SHARK CITY: Haie ins Meer – nicht in Glastanks

Kontroversen um kommerzielles Hai-Aquarium in Pfungstadt.

Baupläne für ein neues Delfinarium in Deutschland? Undenkbar geworden, denn die breite Mehrheit der Bevölkerung hat verstanden, welche Tierquälerei dies für Tümmler, Weißwale oder Orcas bedeutet. Stattdessen setzen manche Investoren auf andere Attraktionen mit großen Wildtieren: In Basel soll ein Ozeanium entstehen, auf Gran Canaria eröffnete im Juni 2017 ein Riesenaquarium – und in der hessischen Kleinstadt Pfungstadt soll nun SHARK CITY gebaut werden, das auf seiner Website mit dem Versprechen lockt „Erlebe Europas größte Haie“.
Shark City in Pfungstadt. Seidenhai © Alex Chernikh

Seidenhai © Alex Chernikh

Widerstand gegen SHARK CITY

Pro Wildlife versucht, den Bau von SHARK CITY zu verhindern – aus guten Gründen:

  • Intransparenz: SHARK CITY möchte laut Medienberichten 120 Haie (wohl inklusive Rochen) von 36 Arten ausstellen. Eine genaue Besatzliste, inklusive der Herkunft der geplanten Tiere, ist bis heute unter Verschluss.
  • Wildfänge: Tatsächlich gibt SHARK CITY inzwischen öffentlich zu, dass 15 Prozent des geplanten Besatzes für das neue Hai-Aquarium eingefangen werden sollen – die restlichen 85 Prozent kämen laut Betreiber aus Nachzuchten oder anderen Einrichtungen. Aber auch unter den anderswo gehaltenen Haien stammen viele noch immer aus der Wildnis, denn nur wenige Hai-Arten züchten überhaupt in Gefangenschaft. Zudem ist zu befürchten, dass aufgrund der kurzen Überlebenszeiten vieler Hai-Arten der Bestand immer wieder aus den Meeren nachbestückt werden müsste.
  • Fragwürdiges Finanzkonzept: Angeblich wolle man keine großen Haie wie Tigerhaie oder Hammerhaie präsentieren, da solche großen Hochseearten nicht artgerecht zu halten sind. Jedoch gibt es bereits dutzende Schau-Aquarien in Deutschland (das nächste nur 70 km von Pfungstadt entfernt) – so dass SHARK CITY schon deutlich spektakulärere Arten bieten müsste, wenn die angestrebten 500.000 Besucher jährlich kommen sollen. Ammen- und Katzenhaie aus Nachzucht reichen da nicht aus.
  • Ablenkmanöver: Die Betreiber – und ein euphorischer Bürgermeister in Pfungstadt – verharmlosen die Wildfangproblematik, indem sie auf die vielen Haie verweisen, die für Haifischflossensuppe verstümmelt oder millionenfach abgefischt werden; die Kritik von Tierschützern sollte sich lieber dagegen richten. Nun, das Eine tun heißt nicht, das Andere zu lassen.
  • Bildungsanspruch: SHARK CITY möchte laut Betreibern die Öffentlichkeit zu Haien und ihrer Gefährdung sensibilisieren. Ein löblicher Anspruch, der jedoch nicht die Präsentation lebender Haie rechtfertigt: Interaktive Wissensspiele, Videos, 3D- und 4D-Animationen können vermutlich mehr Wissen zu Haien vermitteln, als Tiere, die sich unentwegt im Kreis drehen.

Ursprünglich sollte SHAKR CITY in Sinsheim (Baden-Württemberg) gebaut werden, was heftige Proteste auslöste. Schließlich verzögerte sich der Bauantrag solange, bis die Betreiber aufgaben.

Was tut Pro Wildlife gegen SHARK CITY?

Pro Wildlife informiert Lokalpolitik, Presse und Öffentlichkeit über die Probleme und Widersprüchlichkeiten von SHARK CITY. Auch wenn der Bürgermeister schon kundgetan, dass die Entscheidung bereits gefallen sei und Proteste nichts mehr ändern würden – hier ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Unserer Petition gegen SHARK CITY haben sich weit mehr als 10.000 Menschen angeschlossen, die Aktion läuft selbstverständlich weiter. Pro Wildlife koordiniert sich auch eng mit anderen Verbänden, um diese Baupläne zu verhinden.

» Unser Schreiben an den Bürgermeister von Pfungstadt (pdf)

» Antwortschreiben des Bürgermeisters (pdf)

» Petition gegen das Hai-Aquarium in Pfungstadt

» Info-Flyer für die Pfungstädter Bürger (pdf)

» Offener Brief von 20 Verbänden zu den Plänen (pdf)

Wie hilft Pro Wildlife wildlebenden Haien?

Pro Wildlife arbeitet im Rahmen internationaler Arbeitsgruppen zum Schutz von Haien mit, um die verschiedenen Gefährdungsursachen zu bekämpfen. So konnten wir dazu beitragen, dass Weißspitzen-Hochseehaie, Hammer-, Fuchs- und Seidenhaie sowie Manta- und Mobula-Rochen weltweit unter Schutz gestellt wurden.

Pro Wildlife ist Teil einer internationalen Kampagne, die bereits mehr als 40 internationale Fluglinien dazu brachte, den Transport von Haifischflossen nach Asien zu stoppen. In den USA halfen wir, die grausame Wettfischerei auf Kuhnasenrochen zu beenden; in Deutschland informieren wir über hiesigen Haikonsum (z.B. Schillerlocken).

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