Schimpansen-Rettung, Kongo

Affenwaisenhaus J.A.C.K.

In der Demokratischen Republik Kongo, einem der gefährlichsten und ärmsten Länder der Welt, kämpft das Team von J.A.C.K. (die französische Abkürzung für „Jungtiere, die in Katagna beschlagnahmt wurden“) um das Überleben der Schimpansen. Die Station nimmt Schimpansen auf, die an Ketten, in Verschlägen oder in winzigen Käfigen als „Haustiere“ gehalten wurden. Seit 2021 versorgt die Station auch kleinere Affenarten – u.a. dank der Spenden von Pro Wildlife.
Schimpanse J.A.C.K. © Ainare Basaras

Schimpanse J.A.C.K. © Ainare Basaras

2006 gründeten Franck & Roxane Chantereau das Affenwaisenhaus J.A.C.K. Das französische Ehepaar kämpft um das Überleben von Schimpansen, die von Behörden aufgegriffen werden. Obwohl die vom Aussterben bedrohten Menschenaffen streng geschützt sind, werden sie als Haustiere illegal gehandelt.

Schimpansen gehören zu den stark gefährdeten Arten und sind mit einer weltweiten Population von maximal 300.000 Tieren vom Aussterben bedroht (1960: 1 Mio.). In der Demokratischen Republik Kongo (DRC) werden die Primaten gewildert und gegessen oder eingefangen und als Haustiere gehandelt. Dank der Initiative von J.A.C.K. und den Gründern der Auffangstation, greifen in der Provinzhauptstadt Lubumbashi die Behörden nun stärker durch und verfolgen Wilderer und Händler. Sie beschlagnahmen regelmäßig illegal gehandelte Schimpansen, die sie dann in das Affenwaisenhaus bringen. Dort werden sie medizinisch versorgt, aufgepäppelt, untergebracht und liebevoll gepflegt. Derzeit leben 35 Schimpansen in der Station. Die Aussicht auf Auswilderung ist gering, aber nicht ausgeschlossen. Dennoch bleiben die Affen jahrelang, der Großteil sogar lebenslang im Waisenhaus. Sie leben artgerecht in Gruppen auf einem großen Freigelände.

Ende 2020, nach einer Rekordbeschlagnahme von Meerkatzen und Mangaben, hat die Station zudem neue Gehege errichtet und nimmt seit 2021 auch solch kleinere Affenarten auf. Denn die Not von Primaten in der DRC ist noch immer riesig.

Zwei der Schützlinge stellen wir Ihnen hier vor:

JACK sanctuary_Doguy sick eye

Doguy © J.A.C.K.

Doguy
Einer der Schützlinge von Roxane und Franck ist Doguy. Er wurde als Baby aus schlechter Haltung befreit – angebunden mit einem kurzen Ledergurt, der sich tief in seinen Bauch eingeschnitten hatte. Wegen einer schweren Augenerkrankung musste der Schimpanse bereits mehrfach operiert werden.
Schützling LYNN Schimpansen-Rettung im Kongo © J.A.C.K.

Lynn © J.A.C.K.

Lynn
Lynn wurde im Alter von etwa einem Jahr in einem Lager von Minenarbeitern entdeckt – ihre Mutter war vermutlich als Fleischquelle gewildert worden. Das Affenmädchen war so quirlig und wild, dass sie ihren Besitzern längst lästig war und schon bald wäre auch sie im Kochtopf geendet. Das J.A.C.K. Team konnte sie quasi in letzter Minute davor bewahren.

Eine neue Tierklinik

2017 fiel der lang ersehnte Startschuss: Der Grundstein für die dringend notwendige Tierklinik im Affenwaisenhaus J.A.C.K. wurde gelegt. Seit der Gründung der Station 2006 – also ganze elf Jahre lang – mussten kranke Schimpansen auf Tischen im Freien behandelt und sogar operiert werden. Die Station hatte kein Geld, um eine Klinik zu bauen. Aus hygienischen und medizinischen Gründen ein unhaltbarer Zustand!

Operation eines Schimpansen, J.A.C.K. Sanctuary © Ainare Basaras

Doguys Operation © Ainare Basaras

Dank der Unterstützung von Spendern konnte 2018 das Gebäude der Tierklinik sowie die Grundausstattung im Innenbereich fertiggestellt werden. Dazu gehören ein Operationsraum, ein Labor und eine Apotheke. Mit Hilfe von Pro Wildlife wurden in 2019 auch größere Mengen an Medikamenten und sonstiger medizinischer Ausstattung angeschafft. Doch die Station ist weiterhin auf Spenden angewiesen, um die Schimpansen gut zu versorgen. In einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo keine leichte Aufgabe…
Das tut Pro Wildlife
Pro Wildlife finanzierte im September 2017 den Besuch und die Arbeit der Tierärztin Dr. Basaras, die bereits im Affenwaisenhaus in Limbe jahrelange Erfahrung sammeln konnte. Ainare führte verschiedene veterinärmedizinische Untersuchungen, Behandlungen und Operationen durch (» Ausführlicher Bericht über den Einsatz von Dr. Basaras). In 2018 konnte durch verschiedene Spendenaktionen die Ausstattung der neuen Tierklinik unterstützt werden. Als eines der Projekte im sogenannten 24-gute-Taten Adventskalender gingen in 2019 knapp 11.000 Euro an das Waisenhaus, um Medikamente & Equipment für kranke Schimpansen zu finanzieren.

2021: J.A.C.K. nimmt auch kleinere Affen auf

Die Goldbauchmangaben genießen ihr Freigehege

Im Herbst 2020 wurden in Simbabwe 25 Meerkatzen und Mangaben beschlagnahmt, die aus dem Kongo stammten. Fünf der Primaten überlebten die Strapazen des Schmuggels nicht. J.A.C.K. überlegte nicht lange, fragte um Geld und baute u.a. dank der Unterstützung von Pro Wildlife neue Gehege-Anlagen, damit die überlebenden 20 Tiere aus dem Provisorium befreit und zurück in den Kongo gebracht werden konnten. Im Februar 2021 kamen die 20 Tiere in der Station an, wo sie nun rehabilitiert werden. Geplant ist die Wiederauswilderung, sobald die Jungtiere alt und fit genug sind.

Mit dieser Rettung öffnete J.A.C.K. ein neues Kapitel seiner Geschichte: War die Station bisher nur für Schimpansen ausgestattet, ist sie nun plötzlich auch zur Rettungsinsel für kleinere Affen geworden, die im Kongo zuhauf unter meist katastrophalen Bedingungen gehalten werden. Und tatsächlich kamen kurz danach zwei weitere Meerkatzen als Notfall dazu: Gerettet aus einem winzigen Vogelkäfig und beschlagnahmt in einem Casino in der nahe gelegenen Stadt Lubumbashi.

Weitere Informationen:

Gerettete Vollbartmeerkatze © J.A.C.K

Gerettete Vollbartmeerkatze © J.A.C.K

Was für eine Odyssee haben diese 20 Affen hinter sich: Ein Zufallsfund an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe! Nun sind sie in Sicherheit und haben die Chance auf ein baldiges Leben in Freiheit.

» Happy-End für 20 beschlagnahmte Affen

Gorilla © Pixabay

Gorilla © Pixabay

Pro Wildlife setzt sich seit der Gründung für den Affenschutz ein. Wir helfen dabei, illegal gehaltene Affen zu befreien. Wir kämpfen gegen den Verlust ihres Lebensraums und kümmern uns um verwaiste Primaten

» Pro Wildlife Affenschutzprogramm

Affenpatenschaft

Dr. Basaras im Einsatz

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» Pro Wildlife Affenpatenschaft

Schimpansen

Affenjagd

Die Affenjagd für den Kochtopf bedroht Affen in Afrika und Südamerika

» Hintergründe zur Affenjagd

Auswilderung © LWC

Bobga © LWC

Wie geht es zurück in die Freiheit?

» Auswilderung: Chancen und Grenzen

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Chinoise & Billy © LWC

Der Schimpanse ist mit einer genetischen Übereinstimmung von 98 Prozent unser nächster Verwandter, die einzelnen Clans bilden sogar Kulturen aus.

» Schimpanse

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