Australien brennt

8. Januar 2020.

Artensterben in den Flammen.

Es sind Bilder, die um die Welt gehen: Verbrannte Koalas, tote Kängurus, Feuerwehrleute, die um jeden Quadratmeter Land kämpfen. Die Brände in Australien sind für Mensch und Natur verheerend. Für einige Arten können sie sogar die Ausrottung bedeuten. Denn Australien ist ein Kontinent mit ganz besonderen Tieren, die ausschließlich hier vorkommen. Einige dieser endemischen Arten leben nur auf wenigen Quadratkilometern oder kleinen Inseln. Die Brände bedrohen ihr Überleben.

Aktuelle Updates zur Situation in Australien finden Sie hier » Rettungsaktion in Australien
Verheerende Buschbrände in Australien (Symbolbild)

Verheerende Buschbrände in Australien (Symbolbild)

Hitze, Dürre, Feuer

Seit Monaten wüten große Buschbrände in Australien. Besonders betroffen ist der Bundesstaat New South Wales rund um die Stadt Adelaide. Buschbrände sind in Australien keine Seltenheit, und die Natur regeneriert sich durch die recht regelmäßigen Brände eigentlich selbst. Doch 2019 waren sie ähnlich wie in Brasilien und Indonesien viel verheerender als normalerweise. Die Temperaturen in Australien sind enorm hoch, das Wasser extrem knapp. Das hat auch mit dem Klimawandel zu tun, der extreme Wetterphänomene wie Dürren begünstigt.

Auch Kängurus sterben in den Bränden

Auch Kängurus sterben in den Bränden

Gefährdete Arten im Feuer

Die gefährliche Mixtur aus Hitze und Trockenheit ist der beste Nährboden für die enormen Feuer, die sich schnell über große Teile des Landes ausbreiteten. Mehr als eine Milliarde (!) Wildtiere fielen den Flammen bisher zum Opfer, schätzen Wissenschaftler. Diese Zahl wird noch um einiges steigen, da nicht nur die Tiere sterben, sondern auch die Pflanzen und damit die Nahrung und der Lebensraum für die verbliebenen Tiere. Kurz gesagt: Die Koalas finden keinen Eukalyptus mehr.

Zehntausende Koalas starben bereits

Zehntausende Koalas starben bereits

Viele Arten sind solchen Bränden hilflos ausgeliefert. Koalas sind zum Beispiel zu langsam, um den Flammen zu entkommen. Und sie retten sich bei Gefahr auf Bäume. Bei Feuer ist das natürlich eine fatale Strategie. Falls die Bäume nicht bis in die Kronen Feuer fangen, sterben die Koalas an der enormen Hitze, die von unten aufsteigt. Die Beuteltiere haben bereits mit Lebensraumverlust und zahlreichen anderen Gefahren zu kämpfen. Ihre Anzahl ist in den vergangenen Jahren immer weiter geschrumpft, und viele Koalas auf dem Festland sind mit Chlamydien infiziert, die unter anderem ihre Fruchtbarkeit reduzieren. Auf der Känguru-Insel (Kangaroo Island) gab es bisher noch eine gesunde Population, doch nun wird befürchtet, dass die Hälfte der dort lebenden 50.000 Koalas bereits den Feuern zum Opfer fiel.

Die Feuer auf Kangaroo Island © NASA Earth Observing System Data and Information System EOSDIS

Rauch der Feuer auf Kangaroo Island © NASA EOSDIS

Unbekannte Opfer der Flammen

Nicht nur Koalas, Kängurus und Wombats sterben in den Flammen, auch Tiere weniger bekannter Arten können sich vor den Feuern nicht retten. Für einige von ihnen wird es richtig eng. Wissenschaftler gehen davon aus, dass mehrere Dutzend bedrohte oder gefährdete Arten schwer von den Bränden getroffen wurden und dass einige davon durch die Feuer ausgerottet werden.

Kleiner Kurznasenbeutler © Luis Mata

Kleiner Kurznasenbeutler © Luis Mata

Ob zum Beispiel der Kleine Kurznasenbeutler (Isoodon obesulus) die Brände überlebt hat, wird erst die Zukunft zeigen. Auch Kangaroo Island Schmalfuß-Beutelmaus (Sminthopsis aitkeni), Kangaroo Island Braunkopfkakadu (Calyptorhynchus lathami), Ligurische Honigbiene (Apis mellifera ligustica), Südlicher Großflugbeutler (Petauroides volans) und Langfuß-Kaninchenkänguru (Potorous longipes) gehören zu den vielen Arten, die die Feuer vielleicht nicht überlebt haben.

Südlicher Großflugbeutler © David Cook Wildlife

Südlicher Großflugbeutler © David Cook Wildlife

Es wird heißer

Wer in den vergangenen Jahren aufmerksam war, konnte bereits Vorboten für eine Katastrophe erahnen. Das Wasser in Australien wird ein immer knapperes Gut. Trotz des Wassermangels werden auf den Farmen des Landes riesige Schaf- und Rinderherden gehalten. Das Wasser muss zum Teil extra angeliefert werden, weil das Land nicht (mehr) genug Ressourcen für die vielen Tiere bereithält. Anstatt umzudenken und die Zahl der gezüchteten Tiere zu verringern, erschießen Farmer und Jäger Wildtiere wie Kängurus, damit sie den „Nutz“tieren Wasser und Futter nicht streitig machen.

Millionen Kängurus werden jährlich getötet

Mehr als eine Million Kängurus werden jährlich getötet

Bereits 2008 sagte die Garnaut Studie zum Klimawandel die fürchterlichen Brände voraus. Die Erderhitzung wirkt sich immer in den Gegenden besonders aus, die bereits mit extremen Bedingungen zu kämpfen haben. Trockene Gebiete werden noch trockener, heiße Gebiete noch heißer. Die Brände in Australien und das damit einhergehende Artensterben sind ein Vorbote für das, was der Klimawandel für die Erde bedeutet.

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