Reptilleder – ein grausamer Luxus

Reptilien: die wahren Fashion-Victims

Das Leder exotischer Reptilien ist wieder en vogue: In den Kollektionen von Luxuslabels wie Gucci, Prada, Bally und Victoria Beckham finden sich Taschen, Schuhe und Gürtel aus Reptilleder, beispielsweise aus Schlangenleder. Wie grausam die Herstellung von Leder aus Python, Kroko oder Waran ist, scheint nicht zu interessieren.
Wird für Reptilleder getötet: Der Bindenwaran (Varanus salvator) © Nur Hussein

Wird für Reptilleder getötet: Der Bindenwaran (Varanus salvator) © Nur Hussein

Millionen Reptilien sterben für den EU-Markt

Luxusartikel bringen Geld. Allein mit asiatischen Pythons setzt der Handel jährlich geschätzte 1 Milliarde US-Dollar um. Unfassbare 6,3 Millionen ganze Häute und mehr als 4 Millionen Hautstücke geschützter Schlangen, Krokodile, Warane und Tejus (Waran-ähnliche Echsen aus Lateinamerika) haben allein die EU-Länder 2008-2017 importiert. Bei Waranen, Tejus, Alligatoren und Kobras stammen so gut wie alle Tiere aus freier Wildbahn, nur ein winziger Bruchteil ist nachgezüchtet. Bei asiatischen Pythons und Kaimanen aus Lateinamerika stammt etwas mehr als die Hälfte aus Farmen – zumindest laut offiziellen Zahlen. Doch Forscher und Naturschützer kritisieren, dass der Zuchtbestand in den Farmen immer wieder aus der Natur „aufgefüllt“ wird bzw. Wildfänge in den Farmen schlichtweg zu „Nachzuchten“ umdeklariert werden.

EU-Importe von Häuten geschützter Reptilien 2008-2017

EU-Importe 2008 – 2017Ganze HäuteHaut – bzw. Lederstückeaus Farmen / RanchingAnteil Wildfänge
Pythons3.233.1451.065.39155,9%44,1%
Kobras73.61114.1970,01%99,9%
Alligatoren585.4461.912.0697,7%92,3%
Kaimane300.277189.72353,6%46,4%
Echte Krokodile12.1686.35099,3%0,7%
Tejus493.473148.2470,6%99,4%
Warane1.607.449698.6610,6%99,4%
Gesamt6.305.5694.034.638

Die Natur wird geplündert

Bei den Tieren für die Produktion von Reptilleder handelt es sich häufig um Wildfänge aus der Natur: Nahezu alle Waran-, Teju- (eine Echsenart aus Lateinamerika), Kobra- und Alligatorenhäute stammen von wildgefangenen Tieren, bei Pythons sind es offiziell 44 Prozent (s. Tabelle). Alle in der Tabelle aufgeführten Tiere sind nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) geschützt und dürfen nur begrenzt gehandelt werden. Viele Hersteller geben an, dass sie Pythonleder aus Zuchtfarmen beziehen: Zum Teil existieren diese angeblichen Zuchtfarmen allerdings nicht, oder diese bedienen sich weiterhin aus der Natur. Ausgewachsene Wildfänge sind leider billiger und schneller erhältlich als Nachzuchten. Die offizielle Farmproduktion der Pythonhäute von fast 56 Prozent ist also stark zu bezweifeln. Die Folgen des Massenfangs für das ökologische Gleichgewicht sind bereits zu beobachten: Wo die Schlangen in Südostasien nahezu ausgestorben sind, vermehren sich Ratten, weil deren natürlicher Feind fehlt.

Tigerpython

Tigerpython

Sonderfall Krokodile

Bei den echten Krokodilen (Crocodylus spp.), die fast ausnahmslos streng geschützt sind, sehen die Zahlen auf den ersten Blick viel besser aus: Bei ihnen stammen 99,3 Prozent aus Farmen – beim sog. „Ranching“ werden Krokodil-Eier aus der Wildnis eingesammelt und in Gefangenschaft ausgebrütet. Der Handel feiert diese Praxis als Artenschutzmaßnahme – mit dem Argument, dass in der Natur ohnehin dank Raubtieren nur ein Bruchteil des Nachwuchses bis zur Geschlechtsreife überlebt. Dennoch handelt es sich auch bei den Eiern streng genommen um Wildentnahmen…

Jungtiere auf Krokodilfarm

Jungtiere auf Krokodilfarm

Lebend gehäutet

Waranen werden ihre Beine auf dem Rücken zusammengebunden, sie werden in Plastiksäcke gestopft, auf Lastwägen geworfen und in das Schlachthaus gebracht. Dort angekommen wirft man die Tiere achtlos in Ecken. Ein Schlag auf den Kopf soll Warane und Schlangen töten, viele überleben aber und erleben die folgende Prozedur bei vollem Bewusstsein: Ein Schnitt auf der Bauchseite und die Haut wird dem Waran bei lebendigem Leib abgezogen. Schlangen werden für das Schlangenleder am Kopf aufgehängt und mit einem Schlauch Wasser in ihre Körper gefüllt, um die pralle Haut besser abziehen zu können. Die Tiere ertrinken erbärmlich oder erleben sogar noch ihre Häutung. Krokodilen wird ein Schnitt in den Nacken gesetzt, um dann mit einem Eisenstab das Rückenmark zu durchtrennen. Jedes Jahr erleiden mehrere hunderttausend Tiere dieses unfassbar grausame Schicksal.

Reptilleder Schlangenleder Python-Schlachthaus Indonesien © Mark Auliya

Reptilleder Python-Schlachthaus Indonesien © Mark Auliya

Luxuslabels unter Druck

Wegen der Zweifel an der Nachhaltigkeit der Natur-Entnahmen hatte die EU seit 2004 den Import von Python-Häuten aus Malaysia gestoppt. Doch Malaysia ließ nicht locker, argumentierte mit Armutsbekämpfung – und Ende 2016 gab die EU nach: Seither sind Einfuhren aus Malaysia wieder möglich, obwohl Ökologen vor schwindenden Schlangenbeständen und daraus resultierenden Rattenplagen warnen. Hauptgrund für das Umdenken der EU waren diverse Berichte, die die Kering Group (u.a. Gucci, Prada, Alexander McQueen) bezahlt hat und die die angebliche Nachhaltigkeit des Pythonhandels belegen sollen. Unabhängige Wissenschaftler bezweifeln dies jedoch weiterhin…

Gucci-Handtasche aus Pythonleder © Pro Wildlife

Gucci-Handtasche aus Pythonleder © Pro Wildlife

Die amerikanischen Artenschutzbehörden führen seit 2010 immer wieder Beschlagnahmungen bei den Luxuslabels durch: Über 600 Artikel bei LVHM, dem Dachlabel von z.B. Louis Vuitton und Christian Dior, wurden eingezogen und Geldstrafen verhängt. Designer Tom Ford wurde zu einer Strafe von 9.000 US$ verurteilt, nachdem er Reptilleder-Taschen ohne erforderliche Genehmigungen importiert hatte. Ende 2015 beschlagnahmten US-Behörden 276 Paar Schuhe von Manolo Blahnik – die Schuhe, gefertigt aus dem Leder asiatischer Wasserschlangen, waren falsch deklariert gewesen. Die Berliner Artenschutzbehörde beschlagnahmte 2016 in der renommierten Galerie Lafayette sowie Ende 2017 auch auf der Messe „Bazaar Berlin“ Taschen, Gürtel und Geldbörsen aus Kroko- und Schlangenleder. Auch hier konnten die Verkäufer die legale Herkunft der Tiere nicht belegen.

Was können Sie gegen den grausamen Handel mit Reptilleder tun?

1) Teilen Sie unsere Informationen in den Social Media: in Internetforen, unter Freunden, auf Facebook und Twitter!

2) Halten Sie die Augen offen nach Reptilleder und Schlangenleder (erkennbar an den leicht abstehenden Hautschuppen). Informieren Sie Verkäufer und Träger von Reptillederprodukten höflich und sachlich über die Tier- und Artenschutzproblematik, vielen ist dies bisher unbekannt.

Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife verhandelt aktiv bei CITES mit, um die Handelsquoten möglichst klein zu halten. Wichtigster Punkt ist für uns jedoch die Aufklärung der Verbraucher, um die Nachfrage nach diesen grausam hergestellten, völlig überflüssigen Luxusartikeln zu beenden.

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Chamäleon © frei

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Reptilienschmuggel ist maximaler Profit bei minimalem Risiko. Ganze Arten sind durch den Handel bedroht. Internationale Abkommen und Gesetze müssen helfen, den grenzenlosen Handel zu regulieren.

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Rotaugenlaubfrosch

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