Inhaltsverzeichnis:
Auf einen Blick
- Feuerwerke belasten Wildtiere das ganze Jahr über – besonders in der sommerlichen Brutzeit.
- Lärm und Lichtblitze lösen Panik aus: Vögel fliehen, verlassen Nester und verunglücken, Jungtiere sterben.
- Kommunen und Veranstaltende können Feuerwerke durch tierfreundliche Drohnen- oder Lasershows ersetzen.
- Ihr Beitrag: Fordern Sie Ihre Stadt- oder Gemeindeverwaltung auf, bei Festen auf Feuerwerk zu verzichten.
Feuerwerke belasten Wildtiere erheblich – und zwar nicht nur an Silvester. Auch bei Feuerwerken auf Stadt- und Sommerfesten sorgen laute Explosionen und grelle Lichtblitze für Panik, Fluchtreaktionen und Todesfälle. Pro Wildlife setzt sich dafür ein, Feuerwerke durch weniger störende Alternativen wie Drohnen- oder Lasershows zu ersetzen. Diese Mitmachaktion richtet den Blick auf Feuerwerke rund ums Jahr – und darauf, was Sie vor Ort dagegen tun können.
Wie schädlich sind Feuerwerke für Tiere?
Der plötzliche Lärm und die Lichtblitze eines Feuerwerks treffen Wildtiere unvorbereitet und lösen massive Stress- und Fluchtreaktionen aus. Eine Studie aus den Niederlanden dokumentierte, wie in der Silvesternacht Zehntausende Vögel schlagartig auffliegen und teils hunderte Kilometer zusätzliche Flugstrecke zurücklegen; hochgerechnet auf das ganze Land gehen die Autor*innen von hunderttausenden betroffenen Vögeln aus.
Diese Panik hat Folgen bis in den Stoffwechsel: In Europa überwinternde Wildgänse nehmen nach Silvester nachweislich mehr Futter auf und bewegen sich weniger – offenbar, um den erhöhten Energiebedarf aus der Feuerwerksnacht auszugleichen. Das trifft die Tiere ausgerechnet in der futterarmen Winterzeit.
Wie tödlich Feuerwerke sein können, zeigen dokumentierte Einzelfälle:
| Ort | Anlass/Zeit | Beobachtung | Quelle |
| Koprivshtitsa (Bulgarien) | Neujahr 2025 | Mehr als 1.000 tote und 31 verletzte Bergfinken gefunden | BNR |
| Rom (Italien) | Neujahr 2021 | Hunderte tote Vögel, darunter viele Stare; vermutlich an Fensterfronten und Stromleitungen verunglückt | Business Insider |
| Feuchtgebiet Oostelijke Vechtplassen (Niederlande) | Neujahr 2021 | Zehntausende Wildvögel aufgeflogen, hunderte km zusätzliche Flugstrecke | Shamoun-Baranes et al. 2021 |
| Wiesbaden (Schiersteiner Hafenfest) | Juli 2024, mitten in der Brutzeit | Wildvögel wie Zwergdommeln und Reiherenten gaben offenbar ihre Brut auf | Weirich et al. 2025 (PDF) |
| Otterfing (Bayern) | jährlich, Anfang Januar | Greifvogelauffangstation muss regelmäßig verletzte Eulen und Greifvögel aufnehmen | Süddeutsche Zeitung |
Umfassende, belastbare Zahlen zu Wildtieropfern durch Feuerwerke gibt es bislang nicht. Zahlreiche Augenzeugenberichte – etwa vom Tiernotruf Bonn (2025) oder von Schwäne Köln (2021) – lassen jedoch erahnen, dass viele Tiere durch Feuerwerke verletzt werden oder gar sterben.

Warum sind Feuerwerke auf Sommerfesten besonders kritisch?
Ob „Rhein in Flammen", „Flammende Sterne" in Stuttgart, das Konstanzer Seenachtfest am Bodensee oder der „Sommernachtstraum" im Münchner Olympiapark: Gerade im Sommer werden viele Outdoor-Veranstaltungen mit einem großen Feuerwerk beendet – oft ausgerechnet in Grünanlagen oder an Fluss- und Seeufern. Genau dort und genau dann ziehen Wildtiere ihren Nachwuchs auf.
Die Folgen sind gravierend: Jungvögel von Störchen oder Reihern fallen aus ihren Nestern, panisch fliehende tagaktive Tiere prallen in der Dunkelheit gegen Bäume oder Gebäude. Beim Feuerwerk zum Schiersteiner Hafenfest in Wiesbaden im Juli 2024 wurde beobachtet, dass brütende Wildvögel ihre Brut aufgaben.
Was Veranstaltende häufig einwenden – und was dagegen spricht
Vielfach wird mit Tradition oder den höheren Kosten für Drohnen- und Lasershows argumentiert – oder behauptet, die Wildvögel hätten sich „längst daran gewöhnt". Dass dem nicht so ist, zeigen die vielfach beobachteten Panikfluchten ab Beginn der Böllerei – und das bis zu 2000 m vom Feuerwerk entfernt.
Pyrotechnik-Fans vergleichen Feuerwerke gerne mit Gewittern, die Wildtiere ja ebenfalls überstünden. Dieser Vergleich greift jedoch nicht: Einem Gewitter gehen Wetterleuchten, fernes Donnergrollen, Windböen und ein Luftdruckabfall voraus, die Tiere wahrnehmen und auf die sie sich einstellen können. Ein Feuerwerk trifft die Tiere dagegen völlig unvorbereitet.
Wie ist die Gesetzeslage für Feuerwerke?
In Deutschland dürfen laut Sprengstoffverordnung Privatpersonen ab 18 Jahren Feuerwerkskörper ohne Genehmigung nur am 31. Dezember und 1. Januar abbrennen. Außerhalb von Silvester ist das nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Ordnungsamtes erlaubt.
Feuerwerke durch professionelle Pyrotechniker*innen – wie sie auf Großveranstaltungen üblich sind – müssen dagegen nur bei der Behörde gemeldet werden. Verbieten lassen sie sich deshalb nicht ohne Weiteres. Genau hier setzt unsere Mitmachaktion an: Kommunen und gewerbliche Veranstaltende haben die Wahl. Statt Pyrotechnik können sie modernen, umwelt- und tierfreundlicheren Techniken den Vorzug geben.
Was können Kommunen und Veranstaltende tun?
Drohnen- und Lasershows erzeugen keine lauten Explosionen, keinen Feinstaub und keinen Müll – und lösen bei Wildtieren nicht die gleiche Panik aus wie klassisches Feuerwerk. Erste Städte gehen diesen Weg: Die Stadt Bonn verzichtete bei „Rhein in Flammen" 2026 erstmals auf das bodennahe Feuerwerk am Rheinauensee, um den Brutraum der Wasservögel zu schonen, und weitete die Drohnenshow deutlich aus. (Quelle: Stadt Bonn)
Gibt es in Ihrer Nähe Stadt- oder Dorffeste, die traditionell mit einem Feuerwerk enden – vielleicht sogar während der Brutzeit, inmitten von Parks, Grünanlagen oder an Fluss- und Seeufern? Dann werden Sie aktiv:
- Prüfen Sie, welche Feste in Ihrer Stadt oder Gemeinde mit Feuerwerk enden – besonders im Frühjahr und Sommer und in der Nähe von Gewässern und Grünflächen.
- Wenden Sie sich an Ihre Bürgermeisterin oder Ihren Bürgermeister und an die zuständige Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
- Fordern Sie eine Umstellung auf Drohnen- oder Lasershows – zum Schutz von Tier, Natur und menschlicher Gesundheit.
Was Sie außerdem tun können: Silvesterfeuerwerk
Auch das private Silvesterfeuerwerk belastet Wildtiere, Haustiere, Menschen und Umwelt enorm. Dagegen setzt sich das Bündnis #BöllerCiao ein – ein Zusammenschluss von über 65 Umwelt-, Tier-, Gesundheits- und Verbraucherschutzorganisationen. Zu den Unterstützern gehören unter anderem die Deutsche Umwelthilfe, Pro Wildlife, sowie viele Tier- und Naturschutzverbände, aber auch die Gewerkschaft der Polizei, die Bundesärztekammer und die Deutsche Atemwegsliga. Das Bündnis fordert ein bundesweites Verbot des Verkaufs privater Böller und Raketen.
Der Petition haben sich bereits mehr als eine Million Menschen angeschlossen; laut einer Forsa-Umfrage sprechen sich 59 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen für ein solches Verbot aus. Hier können Sie die Petition unterschreiben.
Häufige Fragen
In Deutschland dürfen Privatpersonen Feuerwerk grundsätzlich nur am 31. Dezember und 1. Januar ohne Genehmigung zünden. Außerhalb dieser Tage ist dafür eine Ausnahmegenehmigung des Ordnungsamtes nötig. Professionelle Feuerwerke auf Großveranstaltungen sind lediglich meldepflichtig – Kommunen und Veranstaltende können aber freiwillig auf tierfreundliche Alternativen umsteigen.
Drohnen- und Lasershows erzeugen keine lauten Explosionen, keinen Feinstaub und keinen Müll. Die plötzlichen Knallgeräusche und Lichtblitze, die bei Tieren Panik auslösen, entfallen weitgehend. Damit sind sie für Wildtiere deutlich weniger belastend als klassische Feuerwerke.
Im Sommer ziehen viele Wildtiere ihren Nachwuchs auf. Feuerwerke auf Stadt- und Sommerfesten fallen oft mitten in die Brutzeit und finden häufig in Grünanlagen oder an Gewässern statt. Aufgeschreckte Vögel verlassen ihre Nester, Jungtiere fallen heraus oder verunglücken.
Prüfen Sie, ob in Ihrer Nähe Stadt- oder Dorffeste mit Feuerwerk enden – besonders während der Brutzeit oder in der Nähe von Parks und Gewässern. Wenden Sie sich an Ihre Stadt- oder Gemeindeverwaltung und bitten Sie um eine Umstellung auf Drohnen- oder Lasershows. Zusätzlich können Sie die Petition des Bündnisses BöllerCiao gegen privates Silvesterfeuerwerk unterschreiben.



