Orcas: Vom Schwertwal zum „Killerwal“

Orcas in Gefangenschaft.

Sie sind die Besucher-Attraktion vieler Vergnügungsparks und füllen die Kassen: Orcas. Zu lauter Musik führen sie Kunststücke vor, spritzen Besucher nass und geben ihren Trainern Küsschen am Beckenrand. Was nach heiler Welt aussieht, ist für Schwertwale schlichtweg leidvolle Gefangenschaft: Zum Verhängnis wird den Schwertwalen vor allem ihr soziales Wesen und ihre Intelligenz. Statt in ihrem natürlichen Familienverband zu leben und bis zu 100 km am Tag zu schwimmen, werden sie in engen Becken mit ihnen fremden Tieren zusammengesetzt, denen sie nicht aus dem Weg gehen können.
Orcas © NOAA

Orcas © NOAA

Dabei haben Forscher herausgefunden, dass es  mindestens zehn verschiedene Orca-Populationen gibt, mit eigenen Sprachen und Kulturen. All das wird in Gefangenschaft ignoriert. Gegen Monotonie, Lärm und aggressive Artgenossen gibt es kein Entrinnen. Zwar kooperieren die Tiere oft jahrelang, doch wenn sie – bedingt durch Langeweile und Frustration – aggressiv werden, kann das verheerende Folgen haben.

Blackfish – eine aufrüttelnde Dokumentation über Orcas in Gefangenschaft

Wie sehr gefangene Orcas leiden und welche Folgen dies für Mensch und Tier hat, zeigt der Dokumentarfilm „Blackfish“ (2013). Er erzählt die Geschichte des Orca-Bullen Tilikum, der vor 30 Jahren als zweijähriges Jungtier vor Island gefangen wurde. In Gesprächen mit ehemaligen SeaWorld-Trainern, Walfängern und -Forschern geht er der Frage nach, warum Tilikum zwei Trainer und vermutlich einen Besucher getötet hat. „Blackfish“ zeigt jedoch v.a. auch die tierquälerischen Haltungsbedingungen, denen die Orcas ausgesetzt sind.

Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Orca-Show in Sea World © Curimedia Photography

Ein Film mit Folgen: Sea World in der Krise

Der Film „Blackfish“ schlug v.a. in den USA ein wie eine Bombe: Die Besucherzahlen gehen seither zurück, der Aktienkurs hat sich seit 2013 halbiert. Immer mehr ehemalige Orca-Trainer packen aus und berichten vom Leiden der Tiere: Zahlreiche Verletzungen durch Aggressionen zwischen Orcas, die sich nicht aus dem Weg gehen können. Im November 2015 kündigte SeaWorld an, die herkömmlichen Orca-Shows zu beenden und die Tiere ab Ende 2016 in einer „natürlicheren“ Show zeigen zu wollen – was auch immer das heißen soll. Tilikum selbst starb im Januar 2017 an den Folgen einer schweren Lungeninfektion.

Noch immer Wildentnahmen für Delfinarien

Die Zucht von Orcas in Gefangenschaft ist nur mäßig erfolgreich – immer wieder sterben sie frühzeitig. Allein 2015 sind drei Orcas in Gefangenschaft frühzeitig verstorben. Gerade für asiatische Delfinarien gehen deshalb die Naturentnahmen weiter: Seit 2013 wurden in Russland mindestens 20 wilde Schwertwale für Delfinarien in Asien eingefangen – vor allem China entpuppt sich als neuer Absatzmarkt für dieses brutale Geschäft. Damit leben weltweit derzeit 63 Schwertwale in Marineparks, in kleinen Becken, in künstlich zusammengesetzten Gruppen. Vier Tiere werden sogar einzeln gehalten.

Orcas in einer Show, Sea World © Andreas Ahrens

Orcas in einer Show, Sea World © Andreas Ahrens

Weiterführende Informationen:

» Gefangenschaft: Zahlen, Daten und Vorfälle

» Hintergründe zu Delfinarien 

» Trailer zum Dokumentarfilm „Blackfish“

 

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