München / Dortmund, 23. Januar 2020.

Geschäft mit dem Abschuss geschützter Arten boomt auf Europas größter Jagdmesse.

Auf Europas größter Jagdmesse „Jagd und Hund“ (Dortmund, 28. Januar bis 2. Februar) können Jäger den Abschuss auf gefährdete und geschützte Arten wie Eisbären, Nashörner, Elefanten, Löwen, Leoparden, Giraffen, Affen, Braunbären und Wölfe buchen – ganz legal. „Wir erleben derzeit den größten Artenverlust seit Aussterben der Dinosaurier, viele Tierbestände sind bereits eingebrochen. Trotzdem dürfen zahlungskräftige Hobbyjäger bedrohte und geschützte Tiere abschießen, wie zu Kolonialzeiten. Dieses sinnlose Töten aus reiner Gier nach Statussymbolen muss endlich ein Ende haben“, fordert Daniela Freyer von Pro Wildlife.

Auf der Messe sind Aussteller aus Deutschland und mehr als 40 Ländern vertreten, Dutzende verkaufen Jagdsafaris in alle Welt und locken Besucher mit ausgestopften Tieren, Jagdfilmen und Sonderangeboten.

Nach einer Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen wurden alleine in den vergangenen drei Jahren (2017 bis 2019) Trophäen von Hunderten international geschützten Arten nach Deutschland eingeführt, darunter 89 Leoparden, 89 Flusspferde, 89 Braunbären, 85 Elefanten, 54 Löwen, 46 Wölfe, 23 Argali Wildschafe, 17 Geparde, 6 Eisbären, 6 Breitmaulnashörner, 1 Spitzmaulnashorn, Hunderte Zebras und Affen sowie zahlreiche weitere Arten.

Pro Wildlife widerspricht der Behauptung von Jagdverbänden, die Großwildjagd wäre, „Artenschutz mit der Flinte“ und ein Beitrag zur Armutsbekämpfung. „Korruption und Missmanagement im Jagdbereich sind in vielen Ländern an der Tagesordnung. Lukrative Gewinne führen dazu, dass auch die letzten Tiere mit prächtiger Trophäe gnadenlos verfolgt werden. Die Profite machen vor allem ausländische Jagdreiseveranstalter und private Jagdfarmbesitzer, die Bevölkerung vor Ort geht entweder leer aus oder wird mit Almosen abgespeist“, so Daniela Freyer.
Trophäenjäger haben es nicht nur auf seltene Arten abgesehen, sie konkurrieren auch um den Abschuss der größten und stärksten Individuen. Diese widernatürliche Auslese hat fatale Auswirkungen, weil die erfahrensten Tiere im besten Fortpflanzungsalter fehlen, die für das Überleben eines Bestandes besonders wichtig sind.

Bei der Jagd im Ausland kommen auch Methoden zum Einsatz, die hierzulande verboten sind. Jäger dürfen Tiere mit Pfeil und Bogen, Armbrust oder Vorderlader töten, sie mit Hunden hetzen, mit Fahrzeugen verfolgen oder Raubkatzen mit toten Tieren anködern. In Südafrika ist es nach wie vor erlaubt, Löwen und andere Tiere zu züchten, von Hand aufzuziehen und die ausgewachsenen Tiere in umzäunten Gehegen von Trophäenjägern abschießen zu lassen (sogenanntes „canned hunting“ oder Gatterjagd). Bis zu 10.000 Löwen vegetieren dort in Jagdfarmen.

Hintergrund:

• Jäger aus Deutschland und Spanien gehören bei der Jagd auf gefährdete und geschützte Arten nach den US-Amerikanern zu den Spitzenreitern. Alleine in Afrika gehen pro Jahr rund 18.000 Ausländer auf Trophäenjagd und töten dabei mehr als 100.000 Wildtiere.

• Jährlich werden Jagdtrophäen hunderter gefährdeter und international geschützter Tiere nach Deutschland importiert.

• Sogar streng geschützte Arten, die nicht kommerziell gehandelt werden dürfen, können mit behördlicher Genehmigung als Trophäen für den „Privatgebrauch“ eingeführt werden.

• Einer repräsentativen Meinungsumfrage zufolge lehnen 86 Prozent der Bevölkerung in Deutschland die Hobbyjagd auf bedrohte Tierarten ab. In den Niederlanden ist die Einfuhr von Trophäen bedrohter Arten verboten, in Frankreich gilt dies zumindest für Löwen. Die Regierung von Großbritannien plant derzeit ebenfalls ein Verbot.

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