Walfang: Wale im Fokus der Harpunen.

Drei Länder ignorieren das Walfangverbot.

Seit 1986 gilt ein weltweites kommerzielles Walfang-Moratorium, beschlossen von der Internationalen Walfangkommission (IWC). Doch drei Länder ignorieren dieses Verbot: Japan, Norwegen und Island. Sie nutzen dreist Schlupflöcher der IWC-Regeln: Japan fängt unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“, für die leider Ausnahmen toleriert werden; Island und Norwegen sind durch einen formellen Einspruch nicht an das Moratorium gebunden. Während Norwegen ausschließlich Zwergwale fängt, sind es in Island zusätzlich Finnwale; Japan macht in der Antarktis Jagd auf Zwergwale, im Nordpazifik zudem auf Seiwale. Jährlich sterben aktuell ca. 450 Wale durch japanische Harpunen, knapp 200 vor Island und 6-700 vor Norwegen. Im November 2016 veröffentlichte Japan Pläne für ein neues „Forschungsprogramm“ im Nordpazifik, mit starken Quotenerhöhungen.
Wal Finnwal Walfang

Finnwal © Cephas

Auch das internationale Handelsverbot des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (englisch CITES) wird von den drei Ländern durch juristische Taschenspielertricks umgangen. Vor allem in den letzten Jahren sind die Exporte von Walfleisch und -Speck aus Island und Norwegen nach Japan regelrecht eskaliert. In den beiden nordeuropäischen Ländern gibt es kaum Nachfrage nach Walfleisch, geschweige denn nach dem tranigen Walspeck (Blubber).

Ein Mann dominiert Islands Walfang

Kristjan Loftsson ist Millionär und ein einflussreicher Vertreter der isländischen Fischindustrie. Und er ist Besitzer der vier Schiffe, die zur Jagd der großen Finnwale (bis zu 25 m) eingesetzt werden.  1990 bis 2003 ruhte Islands Walfang aus Angst vor internationalen Boykotten, Loftssons Walfangschiffe lagen ungenutzt im Hafen und kosteten ihn Geld. Also nutzte er seinen großen politischen Einfluss und war die treibende Kraft hinter Islands Wiedereinstieg in den Walfang. Zwischen 2003 und 2015 starben 715 Finnwale; 2015 sorgte der Export der Rekordmenge von 1.800 Tonnen Walfleisch von Island nach Japan für internationale Empörung. 2016 pausierte er – offenbar wegen Absatzschwierigkeiten in Japan – die große Frage ist nun, ob er 2017 wieder loszieht, um Finnwale zu töten.

Neben der rein auf Export ausgerichteten Finnwaljagd gibt es in kleinerem Umfang auch einen Zwergwalfang in Island, 2016 waren es 46 Tiere. Angesichts der geringen Nachfrage in Island eigentlich ein Auslaufmodell – würde nicht in jüngster Zeit der Tourismus boomen: Denn immer mehr Urlauber probieren auch Walfleisch, das ihnen als „traditionelles Essen“ angepriesen wird. Eigentlich unglaublich, aber viele Urlauber buchen zunächst eine Whalewatching-Tour und essen danach Walfleisch. Das Geschäft mit den Urlaubern läuft so gut, dass die Firma, die die Zwergwale fängt, nun über einen Ausbau der Jagd nachdenkt.

Japans Walfang unter Beschuss

Japans angeblicher Wissenschaftswalfang ausgerechnet im Walschutzgebiet der Antarktis ist seit vielen Jahren in der Kritik – v.a. da die „Forschungsobjekte“ noch an Bord des Fabrikschiffs in Supermarkt-gerechte Portionen verarbeitet und tiefgefroren werden. Eine Klage Australiens und Neuseelands vor dem Internationalen Gerichtshof 2013 war erfolgreich – Den Haag sah das Forschungsprojekt als Verstoß gegen das IWC-Moratorium an. Nach einjähriger Pause begann Japan 2015 erneut die Jagd in der Antarktis – und verweist auf seine nun geringere Fangquote. Die IWC-Tagung im Oktober 2016 muss hierauf in aller Deutlichkeit reagieren.
Walfänger in Japan © Australian Customs and Border Protection Services

Walfänger in Japan © Australian Customs and Border Protection Services

Norwegen: Wikinger in der Zeitschleife?

In Norwegen ist der Walfang keine eigenständige Industrie, sondern ein Zuerwerb für die Fischer, vor allem im wirtschaftsschwachen Norden. Die Fischer berufen sich darauf, dass schon ihre Vorfahren, die Wikinger, als Walfänger aktiv waren. Moderne Explosivharpunen und Hightech-Geräte haben mit dieser Tradition jedoch nichts mehr zu tun. Walfleisch wird in norwegischen Edelrestaurants und Supermärkten verkauft; Touristen wird es als Snack angeboten. Die Nachfrage der eigenen Bevölkerung ist gering – seit 2014 wurden jedoch systematisch die Kühlhäuser geleert und das teils Jahre alte Walfleisch nach Japan verkauft.

Walfänger in Norwegen © Nick Seliger

Walfänger in Norwegen © Nick Seliger

Was tut Pro Wildlife?

Seit 1999 nimmt Pro Wildlife an den IWC-Tagungen (Internationale Walfangkommission) teil und ist hierbei auch beratend für die Bundesregierung und andere IWC-Mitgliedsstaaten tätig. Hinter den Kulissen konnte Pro Wildlife bereits diverse Resolutionen mitgestalten und einen gefährlichen Kompromiss verhindern, der faktisch ein Ende des Moratoriums bedeutet hätte. 2012 verabschiedete auf Initiative von Pro Wildlife die IWC eine Resolution, die vor der Giftstoffbelastung in Walfleisch warnt – unser Beitrag, um die Nachfrage nach Walfleisch zu verringern. Wichtigste Ziele sind der Erhalt des Walfangverbotes, ein Ende der Waljagd in Norwegen, Japan und Island sowie ein besserer Schutzstatus für Kleinwale und Delfine.

 Weitere Informationen:

» Presseinformation: Japan legt neue Walfangpläne vor

» Bericht: Frozen in time – how modern Norway clings to its whaling past (pdf)

» Bericht „Toxic Menu“ zu Giftstoffen im Walfleisch“ (pdf)

» Bericht „Breaking Ranks: Denmark goes it alone on whaling policy“ (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Island (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Norwegen (pdf)

» Hintergrundinformationen zu Japan (pdf)

» Website des IWC

 

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