleiben zum Jahrestag des Brandes folgende Fragen ungeklärt:

  • Wieso duldet das zuständige Veterinäramt seit nunmehr zwölf Monaten eine Unterbringung der beiden Schimpansen, die weit unter den notwendigen Vorgaben des Säugetiergutachtens liegen?
  • Welche Pläne verfolgt der Zoo mit den beiden Schimpansen, die bereits 46 bzw. 27 Jahre alt sind? Der Zoo will ein neues Affengehege für ca. 20 Mio. Euro bauen und neue Menschenaffen anschaffen. Bally und Limbo will der Tierpark abgeben, weil die Fertigstellung einer neuen Anlage laut Zoo für sie zu lang dauern würde.
  • Hat das Europäische Erhaltungszuchtprogramm trotz akuter Notlage der beiden Menschenaffen nach einem Jahr noch immer keine geeignete Unterbringung gefunden?
  • Warum wurden Angebote von Auffangstationen in den Niederlanden und Großbritannien, die Tiere zu übernehmen, nicht genutzt?

„Bally und Limbo brauchen dringend eine tierschutzkonforme Unterkunft – insbesondere nach den traumatischen Erlebnissen der beiden. Wir erwarten, dass Veterinäramt und Zooleitung diese inakzeptable Unterbringung der Schimpansen umgehend beenden. Sollte sich in den nächsten Wochen kein Zoo mit geeigneten großzügigen Gehegen finden, der die beiden übernehmen will, muss das Veterinäramt die Überführung in eine Auffangstation anordnen“, so die Pro Wildlife Sprecherin abschließend. „Die Situation der beiden Schimpansen kann und darf so nicht bleiben.“

Hintergrundinformationen

Blog zum Brand in der Silvesternacht: https://www.prowildlife.de/blog/der-brand-im-zoo-krefeld-anlass-fuer-eine-reflektion/

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