Löwenfarmen: Qual für den Tourismus

Zahme Löwen für die Grosswildjagd.

Südafrika gilt bei vielen Reisenden als Top-Destination. Aber nicht nur Naturliebhaber schätzen das Land, auch für Jäger ist es äußerst attraktiv: Über 18.000 Jagdtouristen, vor allem aus Europa und den USA, reisen jedes Jahr vor allem in das südliche Afrika, um auf bedrohte Tiere zu schießen. Je nach Budget sind fast alle Wildtierarten zu haben – sogar geschützte Arten wie Löwen, Leoparden, Elefanten und Nashörner. Hunderte Löwenfarmen in Südafrika liefern Jägern sogar gezüchtete Löwen für die Jagd in umzäunten Gattern vor die Flinte. Südafrikas Umweltministerin kündigte im Mai 2021 an, die kommerzielle Löwenzucht zu beenden – entsprechende Gesetze stehen noch aus.
Löwe Steppe, Trophäenjagd

Afrikanischer Löwe © Yuzura Masuda

Beliebt, auch bei unerfahrenen Jägern, ist das Canned Hunting, im Deutschen auch „Gatterjagd“ genannt. Bei dieser Jagdform werden die Tiere in Gefangenschaft gezüchtet, von Hand aufgezogen, in umzäunte Gehege ausgesetzt und wenig später dem Jäger auf dem Silbertablett zum Abschuss „serviert“. Insbesondere Löwen werden in solchen Farmen gezüchtet und gejagt, im Angebot sind aber auch Tiger, Leoparde und Geparde.

Mehrere Hundert bis zu 1.000 Löwen werden pro Jahr Opfer dieser grausamen Praxis. In Südafrika leben 10.-12.000 Löwen zusammengepfercht in bis zu 350 Zuchtfarmen – mehr als jemals zuvor: Die Zahl der Löwen in Gefangenschaft ist in nur sieben Jahren um mehr als 50 Prozent gestiegen. Aufgrund von Inzucht leiden viele der Tiere unter Krankheiten. In Freiheit gibt es in Südafrika vermutlich nur noch etwa 2.000 Löwen, Tendenz stark abnehmend.

Löwenbaby © Pixabay

Löwenbaby © Pixabay

Erst streicheln…

Viele Jungtiere werden zunächst als Touristenattraktion missbraucht: Man kann sie streicheln, fotografieren und mit ihnen spazieren gehen. Ahnungslose Touristen bezahlen Farmbesitzern und Freiwilligenagenturen sogar viel Geld dafür, um als Volontäre Raubkatzenbays, die ihren Müttern weggenommen wurden, auf Löwenfarmen mit der Flasche aufzuziehen. Dass sie damit eine grausame Industrie unterstützen, die selbst von Jagdverbänden zunehmend abgelehnt wird, ist den ehrenamtlichen Helfern nicht bewusst.

…dann schießen

Sobald die Löwen älter als vier bis sechs Jahre sind, können sie zum Abschuss freigegeben werden. Jäger bezahlen mehrere tausend Euro für eine Löwentrophäe. Der Abschuss eines gezüchteten Löwen ist im Durchschnitt wesentlich günstiger und einfacher als der eines wildlebenden Tieres. Auch hieraus erklärt sich die boomende Nachfrage nach der Gatterjagd. Fast alle der in Südafrika von Großwildjägern geschossenen Tiere stammen aus Zuchtfarmen. Auch Deutschland erlaubt regelmäßig die Einfuhr von Jagdtrophäen von gezüchtete und in Gattern erlegten Tieren. In der Regel findet die Jagd nicht auf derselben Farm statt, in der die Tiere gezüchtet wurden: Die Löwen werden an Jagdfarmen in den Provinzen Free State, North West und Limpopo verkauft und dort in umzäunten Jagdgehegen geschossen – ohne Chance auf Entkommen.

Löwe auf einer Löwenfarm, Löwenfarmen © Pixabay

Löwe © Pixabay

… und schließlich ausschlachten

Mit dem Tod des Tieres ist die industrialisierte Ausbeutung noch immer nicht beendet: Während der Jäger in der Regel Schädel und Fell des Tieres als Statussymbol mit nach Hause nimmt, wird der Körper des Tieres weiter ausgeschlachtet und vermarktet: Löwenknochen finden seit 2008 zunehmend Absatz in der Traditionellen Asiatischen Medizin: Als Ersatzprodukt für die im Handel verbotenen Tigerknochen zur  Herstellung von Tigerwein (tiger bone wine). Von 2008 bis 2015 wurden aus Afrika die Skelette von mehr als 6.000 Löwen mit einem Gesamtgewicht von gut 70 Tonnen nach Asien ausgeführt, Tendenz stark steigend! 99 Prozent der Knochen stammen aus südafrikanischen Zuchtfarmen und wurden mit staatlicher Genehmigung legal exportiert. 2017 verschaffte die Regierung Südafrikas dem skandalösen Treiben sogar zusätzliche Legitimierung, indem sie eine Exportquote für die Skelette von 800 gezüchteten Tieren pro Jahr festsetzte. Pro Wildlife befürchtet, dass der legale Handel auch die Wildbestände gefährdet, denn zunehmend werden auch wilde Löwen – ebenso wie Tiger, Leoparden und Jaguare – gewildert, um ihre Knochen in den Handel einzuschleusen. Die Zuchtfarmen befeuern die Nachfrage nach vermeintlichen Wunderheilmitteln in Asien und tragen damit zur Bedrohung der Raubkatzen bei.

Kommt das Aus für Südafrikas Löwenfarmen?

Im Mai 2021 kündigte die südafrikanische Umweltministerin Barbara Creecy an, dass sie die Zucht und Ausbeutung von Löwen für Jagd und Handel beenden will. Diese Pläne gehen auf einen 600-seitigen Bericht und Empfehlungen eines vom Umweltministerium eingesetzten Ausschusses (High Level Panel) zurück, der 2019 etabliert wurde. Ein Parlamentsausschuss hatte bereits 2018 entsprechende Forderungen aufgestellt. Allerdings muss die Ankündigung der Ministerin erst noch in die Tat umgesetzt werden, alle Beteiligten (einschließlich der Löwenzüchter) müssen angehört werden, Gesetze entwickelt und verabschiedet werden. Was mit den in Zuchtfarmen lebenden Tieren (und ihren begehrten Knochen und Fellen) werden soll, ist bisher unklar. So begrüßenswert die Pläne der Ministerin auch sind bleibt also noch abzuwarten, wann es endlich Erlösung für Südafrikas Zuchtlöwen geben wird und wie konsequent die angekündigten Bestimmungen sein werden. Denn im Jahr 2007 hatte der damalige Umweltminister von Südafrika bereits einen Versuch unternommen, die weltweit kritisierte Gatterjagd auf Zuchtlöwen zu beenden. Doch die Züchter klagten und konnten das geplante Gesetz aufgrund technischer Fehler gerichtlich verhindern. Seither boomt die Jagd auf gezüchtete Löwen. Auch in puncto Nashornhandel setzten sich private Züchter gegen die Regierung durch und brachte ein nationales Handelsverbot zu Fall. Höchste Zeit also, dass sich Südafrika von der Züchter- und Jagdlobby emanzipiert.

 

So hilft Pro Wildlife
Pro Wildlife dokumentiert die Missstände in der Zucht, Jagd und Vermarktung von Löwen. Wir setzen uns für eine Schließung der Zuchtfarmen und ein Ende von Handel und Jagd ein. Denn die Bestände wilder Löwen sind in 21 Jahren um 43 Prozent zurückgegangen. Bei internationalen Artenschutzkonferenzen hat sich Pro Wildlife mit Erfolg dafür eingesetzt, den Handel mit Löwen zu beschränken und sie durch das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (CMS) zu schützen.

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