Tigertempel in Thailand eröffnet nun als Zoo

29. August 2018

Tierquälerei und illegalem Handel zum Trotz geht das Geschäft weiter.

Busladungen voller Touristen wurden jahrelang in den umstrittenen Tigertempel Wat Pa Luangta Maha Bua gekarrt. Was viele Besucher nicht wussten: Die Anlage war jahrelang in illegale Zucht und Handel von Tigern und ihrer Körperteile verstrickt, bis sie schließlich 2016 von der thailändischen Regierung für den Touristenverkehr gesperrt wurde. Die Tiger wurden beschlagnahmt. Nun haben die thailändischen Behörden zum Entsetzten von Tierschützern der Golden Tiger Co.Ltd., einem Ableger des Tempels, eine Genehmigung erteilt, neben dem Tempelgelände einen neuen Tigerzoo zu eröffnen. Das Geschäft mit der Tierquälerei könnte sich also wiederholen.

Tiger im Tigertempel

Tiger im Tigertempel © Jo-Anne McArthur/We Animals

Tigerwein und andere „Medizin“

Das Debakel um den Tigertempel und das jahrelange Versagen der Behörden sind sinnbildlich für die eskalierende Kommerzialisierung von Tigern in Thailand: Schätzungsweise 1.450 bis 2.500 Tiger werden dort in etwa 50 Einrichtungen als Tourismusmagneten ausgebeutet. Zumindest einige dieser „Attraktionen“ sind nachweislich in den illegalen Handel mit Knochen und anderen Körperteilen verstrickt, die zu „Tigerwein“ und anderen Produkten für die Traditionelle Asiatische Medizin verarbeitet werden. Die Nachfrage nach solchen angeblichen Arzneien treibt die illegale Jagd auf Tiger und zunehmend auch auf die anderen großen Raubkatzen an und bedroht somit auch das Überleben von Löwen, Leoparden und Jaguaren.

Illegaler Handel mit Tigerteilen floriert

Illegaler Handel mit Tigerteilen floriert

Der Handel sowohl von lebenden Tigern als auch mit Haut, Knochen oder anderen Tierteilen ist durch thailändische Gesetze sowie durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen streng verboten. Auch der Tigertempel hatte angeblich gezielt für den Tourismus ungeeignete Tiger verschwinden lassen und durch neue ausgetauscht. Ältere Tiger sollen gezielt getötet und für die Herstellung Traditioneller Asiatischer Medizin verkauft worden sein.

Am Anfang war ein Tigerbaby

Der Tigertempel Wat Pa Luangta Maha Bua wurde 1994 ursprünglich als buddhistischer Waldtempel in Zentralthailand gegründet. Der Tempel kümmerte sich zunächst um Haustiere sowie verletzte und verwaiste Wildtiere, da in der buddhistischen Tradition Tiere in Not meist zum nahe gelegenen Tempel gebracht werden.

Buddhistische Mönche

Buddhistische Mönche

Was als Refugium für Tierwaisen begann, wurde schnell zu profitorientierter Tourismusattraktion, als die Mönche 1999 das erste Tigerbaby aufnahmen und es der Öffentlichkeit zugänglich machten. Das Tigerbaby begleitete sie täglich bei ihren Ausflügen und zog bald auch die Aufmerksamkeit von Touristen auf sich. Der Tempel öffnete seine Tore für die Öffentlichkeit und wurde schnell als Tigertempel bekannt. Der kleine Tiger verstarb allerdings einige Monate nach seiner Ankunft. 2001 nahm der Tempel acht weitere angeblich von Wilderern beschlagnahmte Tigerwaisen auf. Kurz darauf stellte die Behörde fest, dass die gefährdeten Tiger ohne gültige Genehmigung gehalten wurden und beschlagnahmte sie wieder. Weil es aber keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten gab, wurde den Mönchen erlaubt, die Tiere zu behalten. Die Auflagen: Sie durften keine Zucht betreiben und die Tiere nicht vermarkten.

Mönch mit Tigerbaby

Mönch mit Tigerbaby

Die zahmen Tigerjungen wurden schnell zum Touristenmagneten und es kamen immer mehr Besucher, um sich die vermeintlich glücklichen Tiere anzusehen, sie zu streicheln – und natürlich um zu spenden. Trotz des Zuchtverbotes vermehrten sich die Tiger über die Jahre ungehindert. Die heimischen Königstiger, aber auch Kreuzungen mit anderen Unterarten, wurden auf dem Tempelgelände in Käfigen gehalten und in Vorführungen Touristen vorgeführt. Die Mönche vermarkteten den Tempel als „Schutzort“ und „Zuchtstation“ für Tiger und beteuerten, die Tiere auf die Freilassung in der Wildnis vorzubereiten. Dies war von Beginn an mehr als fragwürdig, da direkter Kontakt der Tiere zu Menschen zum Alltag gehörte.

Tierquälerei und Massenzucht

2008 wurden Stimmen von Tierschützern laut, die unter anderem die Haltung in viel zu engen Käfigen und die fragwürdigen Methoden, die mittlerweile 17 Tiger gefügig zu machen, anprangerten. Denn die Tiere wurden durch die Pfleger brutal unterworfen, mit Holzbohlen geschlagen und gequält. Gewarnt wurde auch vor dem gefährlichen Kontakt zwischen den Tieren und Besuchern. Der Tempel wurde auch erstmals des illegalen Tierhandels und der Korruption beschuldigt, allerdings fehlten damals die Beweise. Verschiedene Versuche der Nationalparkbehörde in Thailand, die Tiere aus dem Tempel zu befreien, scheiterten.

Foto mit Tiger © Jo-Anne McArthur/We Animals

Foto mit Tiger © Jo-Anne McArthur/We Animals

In den folgenden Jahren wuchs der Tigerbestand rasant an. 2010 beherbergte der Tempel bereits mehr als 70 Tiere. Als im Dezember 2014 drei mit Microchips versehene Tiger aus dem Tempel verschwanden, leiteten die Behörden schließlich Ermittlungen ein. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass die Tiger getötet und verkauft wurden. Einer der Verantwortlichen packte aus und übergab der Behörde die aus den vermissten Tigern herausgeschnittenen Mikrochips. Im April 2015 durchsuchten Beamte trotz Widerstandes der Mönche die Tempelanlage. Sie zählten insgesamt 143 Tiger, wobei 13 weder gechipt noch bei der Behörde registriert worden waren. Der Kadaver eines ausgewachsenen Tigers wurde in einer Gefriertruhe gefunden. Außerdem wurden etliche weitere illegal gehaltene Tiere beschlagnahmt, einige weitere verschwanden spurlos.

Foto mit Tiger im Tigertempel

Foto mit Tiger im Tigertempel

Undercover-Recherchen offenbaren illegalen Handel

Anfang 2016 erhärteten sich die Vorwürfe gegen den Tempel und zehn der inzwischen mehr als 140 Tiger wurden aus dem Tempel entfernt. Gleichzeitig legte die Australische Tierschutzorganisation Cee4life einen Undercover-Bericht über den illegalen Handel der Tiger seit 2004 vor. Demnach stammen mindestens vier der ersten Tiger aus der Wildnis, zudem kam es immer wieder zum Austausch mit Tigern aus Laos. Zwischen 1999 und 2015 sollen insgesamt 281 verschiedene Tiger den Tempel passiert haben. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die verschwundenen 134 Tiger alle auf natürliche Weise verstorben sind.

Mönch mit Tiger

Mönch mit Tiger

Schrecklicher Fund

Im Mai 2016 wurde der Tempel dann endlich endgültig für den Touristenverkehr gesperrt. Bei Razzien machten die Ermittler einen schrecklichen Fund: insgesamt 70 tote Tigerbabys, zwei Tigerfelle, Zähne und über tausend Amulette aus Tigerhaut wurden entdeckt. Auch andere Kadaver sowie gefährdete, illegal gehaltene Tierarten wurden gefunden. Innerhalb einer Woche wurden die etwa 140 Tiger aus dem Tempel umgesiedelt. Gegen den Sekretär des Abts und 20 weitere Verdächtige wurden Ermittlungen wegen Wildtierschmuggel, unbefugter Haltung und Handel mit geschützten Wildtieren eingeleitet. Anfang 2017 änderte der Tigertempel dann seinen Namen von Tiger Temple Co. Ltd zu Golden Tiger Co. Ltd.

Mönch mit Tigern © Michael Janich

Mönch mit Tigern © Michael Janich

Wiederholt sich die Geschichte?

2018 soll der neue Tigerzoo genau neben dem Tempelgelände eröffnen. Mit offizieller Genehmigung als Zoo registriert, planen die Betreiber den Import von 24 neuen Tigern aus dem Mallika Tiger Zoo in Bangkok. Pro Wildlife hat die thailändische Regierung gemeinsam mit weiteren Tierschutzorganisationen aufgefordert, die Genehmigung zurück zu ziehen und die kommerzielle Zucht und Handel von Tigern endlich effektiv zu unterbinden. Doch die Behörden behaupten, sie könnten nicht nachweisen, dass der neue Betreiber des Zoos in Verbindung mit dem Tigertempel und dessen Beschuldigten steht. Dabei bewirbt der Tigertempel bereits offiziell auf seiner Homepage den neuen Tigerzoo und auch eine der großen thailändischen Touristenagenturen preist bereits jetzt den direkten Kontakt der Urlauber zu den Tigern im neuen Tigerzoo an. Die unsägliche Geschichte des Tigertempels könnte sich also wiederholen, wenn die thailändischen Behörden nicht endlich durchgreifen.

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