Elefantenschutzprojekt, Tansania

Koexistenz von Mensch und Tier in Ostafrika.

Elefanten haben keine Angst vor Mäusen, sie haben Angst vor Bienen. Das nutzt das von Pro Wildlife unterstützte Southern Tanzania Elephant Program (STEP), um den Konflikt zwischen Bauern und Elefanten zu lösen, indem es Bienenstöcke zur Verfügung stellt.
Elefantenherde

Elefantenherde

Schutz von Menschen und Elefanten gleichermaßen

Elefanten sind sehr intelligente und soziale Tiere. Auf der Suche nach Futter und Wasser legen sie riesige Strecken zurück und die Matriarchin, die die Herde anführt, gibt die Routen an die Jüngeren in der Herde weiter. Doch viele Wege sind inzwischen von Dörfern versperrt, Wasserlöcher durch Zäune blockiert, Lebensraum verschwunden. Elefanten sind nicht zimperlich, wenn es um das Überleben der Herde geht, und so brechen sie in Dörfer ein, fressen Felder leer und zerstören Hütten. Für die Menschen, die mit diesen riesigen Tieren leben, ist das eine alltägliche Bedrohung. Häufig eskalieren diese Konflikte und Mensch und Tier kommen zu Schaden. Dabei kann eine sehr einfache Maßnahme helfen: das Aufstellen von Bienenstöcken.

Elefantenfamilie © Sandra Henoch

Elefantenfamilie in Tansania © Sandra Henoch

Elefanten sind nicht nur sehr groß, sie sind auch sehr sensibel und haben panische Angst vor Bienen. Denn so dick ist die Haut der sogenannten Dickhäuter gar nicht. Hinter den Ohren, an den Augen, am Bauch, an der Brust und den Achseln ist sie papierdünn. Afrikanische Honigbienen stechen bevorzugt an den Augen, was extrem schmerzhaft ist; und das wissen die schlauen Rüsseltiere auch, weshalb sie den Insekten aus dem Weg gehen. Alleine das Summen und der Geruch von Honigbienen, kann die Rüsseltiere in Angst versetzen – sie warnen sich sogar gegenseitig mit einem speziellen Alarmruf vor Bienen.

Unser Partnerprojekt STEP nutzt das aus, um Menschen und Elefanten im Südwesten von Tansania zu helfen, wo etwa die Hälfte der Elefanten Ostafrikas leben: Es stellt Bauern, die in einem wichtigen Verbindungsstück zwischen Schutzgebieten im Süden Tansanias leben, Bienenstöcke zur Verfügung. Diese bilden, an einem Drahtzaun befestigt, einen „Bienenzaun“ rund um die Felder. Berührt ein Elefant den Zaun, schwärmen die Bienen aus.

Mehr als 130 Farmer in sechs Gemeinden im Kilombero Tal, die ihre Felder am Rand des Selous Game Reserve, des Udzungwa Mountains National Park und des Rungwa Game Reserve haben, profitieren bereits von dem Programm, vier weitere sollen jetzt hinzu kommen. Das Projekt setzt auf mehreren Ebenen an: Zum einen halten die Bienen die Elefanten von den Feldern der Bauern fern. Zum anderen können die Menschen den Honig nutzen und verkaufen. Und es etabliert sich eine kleine Industrie um die Bienenstöcke, denn die Imker benötigen Ausrüstung, die Menschen in den Dörfern herstellen. Außerdem haben die Bienen eine wichtige Funktion für die Landwirtschaft und natürliche Ökosysteme: Sie bestäuben die Pflanzen auf den Feldern und darüber hinaus. Nicht zuletzt waren die Elefanten im Südwesten Tansanias in der Vergangenheit massiv von der Jagd für den Elfenbeinhandel betroffen – durch die Schaffung alternativer Einkommensquellen soll die Wilderei weiter reduziert werden.

Das Projekt ist Teil einer Serie von Maßnahmen, um das friedliche Zusammenleben zwischen Mensch und Tier zu fördern. Dazu gehören auch systematische Datenerhebung über Konflikte mit Elefanten, Aufklärungsprogramme an Schulen, Mikrokredite an Farmer, Hilfe bei der Vermarktung des Honigs. In einem separaten Projekt werden zudem Dorfbewohner als „Village Game Scouts“ beschäftig, um Schutzgebiete zu sichern.

Imker in Tansania © STEP

Imker in Tansania © STEP

Für ein gutes Verhältnis zwischen Bauern und Elefanten

Die Menschen im Osten Afrikas leben schon immer mit Wildtieren wie Elefanten zusammen. Doch der Platz wird immer weniger, die Menschen sind zum großen Teil arm und Wildtiere wie Elefanten können sehr gefährlich sein. STEP hilft dabei, das eigentlich gute Verhältnis von Mensch und Tier wieder herzustellen und gewinnt so mit den Bauern auch Botschafter für die Koexistenz von Mensch und Tier.

Imker in Tansania © STEP

Imker in Tansania © STEP

Mit den Bienenstöcken werden Zäune überflüssig. Nicht nur, dass diese Zäune die traditionellen Migrationsrouten der Elefanten zerstören, häufig halten sie auch dem Ansturm einer Elefantenherde nicht stand. Und dann steht die Herde plötzlich auf der anderen Seite des Zauns mitten in einem Dorf oder auf einem Feld. Die Bienenstöcke hingegen schneiden keine Wege ab, sie halten die Tiere ganz gezielt von bestimmten Bereichen fern. So können die Elefanten weiterhin zwischen den sicheren Parks migrieren, ohne Schaden anzurichten.

Elefant wird von einem Zaun blockiert © Yathin Krishnappa

Elefant vor einem Zaun © Yathin Krishnappa

Elefanten und Bienen
Forscher sind zufällig auf die Idee mit den Bienen gestoßen. Anwohner in Ostafrika berichteten ihnen, dass Elefanten Bäume meiden, in denen afrikanische Bienen ihre Stöcke haben. Die Forscher machten sich an die Arbeit und spielten wilden Elefanten das Geräusch von Bienen vor. Die Tiere rannten weg und wirbelten Staub auf, mit dem sie ihre Körper wie zum Schutz vor den Bienen bedeckten. So entstand die Idee, Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu den Elefanten lebten, als Imker auszubilden.

Weitere Informationen:

Elfenbeinhandel

Elfenbeinhandel

Mehr als 20.000 Elefanten werden in Afrika jedes Jahr für den Elfenbeinhandel gewildert. Grund ist die Gier nach Elfenbein. Die Wilderei hat den Bestand der Savannenelefanten in nur 7 Jahren um ein Drittel dezimiert.

» Elfenbeinhandel

Elefantenwaisenhaus Sambia ©Andrew White

Elefantenwaisenhaus Sambia © Andrew White

Die Wilderei von Elefanten in Afrika hat dramatische Ausmaße: Tausende Dickhäuter werden jedes Jahr wegen ihres Elfenbeins getötet. Zurück bleiben hilflose Elefantenbabys. Jungtiere, die das Glück haben rechtzeitig entdeckt zu werden, werden von unseren Projektpartnern Game Rangers International in Sambia gerettet.

» Elefantenwaisenhaus Sambia

Raum für Wildtiere

Raum für Wildtiere

7 Millionen Hektar Wald werden jährlich gerodet, die Hälfte aller Tropenwälder ist bereits verschwunden. Der Lebensraum für Wildtiere wird immer kleiner.

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Artenschutz mit der lokalen Bevölkerung

Artenschutz mit der lokalen Bevölkerung

Ein ideales Beispiel, wie der Artenschutz gemeinsam mit der Bevölkerung vor Ort funktionieren kann, ist das „grüne Projekt“ des von uns unterstützten Affenwaisenhauses in Kamerun.

» Artenschutz mit der lokalen Bevölkerung

 

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