Walfangtagung 2016: Erfolge und Resolutionen

IWC: Wale als Verhandlungsmasse.

Vom 24. bis 28. Oktober fand in Portoroz (Slowenien) die 66. Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) statt. Zuvor, ab 20. Oktober, begannen die Vorverhandlungen u.a. zum Ureinwohnerwalfang und zu Tötungsmethoden. Wale-Expertin Sandra Altherr nahm für Pro Wildlife an der IWC teil und berichtete ab dem 20.10.16 in ihrem Blog:

» Hier geht’s zum IWC-Blog

2016 ist ein besonderes Jahr: Vor 70 Jahren wurde die IWC ins Leben gerufen, um den Niedergang der Meeresriesen zu stoppen; vor 30 Jahren trat das kommerzielle Walfangmoratorium in Kraft, da alle vorherigen Regelungsversuche gescheitert waren. Das Moratorium hat seither hunderttausenden Walen das Leben gerettet – doch noch immer halten sich Norwegen, Island und auch Japan nicht daran.

Auf der Agenda der Walfangtagung finden sich Anträge, die darauf abzielen, das geltende Walfangverbot weiter auszuhöhlen und den kommerziellen Walfang durch die Hintertür wieder einzuführen. Resolutionen, die diese Aufweichung anprangern, fehlen ganz. Unser Ziel ist es, dass solche Hintertüren geschlossen oder gar nicht erst geöffnet werden. 

Walfluke © Michaël Catanzariti

Walfluke © Michaël Catanzariti

Die wichtigsten Themen der IWC 66 waren:

  • Resolution zu „Wissenschaftswalfang“: Der Antrag Australiens und Neuseelands ist der Versuch, an das Urteil des Internationalen Gerichtshofes anzuknüpfen, das 2014 Japans Walfang in der Antarktis aufgrund der fehlenden Wissenschaftlichkeit als illegal befunden hatte. Bereits 2014 hatte die IWC per Resolution eingefordert, dass nur sie allein Forschungsprogramme freigeben darf. Die neue Resolution zielt auf eine wirklich unabhängige Prüfung von „Wissenschaftsprogrammen“ ab – bisher genehmigt sich Japan seine Programme jeweils selbst – bleibt jedoch in Vielem vage.
    Pro Wildlife empfahl die Unterstützung einer nachgebesserten Resolution. Die Resolution wurde angenommen.
  • Resolution zur Ernährungssicherheit: Dieser Antrag von Ghana, Elfenbeinküste, Mali, Guinea und Benin soll Walfang als Beitrag gegen die Hungersnot legitimieren. Alle fünf Länder stehen bekanntermaßen unter Japans Einfluss. Das Kleingedruckte der Resolution zeigt denn auch die wahre Intention: Die Grenzen zwischen Ureinwohner-Walfang (den die IWC ja ausdrücklich genehmigt) und Küstenwalfang zur „kulturellen Identität“ (was Japan als Rechtfertigung vorbringt) sollen verwischt werden. Geradezu zynisch: Japans Fischfangflotte trägt sehr aktiv mit dazu bei, die Meere vor Westafrikas Küsten leer zu fischen und den lokalen Fischern die Existenz zu rauben…
    Pro Wildlife empfahl, die Resolution abzulehnen. Die Resolution wurde zurückgezogen.
  • Resolution zur Effektivität der IWC: Dieser Antrag von Australien, Neuseeland und den USA zielt darauf ab, die antiquierte IWC – sie ist mit 70 Jahren eines der ältesten Umweltabkommen der Welt – zu modernisieren.
    Pro Wildlife unterstützte diese Resolution – auch in der Hoffnung, dass für die bislang zahnlose IWC endlich Sanktionsmöglichkeiten empfohlen werden. Die Resolution wurde angenommen.
  • Resolution zur Minamata-Konvention: Die Resolution von Uruguay, Brasilien und Kolumbien wirbt für die Minamata-Konvention von 2013, die Menschen und Umwelt vor den Folgen von Quecksilbervergiftungen schützen will. Die Resolution verweist auch auf den Giftstoffgehalt in Walen und Delfinen – ein Dilemma für Japan: In den 1950er Jahren starben in der japanischen Stadt Minamata ca. 3.000 Menschen aufgrund einer industriellen Quecksilbervergiftung, 17.000 erkrankten schwer. Insofern ist das Land hochsensibel für das Thema. Andererseits versucht Japan, die Gesundheitsrisiken v.a. von belastetem Delfinfleisch zu verharmlosen, um auch weiterhin die Jagd auf bis zu 15.000 Tiere jährlich zu rechtfertigen.
    Pro Wildlife unterstützte diese Resolution – bereits 2010 und 2012 haben Berichte von Pro Wildlife und den Kollegen von OceanCare die Giftstoffbelastung von Walen und Delfinen aufgezeigt. Die Resolution wurde angenommen.
  • Einrichtung eines südatlantischen Walschutzgebietes: Bereits seit 1998 versuchen Länder aus Lateinamerika, ein solches Schutzgebiet durch die IWC einzurichten – sie scheiterten immer an der hierfür erforderlichen Dreiviertelmehrheit.
    Pro Wildlife unterstützte diesen Antrag: Fast die gesamte Südhalbkugel würde damit zum Walschutzgebiet. Auch wenn in besagtem Gebiet keine Jagd auf Großwale stattfindet (im Gegensatz zum Antarktis-Schutzgebiet), würden hiervon auch Kleinwale und Delfine profitieren, wenn Auflagen für die Fischerei verschärft würden. Die Resolution scheiterte auch 2016 an der Dreiviertelmehrheit.
Harpune © Ole Lindquist

Harpune © Ole Lindquist

Die aus unserer Sicht wichtigste Resolution dieser IWC fehlte jedoch auf der offiziellen Agenda: Eine Resolution gegen kommerziellen Walfang, den Norwegen und Island ganz unverblümt weiter betreiben – und das auch 30 Jahre nach Inkrafttreten des Walfang-Moratoriums. Dänemark und die EU-Kommission hatten das Einreichen einer solchen Resolution verhindert – und das, obwohl die EU explizit dem Moratorium verpflichtet ist. Damit hat die IWC seit 15 Jahren weiter zu ihrem ureigensten Thema geschwiegen – allerdings hat die EU ein Ende von Norwegens und Islands Walfang und Walfleischexporten gefordert. Damit haben wir nun einen guten Ausgangspunkt für weitere diplomatische Schritte…

Pro Wildlife bedankt sich bei OceanCare und der Earthlife Foundation für ihre Unterstützung unserer Kampagne.

Das Ziel von Pro Wildlife, dass der kommerzielle Walfang auf der IWC kritisch zur Sprache kommt, konnte also erreicht werden. Insgesamt sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden - mehr ist angesichts der festgefahrenen Stimmungslage hier derzeit nicht möglich gewesen. Das Walfangmoratorium bleibt bestehen.

Weitere Informationen:

» Blog zur IWC 2016

» Japan, Norwegen und Island ignorieren das Walfangverbot

» Hintergrundinformationen zu Japans Walfang (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Islands Walfang (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Norwegens Walfang (pdf)

» Bericht: „Frozen in time – how modern Norway clings to its whaling past“ (pdf)

» Bericht „Toxic Menu“ zu Giftstoffen im Walfleisch“ (pdf)

» Bericht „Breaking Ranks: Denmark goes it alone on whaling policy“ (pdf)

» Jagd auf Delfine & Kleinwale

 

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