Elefantentourismus und Elefantenreiten

Elefantenreiten: Geschäfte auf dem Rücken der Tiere.

Für viele Reisende sind Elefantenreiten und die hautnahe Begegnung mit Elefanten ein Höhepunkt ihres Asien- oder Afrikaurlaubs. Doch die Tourismusindustrie nutzt die Tierliebe der Urlauber schamlos aus: Viele der Einrichtungen, die Attraktionen mit Elefanten in Gefangenschaft anbieten, behaupten einen Beitrag zum Tier- oder Artenschutz zu leisten. Sie nennen sich Rettungsstation (Sanctuary), Waisenhaus (Orphanage) oder schlicht Elefantencamp. Doch meist verbirgt sich hinter diesen klangvollen Namen eine knallharte und tierquälerische Industrie. Die meisten der Elefanten stammen aus der Wildnis und es handelt sich nicht, wie häufig suggeriert, um gerettete Waisen. Die Tiere werden eingefangen und mithilfe von Gewalt, Nahrungs-, Wasser- und Schalfentzug brutal unterworfen und gefügig gemacht. 

Elefantentourismus: Elefantenreiten Sri Lanka

Elefantentourismus: Elefantenreiten Sri Lanka

Touristen können auf Elefanten reiten, sie waschen, streicheln und füttern, sie bei Tempelprozessionen bestaunen oder auch für einen Tag Elefantenpfleger spielen. Dass Kontakt zu Menschen großen Stress und Angst für die Elefanten bedeutet, ist den meisten Touristen gar nicht bewusst. 

Rohe Gewalt: Fang und Unterwerfung von Baby-Elefanten

Um das Geschäft mit Touristen am Laufen zu halten, wird immer neuer Nachschub an Elefanten gebraucht. Die große Nachfrage hat zu einem organisierten Handel mit wild gefangenen Elefanten geführt. In Myanmar werden Schätzungen aus dem Jahr 2012 zufolge jährlich 50 bis 100 Elefantenbabys gefangen und für den Elefantentourismus nach Thailand geschmuggelt. Der Schwarzmarktwert eines Elefantenkalbes liegt in Thailand bei 30.000 Euro. 

Angeketteter junger Elefant wird für Elefantenreiten dressiert © Pro Wildlife

Angeketteter junger Elefant © Pro Wildlife

Das Einfangen von Elefantenbabys bezahlen viele Tiere mit ihrem Leben: Um ein Kalb zu fangen, werden bis zu fünf erwachsene Tiere getötet, die versuchen, den Nachwuchs zu schützen. Von den traumatisieren Jungtieren überleben zwei von drei Elefantenkindern das grausame „Einbrechen“ nicht.

Elefanten sind Wildtiere – sie scheuen Menschen

Elefantenreiten ist besonders in Myanmar, Thailand, Sri Lanka, Nepal und Laos eine beliebte Unterhaltung für Urlauber. Aber auch in Afrika werden immer wieder wilde Elefanten für Touristen-Attraktionen missbraucht, zum Beispiel in Südafrika, Namibia, Simbabwe und Sambia. Die Interaktion zwischen Mensch und Elefant ist jedoch kein natürliches Verhalten, sondern wird den Tieren aufgezwungen. Denn Elefanten sind Wildtiere – und nicht domestiziert.

Elefantenherde an einem Wasserloch

Elefantenherde an einem Wasserloch

Damit die Dickhäuter den direkten Kontakt mit Menschen überhaupt dulden, werden sie meistens schon als Kälber mit Gewalt dressiert. Ein Elefant in freier Natur würde einen Menschen niemals freiwillig auf seinem Rücken reiten lassen. Um ein solches Verhalten zu erzwingen, wird der Wille der Tiere gebrochen: Die Peiniger fixieren Elefanten mit Ketten an den Beinen und quälen sie mit Wasser-, Nahrungs- und Schlafentzug. Zusätzlich werden die Tiere mit einem Stock mit spitzem Eisenhaken, dem sogenannten Ankus, an besonders empfindlichen Körperstellen drangsaliert und geschlagen. Dieses Konzept beruht auf dem Prinzip negativer Verstärkung: Körperliche und mentale Bestrafung sollen das gewünschte Verhalten herbeiführen. Die Misshandlungen dauern meist ein Leben lang an. Beim genauen Hinsehen sieht man bei Elefanten in touristischen Einrichtungen häufig Narben auf der Haut oder Wunden, unter anderem an den Ohren, dem Rüssel oder den Füßen. Auch die Haltung und Ernährung der Elefanten ist oft mangelhaft. Sie werden angekettet, stehen in ihren eigenen Exkrementen und in vielen Fällen fehlt der freie Zugang zu Wasser und Schatten.

Elefant in Ketten

Elefant in Ketten auf hartem Betonboden

Leid für die Tiere und Gefahr für die Menschen – Elefanten sind keine sanften Riesen

Verhaltensstörungen sind bei Elefanten in Gefangenschaft sehr häufig. Ein Beispiel hierfür ist das rhythmische Hin- und Herschwenken des Kopfes, das sogenannte „Weben“. Ähnlich wie Menschen können Elefanten durch Traumata, die durch Fang und Misshandlungen in Gefangenschaft verursacht werden, an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Zudem ist der Besuch eines Elefantencamps nicht ungefährlich: Elefanten gelten als die gefährlichsten Tiere in Gefangenschaft. In den meisten Camps werden sie daher an Ketten gehalten – teilweise sogar dauerhaft. Jedes Jahr werden dutzende Menschen von Elefanten getötet oder schwer verletzt. Nicht nur in Asien, auch in Afrika gibt es Todesfälle: In Simbabwe z.B. gab es im Jahr 2018 mindestens zwei Unfälle mit Elefanten in der „Dimbangombe Safari Lodge“ und im „Wild Horizons Elephant Sanctuary“ – beide Elefanten wurden daraufhin erschossen.

Zu dem können Elefanten gefährliche Krankheiten auf den Menschen übertragen – und umgekehrt. Vor allem Asiatische Elefanten sind in Gefangenschaft teils mit Tuberkulose infiziert, einer der weltweit tödlichsten Infektionskrankheiten. Man geht davon aus, dass sie die Krankheit über Aerosole oder Flüssigkeit aus ihrem Rüssel an Menschen übertragen. Touristische Einrichtungen bieten häufig Badeausflüge mit Elefanten an, bei denen sich Urlauber auch mit Wasser aus dem Rüssel nass spritzen lassen, hierbei ist die Ansteckungsgefahr besonders groß.

Elefantenfreundlicher Urlaub – Worauf Sie achten sollten

Hände weg von Elefanten in Gefangenschaft: Wer Elefanten liebt, sollte einen weiten Bogen um Einrichtungen machen, die direkten Kontakt mit Elefanten anbieten. Wir raten dazu, stattdessen wildlebende Elefanten dort zu beobachten, wo sie hingehören: in der Natur.

Pro Wildlife empfiehlt:

  • Bewundern Sie Elefanten in Freiheit unter professioneller Führung
  • Bitte beschweren Sie sich bei Reiseveranstaltern und Hotels, die für Veranstaltungen mit direktem Mensch-Tier Kontakt werben. Weisen Sie auf die Tier- und Artenschutzprobleme hin.
  • Falls Sie eine seriöse Auffangstation besuchen wollen, informieren Sie sich vorab genau: Achten Sie darauf, dass kein direkter Kontakt zwischen Besuchern und Tieren angeboten wird, die Tiere nicht in Ketten gehalten werden, es keinerlei Vorführungen gibt, die Tiere im Gruppenverband leben und sich frei bewegen können.

Pro Wildlife rät ab von:

  • Elefantencamps und Auffangstationen, die direkten Kontakt zwischen Mensch und Elefant versprechen
  • Elefantenreiten, baden, füttern, streicheln und spazieren gehen mit Elefanten
  • Angeboten, bei denen Touristen Elefanten pflegen dürfen („Volunteer as a mahout“)
  • Vorführungen und Shows
  • Fotos mit gefangenen Elefanten gegen Bezahlung
  • Prozessionen und Festumzügen – auch hierfür werden Elefanten gefangen und dressiert

Reiseanbieter werden elefantenfreundlich

Ein Leben in Ketten: Elefanten im TourismusPro Wildlife klärt Öffentlichkeit und Reiseunternehmen über die Missstände im Elefanten-Tourismus auf und fordert, diese Tierquälerei nicht weiter zu unterstützen. Hierbei konnte Pro Wildlife bereits zahlreiche Erfolge verbuchen: Aufgrund intensiver Überzeugungsarbeit bieten bereits mehr als 40 Reiseanbieter ausschließlich elefantenfreundliche Angebote an, viele stellen ihr Programm um.

Weitere Informationen finden Sie im Pro Wildlife Bericht „Ein Leben in Ketten“ (PDF)

Positivbeispiel: Elefantenwaisenhaus in Sambia

Es gibt einige wenige positive Beispiele für Waisenhäuser, in denen das Wohl tatsächlich geretteter Tiere im Vordergrund steht, die Urlauber guten Gewissens besuchen können. Eines davon ist das von Pro Wildlife unterstützte Lilayi Elefantenwaisenhaus in Lusaka, Sambia. Dort werden Elefantenwaisen aufgenommen, die ihre Mütter und Herden verloren haben. Wenn die Tiere selbständig genug sind werden sie in Sambias Kafue Nationalpark in die Freiheit entlassen.

Elefantenwaisenhaus Sambia

Elefantenwaisenhaus Sambia

Mehr Informationen

indischer Elefant

Elefantenfreundliche Reiseunternehmen

Immer mehr Reiseanbieter stellen aufgrund unserer Kampagne um auf elefantenfreundlichen Tourismus. Pro Wildlife fordert Reiseanbieter auf, Elefantenreiten und andere Angebote, die auf Tierleid setzen, aus dem Programm zu nehmen. » Elefantenfreundliche Reiseunternehmen
Tipps für Volunteering und Freiwilligenarbeit

Tipps für Volunteering und Freiwilligenarbeit

Worauf Sie bei einem Ehrenamt im Artenschutz achten sollten. » Tipps für Volunteering und Freiwilligenarbeit 
Elefantenherde im Waisenhaus © ETH Sri Lanka

Elefantenherde im Waisenhaus © ETH Sri Lanka

Im Elephant Transit Home in Sri Lanka bekommen Elefantenwaisen eine zweite Chance » Reisetipp Asien: Elephant Transit Home in Sri Lanka
Elefantenwaisenhaus Sambia

Elefantenwaisenhaus Sambia

Das Elefantenwaisenhaus in Sambia kümmert sich um die Opfer der Wildereikrise in Afrika » Reisetipp Afrika: Elephant Orphanage in Sambia
Diesen Beitrag teilen