Die Internationale Walfangkommission (IWC)

Gerangel um das kommerzielle Walfangverbot.

Die massive Bejagung im 19. und 20. Jahrhundert ließ die Bestände vieler Walarten zusammenbrechen – vor allem Blauwale, Buckelwale und Pottwale waren bei den Jägern begehrt, um aus ihnen Lampenöl, Korsagen, Tierfutter und Lebertran zu machen. Seit 1931 versuchte man jedoch, die vollständige Ausrottung der Meeresriesen zu verhindern. Die zahlreichen Absprachen erwiesen sich jedoch in der Praxis als unzureichend: Ob Russland, Japan oder die USA (damals noch aktiv dabei) – Absprachen wurden ignoriert, jeder wollte möglichst viel Beute machen.

Walfänger mit Harpune, Kanada um 1910 © British Columbia Bureau of Provincial Information

Walfänger mit Harpune, Kanada um 1910 © British Columbia Bureau of Provincial Information

Ein Walfängerclub wird zum Walschutzgremium

Im Jahre 1946 wurde endlich die „Konvention zur Regelung des Walfangs“ (ICRW) ins Leben gerufen, die zur Umsetzung ihrer Ziele die Internationale Walfangkommission (IWC) gründete – zunächst ein Club von Walfangländern, denen es vornehmlich darum ging, ihre eigenen Pfründe zu sichern und das Geschäft mit Walprodukten möglichst lange am Leben zu halten. Mit den Walbeständen ging es weiterhin bergab. Erst 1982 erreichte die IWC einen Durchbruch zum Walschutz – ein Moratorium für den kommerziellen Walfang, das 1986 endlich in Kraft trat. Einer der größten Erfolge überhaupt im internationalen Artenschutz.

Finnwale sind die zweitgrößten Tiere der Erde und bis heute Ziel von Walfängern © Aqqa Rosing-Asvid

Finnwale sind die zweitgrößten Tiere der Erde und bis heute Ziel von Walfängern © Aqqa Rosing-Asvid

Die meisten Länder halten sich heute an das Walfangverbot, drei jedoch nicht:

  • Norwegen legte fristgerecht einen Einspruch gegen das Moratorium ein und ist daher rein juristisch nicht daran gebunden. Seither genehmigt das nordische Land eigenmächtig Fangquoten von 800-1.200 Zwergwalen, in der Praxis sterben jährlich „nur“ durchschnittlich 550 Tiere.
  • Japan nutzt ein Schlupfloch der IWC-Regularien und fängt unter dem Deckmantel der „Wissenschaft“. Der Internationale Gerichtshof befand diese „Forschung“ jedoch 2014 als nicht glaubwürdig und als Verstoß gegen die IWC-Regularien. Statt die Jagd einzustellen, reduzierte Japan daraufhin die Jagdquote für die Antarktis von knapp 1.000 Zwergwalen auf 333 Tiere. Im Nordpazifik werden zudem jährlich etwa 100 Seiwale und 110 Zwergwale getötet.
  • Island trat 1989 aus der IWC aus – und wurde nach einem Täuschungsmanöver im Oktober 2002 wieder aufgenommen. Von 2003 bis 2007 tötete auch Island wieder 200 Zwergwale unter dem Deckmantel „wissenschaftlicher Forschung“. Seit 2006 bejagt es sogar unverfroren für kommerzielle Zwecke neben Zwergwalen auch die bedrohten Finnwale – und beruft sich dabei auf seinen formaljuristischen Einspruch. Die Finnwale werden ausschließlich für den Export nach Japan gefangen.
Walfang in Japan, Walfänger © Australian Customs and Border Protection Service

Walfang in Japan, Walfänger © Australian Customs and Border Protection Service

Das Moratorium rettete zigtausende Wale

Doch trotz dieser Lücken und der Eskapaden der drei Länder führte das Moratorium zu einem deutlichen Rückgang der Fangquoten: Starben in den 1980er Jahren noch mehr als 12.000 harpunierte Wale jährlich „aus kommerziellen Gründen“, waren es 1996 weniger als tausend Tiere. Seither steigen die Zahlen zwar wieder, bleiben jedoch trotzdem unter den verheerenden Zahlen der Vergangenheit: Für 2018 haben die drei Länder die Jagd auf über 2.200 Wale genehmigt – auch wenn zu hoffen ist, dass die Zahl der tatsächlich getöteten Tiere auch diesmal wieder weit hinter den Quoten zurückbleibt.

Getötete Finnwale, Island © Dagur Brynjólfsson

Getötete Finnwale, Island © Dagur Brynjólfsson

Das Walfangverbot unter Dauerbeschuss

Um den Streit zwischen Walfängern und Walschützern einzudämmen, arbeitete eine IWC-Arbeitsgruppe seit 2008 hinter verschlossenen Türen an einem „Kompromiss“, der den kommerziellen Fang in Küstengewässern erlaubt hätte, auf der IWC-Tagung im Juni 2010 jedoch abgelehnt wurde. Doch jede IWC-Tagung ist eine neue Herausforderung, den Walschutz zu stärken und die Unterwanderungsversuche der Walfangländer gegen das Moratorium zu stoppen. Und immer wieder müssen wir die Delegierten davon überzeugen, dass Kompromisse mit Walfängern immer zu Lasten des Walschutzes gehen würden…

IWC-Tagung - Konferenzraum

IWC-Tagung – Konferenzraum

Hinter den Kulissen der IWC

Die IWC Vertragsstaaten treffen sich alle zwei Jahre, wobei Walfang- und Walschutz-Interessen in den Verhandlungen aufeinanderprallen. Die IWC kann einerseits Resolutionen verabschieden, andererseits Änderungen ihrer Statuten („Schedule Amendments“, z.B. Fangquoten, Einrichtung neuer Schutzgebiete etc.) beschließen. Resolutionen, für deren Verabschiedung eine einfache Mehrheit ausreicht, haben lediglich Empfehlungscharakter – drücken aber dennoch den Willen der Mehrheit der IWC-Staaten aus. Um die Statuten zu ändern, bedarf es mindestens einer Dreiviertelmehrheit. Beim derzeitigen Patt zwischen Ländern mit Walfang- und Walschutzinteressen ist eine Änderung der Statuten kaum möglich. Abstimmungsberechtigt sind nur Länder, die ihre Mitgliedschaftsbeiträge gezahlt haben und anwesend sind. Lange schon gab es Korruptionsvorwürfe gegen Japan, Stimmen von Karibik- und afrikanischen Staaten zu kaufen; 2010 schließlich kam es zum Eklat, als bekannt wurde, dass über eine japanische Kreditkarte alle Reisekosten des karibischen IWC-Vorsitzenden bezahlt worden waren…

Mehr Informationen:

Walfang © Australian Customs and Border Protection Service

Walfang © Australian Customs and Border Protection Service

Walfang: international verboten, jedoch weiter praktiziert . » Diese Länder betreiben weiterhin Walfang

 

 

 

 

 

Sei_whale_mother_and_calf©Christin_Khan_NOAA_quadratisch

Seiwal-Weibchen mit Kalb, Walfang Japan © Christin Khan NOAA

Japan fängt unter dem Deckmantel der Wissenschaft. » Waljagd in Japan

 

 

 

 

 

 

Zwergwale in Norwegen © HansBernhard

Norwegens Zwergwale © Hans Bernhard

Das Walfangland Nummer 1 beruft sich auf Wikinger-Traditionen. » Waljagd in Norwegen

 

 

 

 

 

 

Island Dagur Brynjólfsson

Island © Dagur Brynjólfsson

Island: Jagd auf bedrohte Finnwale. » Waljagd in Island

 

 

 

 

 

Gewöhnlicher Delphin Jessica Redfern

Gewöhnlicher Delphin © Jessica Redfern

Während für alle Großwale weltweit Jagd- und Handlesverbote gelten, sind Delfine und Kleinwale in vielen Ländern nahezu vogelfrei. » Jagd auf Delfine & Kleinwale

 

 

 

 

 

Frozen in Time

Frozen in Time

Unser Bericht: How modern Norway clings to its whaling past . » Frozen in Time

 

 

 

 

 

Walfleisch EIA

Walfleisch © EIA

Unser Bericht „Toxic Menu“ zu Giftstoffen in Walen und Delfinen. » Toxic Menu – Contamination of Whale Meat and Impact on Consumers’ Health

 

 

 

 

Breaking Ranks

Breaking Ranks

Unser Bericht: Denmark goes it alone on whaling policy. » Breaking Ranks

Diesen Beitrag teilen