Im Einsatz für Makohaie

29. Juni 2021 (Update 8. Juli).

Konferenz im Juli entscheidet über Schicksal der großen Fische

Makohaie – sie sind die schnellsten aller Haie und sie sind akut bedroht. Meeresbiologe Dr. Ralf Sonntag berichtet von seiner Begegnung mit den faszinierenden Raubfischen, warum er in unserem Auftrag den Mako ausgerechnet auf einer Thunfisch-Konferenz retten will – und warum die Fischerei-Abteilung der EU bisher ein Anlandeverbot für den dramatisch überfischten Mako im Atlantik blockiert. (Anlandeverbot = der Fang darf nicht an Land gebracht werden)

Begegnung mit dem Sprinter der Ozeane

Wir waren beim Auftauchen in einem der artenreichsten Riffe des Roten Meeres, als er plötzlich direkt vor uns war: Eindeutig ein junger Makohai, erkennbar an dem spitzen Kopf und dem leicht geöffneten Maul voller sehr spitzer Zähne. Es war mein erster und bisher einziger Mako beim Tauchen, Faszination pur. Ausgewachsene Makos können gut 4 Meter lang werden. Abgesehen vom Riesenhai, Walhai, Weißen Hai und Tigerhai gibt es nur wenige Arten, die so groß werden. Makos sind Hochseehaie, man sieht sie selten in der Nähe der Küste. Das Rote Meer ist eine Ausnahme, weil da an vielen Stellen die Tiefsee nicht weit vom Riff losgeht.

Der Makohai ist der Sprinter unter den Haien

Leider verlor unser Mako schnell das Interesse, denn als Nahrung taugten wir ihm nicht. Selbst die schwergewichtigsten Menschen sind nicht fett genug, um für Haie lecker zu sein. Deshalb passen Menschen auch generell nicht ins Beuteschema von Haien. Angriffe durch Haie sind extrem selten, weltweit gibt es jährlich ca. 5 bis 10 Todesfälle durch Haie. Das Risiko, auf einer Bergtour von einer Kuh getötet zu werden, ist deutlich höher.

Erbarmungslose Jagd auf Haie

Andersrum ist es wesentlich gefährlicher: Menschen töten etwa 100 Millionen Haie pro Jahr, eine gigantische Zahl, die durch die natürliche Fortpflanzung nicht aufgefangen werden kann. Beispielsweise bekommen Makos je nach Alter gerade mal 4 bis 25 Jungtiere, die sie lebend gebären und das auch nur alle 2 bis 3 Jahre. Geschlechtsreif sind sie erst im Alter von etwa 10 Jahren. Die Makoweibchen dehnen ihre Trächtigkeit maximal lange aus, um möglichst große Jungen zu gebären. Die Mutter produziert in der Zeit unbefruchtete Eier, die von den Jungen im Mutterleib gefressen werden. Das erhöht die Überlebensraten für die Tiere. Doch die kommerzielle Fischerei macht dies zunichte.

Makohaie sind durch Überfischung stark gefährdet

Die meisten Haie schmecken fürchterlich und werden häufig nur als Hundefutter verwendet – nur wegen ihren Flossen werden sie trotzdem intensiv gejagt. Beim Mako ist das anders: Ihr Fleisch gilt als wohlschmeckend und auch die Flossen als besonders hochwertig. Deshalb wurde er in den letzten Jahren auch intensiv befischt und gilt inzwischen als vom Aussterben bedroht.

Kein Wunder also, dass meine nächste Begegnung mit Makos auf einem Fischmarkt im arabischen Golf war. Dutzende von Makos lagen auf einem langen Steintisch, dazwischen auch Hammerhaie und Fuchshaie. Für mich ein deprimierender Anblick, insbesondere weil ich diese majestätischen Geschöpfe im Meer beobachten durfte. Inzwischen sieht man, zumindest dort, solche Haimärkte nicht mehr. Die genannten Arten sind inzwischen alle, auch dank unserer Arbeit, auf Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet. Das bedeutet, dass sie nur noch auf der Hochsee gefangen oder international gehandelt werden dürfen, wenn dieser Fang ökologisch nachhaltig erfolgt. Dies muss wissenschaftlich nachgewiesen sein. Weil das für den Mako nicht möglich ist, beschlossen die EU-Artenschutzbehörden Ende 2020 ein Anlandeverbot aus hoher See – in küstennahen Gewässern greift CITES als Abkommen für den internationalen Handel leider nicht.

Verschiedene Haie auf arabischem Fischmarkt @ Dr. Ralf Sonntag

Verschiedene Haie auf arabischem Fischmarkt @ Dr. Ralf Sonntag

Wissenschaft fordert Anlandeverbot im Nordatlantik

Auch im Nordatlantik sind die Fischer angehalten, keine Makohaie gezielt zu fangen. Allerdings schmecken den Makos die Köder an den Langleinen für den Schwertfischfang. Das bedeutet, Makos werden als häufiger und willkommener Beifang auf die Boote gezogen, um sie zu vermarkten. Der Wissenschaftsausschuss von ICCAT fordert, dass keine Makos mehr angelandet werden sollten. ICCAT steht für “International Commission for the Conservation of Atlantic Tunas” und regelt Fang mit Thunfischen sowie andere im Atlantik gefangene Fischarten wie Schwertfisch und Haie.

Alle gefangenen Makos sollen laut ICCAT-Wissenschaftsausschuss sofort zurück ins Wasser geworfen werden. Immerhin haben sie eine Überlebenschance von über 60 %. Nach Meinung der Wissenschaftler wie auch von den Naturschutzorganisationen ist die Rückwurfpflicht auch für bereits tote Haie notwendig, um jegliche Versuchung auszuschalten, lebende Makos zurückzuhalten und zu töten. Die Fischer lehnen das vehement ab, denn für sie ist jeder Mako am Haken ein willkommener Zusatzverdienst – und die Kontrollmöglichkeiten auf hoher See und in den Häfen sind sehr begrenzt. Von Insidern wissen wir, dass manche Fischer noch lebende Mako-Beifänge töten und das EU-Anlandeverbot vom Dezember 2020 umgehen, indem sie aus der Hochsee gefangene Makos jetzt einfach als „küstennah gefangen“ deklarieren.

Der häufige Fang junger Makohaie zeigt, wie stark der Bestand überfischt ist

Der häufige Fang junger Makohaie zeigt, wie stark der Bestand überfischt ist

Konferenz im Juli entscheidet über die Zukunft des Makohais

Vom 6. bis 8. Juli treffen sich die Mitgliedsländer der Fischereikonvention ICCAT, um über künftige Regelungen zum Mako zu beraten. Pro Wildlife wird erstmals mit am virtuellen Verhandlungstisch sitzen. Wir unterstützen den Antrag von Kanada, Senegal und Großbritannien auf eine Nullquote im Nordatlantik, die EU und USA wollen dagegen die wissenschaftlichen Forderungen übergehen und stattdessen eine Anlandequote von 500 Tonnen Makos erlauben. Die endgültige Entscheidung wird erst auf dem ICCAT-Haupttreffen im November fallen.

Wir fordern neben Maßnahmen zur Verringerung des Beifangs ein sofortiges und lückenloses Anlandeverbot für den Makohai im Nordatlantik! Versehentlich gefangene Makos müssen sofort zurück ins Wasser entlassen werden, um ihre Überlebenschancen zu optimieren! Nur so haben wir eine Chance, dass sich diese faszinierenden Jäger in den nächsten Jahrzehnten zumindest langsam erholen, um auch ihre Rolle im Ökosystem Atlantik wieder aufnehmen zu können.

Schneller Schutz für den schnellsten aller Haie?

Makohaie sind zusammen mit Fuchs-, Seiden- und Weißspitzenhochseehaien die Top-Räuber der Hochsee. Mit über 70 km/h Jagdgeschwindigkeit sind Makos die allerschnellsten und können selbst so flinke Fische wie Marlins oder Thunfische erjagen. Das rasante Verschwinden der großen Haie wird die Artenvielfalt und die gesamte Nahrungskette des Nordatlantiks negativ beeinflussen. Es wird Zeit, dass unsere Regierungen aktiver werden, ihre eigenen Aussagen zum Schutz der Biodiversität endlich ernst nehmen und deutlichere Schritte zum Schutz der Meere unternehmen. Das Anlandeverbot für Makos ist ein solcher Schritt und er ist überfällig. Jetzt!

Autor: Dr. Ralf Sonntag

Update von der ICCAT-Konferenz 6.-8. Juli 2021:

Das dreitägige ICCAT-Meeting (6.-8.7.21) hatte es in sich: Der Makohai war DAS bestimmende Thema des digitalen Treffens, bei dem Pro Wildlife als nur eine von 12 Naturschutzorganisationen teilnahm. Es zeichnete sich schnell ab, dass die EU noch immer nicht willens ist, einem sofortigen Anlandeverbot zuzustimmen, wie von Kanada, Gabun und anderen Ländern vorgeschlagen. Stattdessen spielte der Brüsseler Chefverhandler weiter auf Zeit und schob das Argument vor, man müsse zuerst über Methoden sprechen, den Beifang von Haien zu reduzieren. Ein Kompromissvorschlag wurde vorgelegt, der vorsieht, den Fang im Nordatlantik zwar deutlich zu reduzieren (eine genaue Fangmenge ist noch nicht festgelegt), aber eben nicht zu beenden – wie es Wissenschaft und EU-Artenschutzbehörden verlangen. Die USA schlug sogar vor, nur jüngere Makohaie zurück ins Wasser zu setzen und die großen weiter anzulanden – also ausgerechnet die geschlechtsreifen Tiere, die JETZT für Nachwuchs sorgen könnten und so den Wiederaufbau des überfischten Bestandes ermöglichen würden. Zwei Tage lang wurden verbissen Details und einzelne Kommas verhandelt – statt die wichtigen Entscheidungen zu treffen: Kommt ein Anlandeverbot? Wenn nicht, auf wieviel Tonnen lassen sich die Länder runterverhandeln? Eine Einigung scheiterte – wie auch schon im Vorjahr. Die ICCAT-Hauptverhandlung im November muss es nun richten. Die Mako-Fischerei geht damit noch Monate weiter, aber wir werden die Zeit nutzen, um die Position der Hauptblockierer EU und der USA zu ändern…

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