Konferenz der bedrohten Tiere

CITES 2016: Feilschen um bedrohte Arten.

Vom 24. September bis 4. Oktober 2016 fand in Johannesburg, Südafrika, die 17. Vertragsstaatenkonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) statt. Bereits viele Monate zuvor arbeitete Pro Wildlife daran, einen besseren Schutz für zahlreiche bedrohte Arten zu erreichen. Mit großem Erfolg: Für Hunderte Arten gelten zukünftig Handelsverbote und , darunter Graupapageien, Schuppentiere, zahlreiche Reptilien, Tropenhölzer. Als Erfolg bewertet Pro Wildlife auch, dass die Staaten dem Elfenbeinhandel eine Absage erteilten. Allerdings scheiterte der Antrag, für Löwen ein absolutes Handelsverbot zu erlassen. Drei Expertinnen von Pro Wildlife waren auf der Weltartenschutzkonferenz vor Ort und berichteten in unserem CITES-Blog live aus dem Konferenzraum.
Afrikanischer Elefant © Pixabay

Afrikanischer Elefant © Pixabay

Unsere Top Ten der Weltartenschutzkonferenz 2016:

  • Afrikanischer Elefant (Loxodonta africana): Die Elfenbeinhandelsanträge von Namibia und Simbabwe sowie ein weiterer Plan zur Freigabe des Elfenbeinhandels der beiden Staaten gemeinsam mit dem Gastgeberland Südafrika wurden abgeschmettert. Zudem wurden nach zähen Verhandlungen alle Länder aufgefordert, nationale Elfenbeinmärkte zu schliessen, die zu Wilderei oder illegalem Handel beitragen. Staaten, die nicht konsequent gegen illegalen Elfenbeinhandel vorgehen, müssen zukünftig Sanktionen befürchten. Ein weiterer wichtiger Erfolg: Der Handel mit Elefanten aus freier Natur soll erstmals unter die Lupe genommen werden. Das Vorhaben, alle Elefantenbestände unter strengsten Schutz zu stellen scheiterte – vor allem am Widerstand der EU. Pro Wildlife fordert mit 50 weiteren Organisationen die EU auf, ihren Elfenbeinhandel endlich zu beenden.
    » Pressemitteilung zu den Ergebnissen für Elefanten
    » mehr zur Elfenbeinkrise
    » Hintergrund: Anträge zum Elfenbeinhandel CITES 2016
    » Verbändebrief an die EU
  • Breitmaulnashorn (Ceratotherium simum): Das kleine Königreich Swasiland scheiterte mit seinem Antrag, den Handel für Nashorn-Horn zu legalisieren. Die große Mehrheit der Staatengemeinschaft stimmte gegen den Plan, der die Wilderei noch weiter befeuert hätte. Unterstütztung erhielt Swasiland allerdings von seinem großen Nachbarn Südafrika, wo private Nashornbesitzer seit langem darauf drängen, den lukrativen Handel zu erlauben.
    » mehr zur Nashornwilderei
    » Antrag zu Breitmaulnashörnern CITES 2016
  • Löwe (Panthera leo): Die Ausfuhr von Löwenknochen für die Traditionelle Medizin sowie Jagdtrophäen ist in den letzten Jahren drastisch angestiegen. Trotzdem ist der Antrag zehn afrikanischer Staaten, Löwen endlich unter strengsten Schutz zu stellen und damit den kommerziellen Handel konsequent zu verbieten, am Widerstand Südafrikas sowie der EU gescheitert. Zwar wurde der Handel mit Skeletteilen von Löwen aus freier Natur verboten. Für Felle sowie Körperteile von Löwen aus Zuchtfarmen bleibt der Handel jedoch erlaubt, was die Kontrolle extrem erschwert. Ein Lichtblick ist, dass zumindest die Ausfuhr von Jagdtrophäen von Löwen und anderen Arten strenger kontrolliert werden soll. Die Umsetzung dieser neuen Regelung gilt es zukünftig zu überwachen.
    » mehr zu Löwen
    » Antrag zum Löwen CITES 2016
  • Berberaffe (Macaca sylvanus): Für die bedrohten nordafrikanischen Affen wurde ein absolutes Handelsverbot (CITES Anhang I) beschlossen. Damit kann der illegaln Handel für den europäischen Heimtiermarkt besser bekämpft werden.
    » mehr zum Berberaffen
  • Schuppentiere (Manis spp.): Die vier asiatischen Pangolin-Arten und zunehmend auch die vier afrikanischen Arten sind bedroht, da ihre Schuppen in der Traditionellen Medizin begehrt sind. Auf der Artenschutzkonferenz wurde einstimmig ein internationales Handelsverbot (CITES Anhang I) beschlossen.
    » mehr zur Traditionellen Medizin
    » Antrag zum Pangolin CITES 2016
  • Graupapagei (Psittacus erithacus): Tausende Graupapageien werden jedes Jahr mit brutalen Methoden für den Heimtierhandel in aller Welt eingefagen. Zwei Drittel der Tiere überleben dies nicht. Die Wildbestände sind vielerorts bereits kollabiert. Diverse afrikanische Staaten, die USA und die EU setzten nun ein internationales Handelsverbot (CITES Anhang I) durch – gegen den Widerstand Südafrikas, der Demokratischen Republik Kongo und Kameruns.
    » mehr zum Graupapagei
    » Anträge zum Graupapagei CITES 2016 (eng)
Rhampholeon moyeri © Martin Nielsen

Rhampholeon moyeri © Martin Nielsen

  • Zwergchamäleons (Rhampholeon spp. & Rieppeleon spp.): Sie waren bisher die einzigen Chamäleons, die noch nicht durch CITES geschützt waren. Da für die größeren Arten bereits weltweite Handelsbeschränkungen bestehen, hat der Heimtiermarkt zunehmend die eher unscheinbaren Zwergchamäleons im Visier. Nun wurden sie in den Anhang II von CITES aufgenommen, der Handel muss zukünftig kontrolliert werden. Insgesamt wurden auf der Konferenz 55 Reptilienarten besser geschützt – viele von ihnen auf Initiative von Pro Wildlife.
    » mehr zum Exotenboom
    » Antrag zu Reptilien CITES 2016
  • Türkisblauer Zwerggecko (Lygodactylus williamsi): Der kleine Gecko wurde in den letzten Jahren für den europäischen Heimtierhandel an den Rand der Ausrottung gebracht. Um ihn zu fangen, werden ganze Bäume gefällt – ein doppeltes ökologisches Desaster. Ein internationales Handelsverbot (CITES Anhang I) soll diesen Raubbau nun stoppen.
    » mehr zum Reptilienschmuggel
    » Antrag zu Reptilien CITES 2016
  • Zwerg- und Seidenhaie (Alopias spp. &  Carcharinus falciformis): Die Bestände dieser Haie sind um 70 Prozent zurückgegangen – sie werden überfischt, da ihre Flossen begehrte Handelsware sind. Nach kontroversen Debatten wurden sie nun in CITES-Anhang-II-aufgenommen – trotz Widerstand aus Japan, China und Island.
    » mehr zu Haien
  • Perlboot (Nautilidae spp.): Die lebenden Fossile, auch Nautilus genannt, werden wegen ihrer schönen Gehäuse gefangen, die zu hunderttausenden in Souvenirshops und Möbelhäusern als Dekoration verkauft werden. Die nun beschlossene CITES-Anhang-II-Listung soll künftig verhindern, dass die Bestände weiter reduziert werden.
    » mehr zu Souvenirs
    » Antrag zum Nautilus CITES 2016

 

Weitere Informationen:

» Pressemitteilung: Erfolgreiche Bilanz der Artenschutzkonferenz

» alle Ergebnisse der Artenschutzkonferenz 2016 (Englisch)

» Übersicht aller Schutzanträge 2016 und Position Pro_Wildlife

» CITES – das wichtigste Artenschutzübereinkommen

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