Pelz wächst nicht auf Bäumen

Eine antiquierte Mode ist zurück

Lange war das Tragen von Pelz ein absolutes „No-Go“, kaum jemand mehr zeigte sich fellbekleidet in der Öffentlichkeit. Dennoch sind die Innenstädte ab Herbst wieder voll von ihnen: Fellbesetzte Kapuzen, Krägen, Westen und Mützen-Bommel. Auch wenn wahrscheinlich vielen der Träger bewusst ist, dass es sich um echten Pelz handelt, kennen nur wenige die ganze Geschichte hinter dem Kleidungsstück.

Der Pelz, der im Winter viele Mäntel und Accessoires ziert, kommt von Tieren, die entweder gejagt oder aber in sogenannten „Pelzfarmen“ gezüchtet wurden. An Kapuzen und Bommeln werden besonders häufig Felle von Marderhund, Fuchs und Kojote verarbeitet. Den Marderhund erkennt man an seinem eher struppigen Fell mit den typischen längeren Strähnen. Der Fuchspelz hingegen ist meist besonders dicht und üppig. Das Fell der Kojoten ist etwas struppiger und rötlich-gelblich-grau, wobei die Haarspitzen eher ins Schwarze gehen. Letztere sind vor allem an Kapuzen (u.a. von Canada Goose oder Woolrich) zu finden.

Pelzproduktion im Akkord: Das Grauen auf den Pelzfarmen

Pelz, Nerz, Pelzfarm (c) Christine Hafner

Nerze in einer Pelzfarm © Christine Hafner

Die absolute Mehrzahl der Felle, die im Handel zu finden ist, stammt von Tieren aus Pelzfarmen, wobei Dänemark, Polen und China die größten Produzenten sind. Monatelang vegetieren Nerze, Marderhunde, Waschbären, Kaninchen oder Füchse in winzigen, verdreckten Drahtkäfigen vor sich hin. Sie haben ihr Leben lang nur Drahtgitter unter den Pfoten und keinerlei Möglichkeit, ihren natürlichen sozialen Verhaltungsweisen nachzugehen. Nerze beispielsweise, die von Natur aus liebend gerne schwimmen, werden niemals das Wasser sehen. Füchse, die in der Natur ein Revier von 10 km² durchstreifen, vegetieren in Pelzfarmen auf 0,8 m². Das Leid der Tiere ist so groß, dass sie sich häufig selbst verstümmeln und Bisswunden an Haut, Schwänzen und Füßen zufügen.

Wenn die Tiere am Ende ihres kurzen Lebens „weiterverarbeitet“ werden, steht die Qualität des Pelzes im Vordergrund. Daher setzt die Industrie auf Tötungsmethoden, die das Fell möglichst unversehrt lassen. Nerze werden beispielsweise in mobilen Tötungsmaschinen vergast, das sind Kisten, die mit den Abgasen des Benzinmotors gefüllt sind. Nach ca. zwei Minuten sind die meisten Tiere erstickt. Weil Auspuffgase jedoch recht unzuverlässig töten, kommen immer wieder Tiere zu Bewusstsein, während sie gehäutet werden.

Den Füchsen hingegen stecken die Pelzfarmer Elektroden in Maul und After und töten sie dann mit einem Stromschlag. Die Marderhunde in China werden mit rund fünf Monaten „geerntet“: Hilfsarbeiter zertrümmern ihnen mit Eisenstangen den Schädel. Die Männer bekommen pro Tier umgerechnet gerade einmal 70 Cent. Da die Arbeit daher sehr schnell gehen muss, kommt es häufig kommt vor, dass die Hunde noch atmen, obwohl ihnen schon das Fell abzogen wurde.

Fallenjagd – alles andere als „human“

Kojote in Kanada

Kojote in der Wildnis

Rund 15 Prozent aller Pelze im Handel stammen aus der Wildnis. Allein in Kanada sind 50.000 kommerzielle Fallensteller (Trapper) aktiv, vor allem in den Provinzen Quebec, Ontario und Alberta. Die Hauptfangsaison ist der Winter, wenn das Fell der Tiere besonders dick und üppig ist. Seit 2007 sind alle Trapper verpflichtet, nur noch als „human“ lizenzierte Fallen zu verwenden, doch Schlagfallen, Nackenschlingen und Beinhaltefallen töten meist langsam und qualvoll.

Eigentlich sollen Fallengröße und -position eingrenzen, welches Tier gefangen wird. Bis zu 75% der in Fallen gefangenen Tiere sind jedoch sogenannte „Fehlfänge“ – vom Adler über Rinder bis hin zu Hauskatzen. Tellereisen und Schlingen, mit denen beispielsweise die Kojoten in Kanada gefangen werden,  sind in Europa verboten. Denn die Tiere kämpfen stunden-, manchmal tagelang, um ihr Leben. Um sich zu befreien, versuchen sie sogar, sich Gliedmaßen abzubeißen, bevor sie an Erschöpfung oder an ihren Verletzungen sterben.

>> Mehr zum Thema Fallenjagd in unserem Blogbeitrag.

Die Pelzbranche gibt nicht klein bei

Marderhund in der Wildnis / Pelzfarmen

Junger Marderhund

Die jahrelange Kritik am grausamen Pelzgeschäft zeigt Früchte: Zahlreiche Modelabels und auch immer mehr Städte wie z.B. San Francisco,  Los Angeles und Sao Paulo haben sich inzwischen zu pelzfreien Zonen erklärt. Länder wie Großbritannien, Deutschland oder Österreich haben Pelzfarmen verboten – oder zumindest strenge Gesetze erlassen, die die Zucht von Pelztieren unrentabel machen. Zuletzt hatte auch die Ausbreitung des Coronavirus auf Nerzfarmen dazu geführt, dass Millionen von Tieren getötet wurden und zahlreiche Betriebe geschlossen werden mussten. Der Branche geht es dennoch nicht schlecht – denn das Geschäft in anderen Ländern ist bisher kaum eingebrochen.

Das zeigt sich am Beispiel Kanada: Eine Milliarde kanadische Dollar Umsatz (660 Mio. Euro) wird dort jährlich mit Pelzen erwirtschaftet, das meiste davon über die ca. 259 Pelzfarmen. Aber auch die Fallenjagd boomt: 750.000 Felle werden jährlich aus kanadischen Fallen „geerntet“, mit einem Marktwert von 15 Mio. Dollar. Die wichtigsten Absatzmärkte liegen in den USA, China, Hongkong und der Europäischen Union (Stand 2018).

>> Mehr zu den Importzahlen in die EU in unserem Blogbeitrag.

Pelz geht uns alle an! Was wir tun können

Geschickt versucht die Modeindustrie dem Konsumenten den Pelz immer wieder schmackhaft zu machen. Ein neuer Versuch: Die grausam hergestellten Pelze als besonders „nachhaltig“ zu verkaufen. Die Argumente: relative Langlebigkeit, ein geringerer CO₂-Fußabdruck und hochwertiges Handwerk. Doch all das bietet auch jede andere qualitativ hochwertige Kleidung. Dieses Beispiel macht deutlich: Solange keine flächendeckenden Verbote oder Boykotte ausgesprochen werden, wird die Pelzindustrie immer wieder Wege finden, ihre Produkte zu vermarkten.

Verbraucher wissen meist über das Tierleid nicht Bescheid. Auch Nachfragen beim Verkäufer zu Art oder Herkunft des Fells können meist nicht beantwortet werden. Das zeigt: So genau will es eigentlich niemand wissen. Aber auch wenn es sich augenscheinlich um Kunstpelz handelt – die Kennzeichnungspflicht in Deutschland ist lückenhaft, ein Schild mit der Aufschrift “Enthält nichttextile Anteile tierischen Ursprungs“ ist ein Hinweis – jedoch bei weitem nicht an allen Pelzartikeln zu finden.

Vier Tipps, wie man echten Pelz erkennen kann

  • Pusten: Echter Pelz bewegt sich oft schon bei einem leichten Lufthauch. Kunstpelz bewegt sich schwerfälliger
  • Fühlen: Echter Pelz ist weicher, „fluffiger“ und gleitet durch die Finger.
  • Anschauen: Bei Echtpelz enden die Haare in einer Lederhaut, bei Kunstpelz sind sie in Stoff eingewebt.
  • Riechen: Verbrannte Tierhaare riechen ähnlich wie verbrannte Menschenhaare.
Weil sich Kunst- und Echtpelz dennoch nur schwer unterscheiden lassen, raten wir auch vom Kauf von Kunstpelz ab. Hinzu kommt, dass mit jeder Art von Pelz für eine Mode geworben wird, die auf Kosten der Tiere geht. Außerdem: Auch in vermeintlichem Webpelz sind oftmals Echtfellanteile verarbeitet.

Mehr Informationen:

Pelz

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Blog: „Ich setze einen Schritt vor die Tür und da sind sie: Massenhaft Felle, jedes von ihnen bedeutet den sinnlosen und grauenvollen Tod eines Tieres…“ » Blutiges Milliardengeschäft – Pelz in Häppchen
Polarfuchs

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Falls Sie Pelzträger ansprechen wollen: Infokärtchen zum Ausdrucken und Überreichen » Infokärtchen
Fallenjagd

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15 Prozent des Pelzes stammt aus der Wildnis. Fallenjagd ist extrem grausam » Pelz: Fallenjagd auf Kojote, Luchs, Waschbär & Co.
Fur Free Retailer

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Viele Modedesigner, Hersteller und Händler haben sich mittlerweile der sogenannten Fur Free Alliance angeschlossen und verkaufen keinen Echtpelz mehr: » Fur Free Retailer
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