Orcas in Gefangenschaft

Eingesperrt fürs Entertainment.

Sie sind die Besucher-Attraktion vieler Vergnügungsparks und füllen die Kassen: Orcas. Zu lauter Musik führen sie Kunststücke vor, spritzen Besucher nass und geben ihren Trainern Küsschen am Beckenrand. Was nach heiler Welt aussieht, ist für Schwertwale schlichtweg eine Tortur: Forscher haben herausgefunden, dass es mindestens zehn verschiedene Orca-Populationen gibt, mit eigenen Sprachen und Kulturen. Statt in ihren Familienverbänden täglich bis zu 100 Kilometer zu schwimmen, leben sie in den Vergnügungsparks in beengten Betonbecken in künstlich zusammengestellten Gruppen.
Orcas © NOAA

Orcas © NOAA

Sea World – Tierquälerei in der Glitzerwelt

Es gibt kein Entrinnen – Monotonie, dauerhafter Lärm und Aggressionen innerhalb der Gruppe sind für in Gefangenschaft lebende Meeressäuger an der Tagesordnung. Sea World ist weltweit die wohl bekannteste Anlaufstelle für Liveshows mit Orcas. Täglich springen die größten Delfine der Welt aus dem Wasser und spritzen die kreischenden Zuschauer nass. Daneben können Kinder Delfine wie Große Tümmler streicheln und Seelöwen oder Haie füttern. Für viele tierfreundliche Kinder und Familien sind sie eine vermeintlich tolle Sache: Endlich einmal Delfinen und Seelöwen so nahe sein, wie man es in der Natur nur selten erlebt. Zwar kooperieren die Tiere oft jahrelang, doch wenn sie – bedingt durch Langeweile und Frustration – aggressiv werden, kann das verheerende Folgen haben.

Immer wieder tauchen Bilder auf, die beweisen: Sea World ist Tierquälerei. Besonders die schlauen und sozialen Orcas leiden unter den Haltungsbedingungen. Bei den Tieren werden oftmals Verletzungen, Narben oder Hautkrankheiten dokumentiert. Während sie sich im weiten Meer ohne Probleme zurückziehen könnten, haben sie diese Möglichkeit in den beengten Betongefängnissen nicht. Aggressionen zwischen den Tiere sind quasi vorprogrammieren. Dass es dabei zu schweren Verletzungen kommen kann, zeigt unter anderem ein Vorfall, der sich im April 2018 in Sea World Orlando ereignete. Der Orca-Dame Katinka wurde ihre Rückenflosse halb abgerissen. Laut Sea World hat sie sich diese Wunde in einer „Interaktion mit einem anderen Orca“ zugezogen. Den genauen Grund für die Verletzung kann Sea World nicht geben – was verwunderlich ist, werden die Tiere doch rund um die Uhr betreut und überwacht.

Killerwale – Gefahr für den Menschen

In den vergangenen Jahren kam es außerdem zu zahlreichen Unfällen und Angriffen auf Trainer, die nicht selten mit schweren Verletzungen endeten; einige davon waren sogar tödlich. Das aggressive Verhalten der Tiere den Artgenossen und den Menschen gegenüber wird von Sea World oft als „natürlich“ abgestempelt. Allerdings gibt es bei in Freiheit lebenden Orcas keinen bekannten Fall, bei dem ein Mensch angegriffen wurde. Schließlich haben die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum auch genügend Ausweichmöglichkeiten, um der Konfrontation mit Menschen aus dem Weg zu gehen. Einige Forscher glauben, dass die Angriffe auf Menschen auch auf den Stress zurückzuführen sind, dem die Tiere täglich ausgesetzt sind. Das macht sie zu einer tickenden Zeitbombe und tödlichen Gefahr für den Menschen.
In der Vergangenheit hat Sea World Unfälle und Vorfälle offenbar systematisch vertuscht und heruntergespielt, um auch weiterhin viele Besucher anzulocken. Die tödliche Attacke eines Schwertwals auf seine Trainerin im Jahre 2010 wurde zunächst als tragischer „Unfall“ dargestellt, um die Besucher nicht zu verschrecken.

Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Blackfish – ein Dokumentarfilm mit Folgen

Wie sehr gefangene Orcas leiden und welche Folgen dies für Mensch und Tier hat, zeigt der Dokumentarfilm „Blackfish“ (2013). Er erzählt die Geschichte des Orca-Bullen Tilikum, der vor 30 Jahren als zweijähriges Jungtier vor Island gefangen wurde. In Gesprächen mit ehemaligen Sea World-Trainern, Walfängern und -Forschern geht er der Frage nach, warum Tilikum zwei Trainer und vermutlich einen Besucher getötet hat. „Blackfish“ zeigt jedoch vor allem auch die tierquälerischen Haltungsbedingungen, denen die Schwertwale ausgesetzt sind. Tilikum selbst starb im Januar 2017 an den Folgen einer schweren Lungeninfektion.

In den USA schlug der Dokumentarfilm ein wie eine Bombe: Die Besucherzahlen gehen seither zurück, der Aktienkurs hat sich seit 2013 halbiert. Immer mehr ehemalige Orca-Trainer packen aus und berichten vom Leiden der Tiere: Zahlreiche Verletzungen durch Aggressionen zwischen Orcas, die sich nicht aus dem Weg gehen können. Im November 2015 kündigte Sea World an, die herkömmlichen Orca-Shows zu beenden und die Tiere ab Ende 2016 in einer „natürlicheren“ Show zeigen zu wollen – was auch immer das heißen soll. Außerdem wirbt Sea World damit, keine Zucht mehr zu betreiben und keine wilden Orcas mehr einzufangen. Die Tiere, die noch in Gefangenschaft gehalten werden, sollen die letzte Generation sein, die in den Themenparks lebt. Doch was haben die Tiere davon, wenn die Bühnen nun für die Menschen ansprechend gestaltet wurden, um damit den natürlichen Lebensraum der Tiere zu imitieren? Sie müssen noch immer für die Besucher posieren und werden zu diesen Zwecken dressiert und trainiert. Sea World betreibt massives „Greenwashing“ und verpackt die Unterhaltung der Besucher nun einfach als „Aufklärungsarbeit und Tierschutz“.

Orcas in einer Show, Sea World © Andreas Ahrens

Orcas in einer Show, Sea World © Andreas Ahrens

Das Leiden der Tiere – kein Ende in Sicht

Auch, wenn Sea World keine wilden Orcas mehr fangen lässt, entpuppt sich vor allem China als neuer Absatzmarkt für das brutale Geschäft mit Wildfängen. Denn die Zucht von Schwertwalen in Gefangenschaft ist nur mäßig erfolgreich – immer wieder sterben sie frühzeitig. Diese Ereignisse verdeutlichen nochmals, dass die Tiere in Delfinarien weltweit leiden. Seelöwen und Delfine werden in kleinen Pools zur Belustigung der Besucher gehalten und sie werden durch Nahrungsentzug dazu gebracht, Kunststücke zu zeigen. Damit muss Schluss sein. Bitte unterstützen Sie diese Einrichtungen nicht, kaufen Sie keine Tickets und klären Sie andere Menschen über das Tierleid in der Glitzershow auf! Nur mit viel Druck können wir gemeinsam ein Umdenken erreichen.

Mehr Informationen:

Orcas in Gefangenschaft © Eddie Maloney

Orcas in Gefangenschaft © Eddie Maloney

Sie sind die Besucher-Attraktion vieler Vergnügungsparks und füllen die Kassen: Orcas. Was nach heiler Welt aussieht, ist für Schwertwale schlichtweg leidvolle Gefangenschaft. » Gefangenschaft: Zahlen, Daten und Vorfälle

 

 

 

 

 

Delfinshow im Loro Parque © Quartl

Delfinshow im Loro Parque © Quartl

Vergnügungsparks in aller Welt halten hunderte aus dem Meer gefangener Kleinwale und Delfine als „schwimmende Clowns“. In kargen Betonbecken und abgeschnitten von ihrem Familienverband verkümmern die sozialen und hochintelligenten Tiere. » Delfinshows – ein glitzernde Illusion

 

 

 

 

SeaWorld © JimmyWeee

SeaWorld © JimmyWeee

Trailer zu dem amerikanischen Dokumentarfilm „Blackfish“. » „Blackfish“ (2013)

 

 

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