Löwenfarmen: Qual für den Tourismus

Zahme Löwen für die Grosswildjagd.

Südafrika gilt bei vielen Reisenden als Top-Destination. Aber nicht nur Naturliebhaber schätzen das Land, auch für Jäger ist das südliche Afrika äußerst attraktiv: Über 18.000 Jagdtouristen, vor allem aus Europa und den USA, reisen jedes Jahr nach Afrika, um auf seltene Tiere zu schießen. Je nach Budget sind fast alle Wildtierarten zu haben – sogar geschützte Arten wie Elefanten, Nashörner und Löwen. Auf Löwenfarmen in Südafrika schießen Jäger sogar gezüchtete Löwen in Gefangenschaft.
Löwe Steppe, Trophäenjagd

Afrikanischer Löwe © Yuzura Masuda

Beliebt, auch bei unerfahrenen Jägern, ist das Canned Hunting, im Deutschen auch „Gatterjagd“ genannt. Bei dieser Jagdform werden die Tiere von Hand auf Löwenfarmen aufgezogen, in umzäunte Gehege ausgesetzt und wenig später dem Jäger auf dem Silbertablett zum Abschuss „serviert“.

800 bis 1.000 Löwen werden pro Jahr Opfer dieser grausamen Praxis. Auch andere Tierarten, sogar Tiger, sind betroffen. In Südafrika leben bis zu 7.000 Löwen zusammengepfercht in ca. 200 Zuchtfarmen – mehr als jemals zuvor: Gegenüber 2010 ist die Zahl der Löwen in Gefangenschaft um 50 Prozent gestiegen. Aufgrund von Inzucht leiden viele der Tiere unter Krankheiten. In Freiheit gibt es in Südafrika nur noch etwa 3.500 Löwen, also die Hälfte.

Löwenbaby © Pixabay

Löwenbaby © Pixabay

Erst streicheln…

Viele Jungtiere werden zunächst als Touristenattraktion missbraucht: Man kann sie streicheln, fotografieren und mit ihnen spazieren gehen. Ahnungslose Touristen bezahlen Farmbesitzern und Freiwilligenagenturen sogar viel Geld dafür, um als Volontäre Raubkatzenbays, die ihren Müttern weggenommen wurden, auf Löwenfarmen mit der Flasche aufzuziehen. Dass sie damit eine grausame Industrie unterstützen, die selbst von Jagdverbänden zunehmend als unethisch abgelehnt wird, ist den ehrenamtlichen Helfern nicht bewusst.

…dann schießen

Sobald die Löwen älter als vier bis sechs Jahre sind, können sie zum Abschuss freigegeben werden – Jäger bezahlen mehrere tausend Euro für „ihren“ Löwen. Der Abschuss eines gezüchteten Löwen ist allerdings im Durchschnitt wesentlich günstiger und einfacher als der eines wildlebenden Tieres. Auch hieraus erklärt sich die boomende Nachfrage nach der Gatterjagd. Über 90 Prozent der in Südafrika von Großwildjägern geschossenen Tiere stammen aus Zuchtfarmen. In vielen Fällen findet die Jagd nicht auf der Farm statt, in der die Tiere gezüchtet wurden. Die Löwen werden in der Regel an Jagdfarmen in den Provinzen Free State, North West und Limpopo verkauft und dort nach dem Abtransport in umzäunten Jagdgehegen geschossen – ohne Chance auf Entkommen. 2007 unternahm die Regierung von Südafrika einen zaghaften Versuch, die weltweit kritisierte Jagd auf Zuchtlöwen zu beenden. Doch die Züchter klagten und konnten das geplante Gesetz aufgrund technischer Fehler verhindern. Seither boomt die Jagd auf gezüchtete Löwen.

Löwe auf einer Löwenfarm, Löwenfarmen © Pixabay

Löwe © Pixabay

… und schließlich ausschlachten

Mit dem Tod des Tieres ist die industrialisierte Ausbeutung noch immer nicht beendet: Während der Jäger in der Regel Schädel und Fell des Tieres als Statussymbol mit nach Hause nimmt, wird der Körper des Tieres weiter ausgeschlachtet und vermarktet: Löwenknochen finden seit 2008 zunehmend Absatz in der Traditionellen Asiatischen Medizin: Als Ersatzprodukt für die im Handel verbotenen Tigerknochen zur  Herstellung von Tigerwein (tiger bone wine). Von 2008 bis 2015 wurden aus Afrika die Skelette von mehr als 6.000 Löwen mit einem Gesamtgewicht von gut 70 Tonnen nach Asien ausgeführt, Tendenz stark steigend! 99 Prozent der Knochen stammen aus südafrikanischen Zuchtfarmen und wurden mit staatlicher Genehmigung legal exportiert. 2017 verschaffte die Regierung Südafrikas dem skandalösen Treiben sogar zusätzliche Legitimierung, indem sie eine Exportquote für die Skelette von 800 gezüchteten Tieren pro Jahr fest setzte. Pro Wildlife befürchtet, dass der legale Handel auch die Wildbestände gefährdet, denn zunehmend werden auch wilde Löwen – ebenso wie Tiger, Leoparden und Jaguare – gewildert, um ihre Knochen in den Handel einzuschleusen. Die Zuchtfarmen befeuern die Nachfrage nach vermeintlichen Wunderheilmitteln in Asien und tragen damit zur Bedrohung der Raubkatzen bei.

So hilft Pro Wildlife

Pro Wildlife dokumentiert die Missstände in der Zucht, Jagd und Vermarktung von Löwen. Gemeinsam mit verschiedenen afrikanischen Staaten setzen wir uns für einen strengen internationalen Schutz der Löwen und ein Ende von Jagd und Handel ein. Denn während der kommerzielle Handel mit anderen Großkatzenarten durch das CITES-Artenschutzabkommen international verboten ist, ist er für Löwen noch immer erlaubt – obwohl die Bestände in 21 Jahren um 43 Prozent zurück gegangen sind. Zweimal scheiterte der Antrag, Löwen international unter strengen Schutz zu stellen – vor allem am Widerstand Südafrikas – aber auch der EU. Immerhin wurde bei der CITES-Konferenz 2016 ein Handelsverbot für die meisten Körperteile wilder Löwen erzielt – allerdings sind Knochen von Löwen südafrikanischer Zuchtfarmen ausgenommen. 2017 wurden Löwen unter anderem auf Drängen von Pro Wildlife durch das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (CMS) geschützt.

Mehr Informationen

Jagd und Handel bedrohen Löwen

Jagd und Handel bedrohen Löwen

Dem König der Tiere geht es schlecht. Laut der Roten Liste bedrohter Tierarten der Weltnaturschutzunion (IUCN) ist der Bestand seit 1993 um 42 Prozent eingebrochen. » Jagd und Handel bedrohen Löwen
Trophäenjagd ©Paul Shoul

Trophäenjagd © Paul Shoul

Alleine in Afrika gehen jedes Jahr mehr als 18.000 Ausländer auf Großwildjagd und töten dabei mehr als 100.000 Wildtiere » Informationen zur Trophäenjagd
Dokumentarfilm Bloodlions

Dokumentarfilm Bloodlions

Der Dokumentarfilm Blood Lions deckte die Geschäft mit gezüchteten Löwen in Südafrika auf » Dokumentarfilm Bloodlions
Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Elefantenreiten, Delfinshow oder Tiger-Selfie: Für die Urlauber ein kurzes Vergnügen, für die Tiere lebenslange Quälerei » Tierschutz auf Reisen
Diesen Beitrag teilen