CITES-Blog 2016: Tagebuch der Verhandlungen

Live aus dem Konferenzraum.

Vom 24. September bis 5. Oktober fand in Johannesburg die 17. Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (engl. CITES) statt. Pro Wildlife war mit drei Expertinnen vor Ort und verhandelte kräftig mit, um einen besseren Schutz für Elefanten, Löwen, Graupapageien, Zwergchamäleons und und und… zu erreichen. Hier ihr Bericht:

5. Oktober 2016

Nachdem die CITES-Konferenz überraschenderweise einen Tag früher zu Ende ist, finden wir Zeit, vor dem Rückflug Resümee zu ziehen – und bemerkenswerte Anekdoten zu berichten. Immer wieder erschreckend ist, wie aggressiv die Händlerseite vorgeht, wenn es darum geht, ihre Gewinne zu sichern.

  • So drohte der Besitzer einer Krokodilfarm und Lobbyist für den Reptillederhandel einem Journalisten Gewalt an, weil dieser über die Grausamkeiten in den Python-Schlachthäusern berichtet hatte – solch unschöne Bilder können natürlich die Kundschaft verschrecken.
  • Ein deutscher Millionär und Besitzer einer Jagdfarm in Simbabwe beschimpfte alle Organisationen, die für ein Ende der Trophäenjagd kämpfen, pauschal als kriminell und als Terroristen.
  • Gleich mehrere Delegierte aus Südamerika berichteten uns, dass sie von Südafrika und arabischen Ländern massiv unter Druck gesetzt wurden, damit sie gegen den Schutz von Graupapageien Wanderfalken stimmen. Viele ließen sich jedoch nicht einschüchtern.

Aber es gab auch wieder berührende Momente, die uns bestätigen und motivieren, weiterzumachen. Zum Beispiel, als die Vertreterin aus Nigeria darum bat, „unterstützen Sie bitte meinen Antrag für die Zwergchamäleons!“ – hier wird das Engagement und Herzblut einzelner Personen deutlich, die den Unterschied machen. Und natürlich die großartige Zusammenarbeit in unserem Netzwerk, wo jeder mit seinen Kontakten hilft – egal ob es um Tropenhölzer, Korallenfische, oder Elefanten geht. Wir haben jetzt schon wieder Ideen, welche Arten wir für die nächste CITES-Konferenz in Stellung bringen. Denn nach der Konferenz ist vor der Konferenz! Morgen geht es dann wieder nach Hause, wo ein überquellender Schreibtisch auf uns wartet…

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4. Oktober 2016

Heute ist Welttierschutztag – und für Wildtiere war es ein sehr guter Tag: Im Plenum der CITES-Konferenz mussten heute nochmal alle Entscheidungen der letzten Tage bestätigt werden. Wir wussten, dass die arabischen Länder nochmal versuchen würden, den höchsten Schutzstatus des Wanderfalken zu kippen – das konnten wir statt guter Kontakte zu vielen CITES-Mitgliedsstaaten verhindern. Ebenso kritisch stand es um den erst letzte Woche errungenen strengen Schutz des Graupapageien: Auch hier konnte ein Wiedereröffnen der Debatte gestoppt werden. Damit bleibt diese CITES-Konferenz die erfolgreichste, die wir bisher erleben durften – obwohl die Löwen ein Bauernopfer und ein Geschenk an den Gastgeber Südafrika waren. Und dennoch: Wir sind stolz auf das Erreichte, aber auch ausgelaugt von über zwei Wochen intensiver Verhandlungen, Arbeitsgruppen frühmorgens und spätabends – zusätzlich zu dem immensen Arbeitsprogramm auf der offiziellen Agenda. Es hat sich gelohnt!

(c) SherryMcKelvie

3. Oktober 2016

Der Morgen begann mit der Elefanten-Debatte: Namibias und Simbabwes Anträge auf Freigabe des Elfenbeinhandels scheiterten in Bausch und Bogen: Namibias Antrag erhielt 27 Ja- bei 73 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen. Bei Simbabwe waren es 21 Ja- und 80 Nein-Stimmen bei 11 Enthaltungen. Von einer Zweidrittelmehrheit waren sie meilenweit entfernt. Unsere Freude währte nur kurz, denn danach wurde leider auch der Antrag abgelehnt, alle Elefantenbestände in CITES Anhang I hochzustufen – die EU-Kommission, im Namen von 28 Mitgliedsstaaten, lobbyierte sehr aktiv gegen diesen Antrag. Mit 62 Ja- und 44 Nein-Stimmen ging auch dieser Antrag baden (es hätte eine Zweidrittelmehrheit gebraucht) – shame on you, EU!!!

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Für die Nashörner war dies heute jedoch ein guter Tag: Am Nachmittag wurde Swasilands Antrag, mit Rhino-Horn handeln zu dürfen, in Bausch und Bogen abgelehnt: 26 Ja- zu 100 Nein-Stimmen bei 17 Enthaltungen sind ein wahrlich vernichtendes Ergebnis. In diesem Fall stimmte die Europäische Union für den Artenschutz.

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Heute schon wieder Nachsitzen, aber es hat sich gelohnt: Der späte Abend endete mit einem Feuerwerk guter Entscheidungen: Mit überwältigender Mehrheit wurden Fuchshaie (drei Arten), Seidenhaie sowie Teufelsrochen (neun Arten) unter Schutz gestellt. Die Aufnahme in Anhang II soll den Handel künftig auf ein naturverträgliches Maß reduzieren. Damit setzt sich die Erfolgsgeschichte im Haischutz fort: Seit 2003 nahm CITES insgesamt 13 Hai- und elf Rochenarten in seine Anhänge auf – jedes Mal gegen den vehementen Widerstand von China, Japan und Island.

Threshershark_Ausschnitt(c)Petter Lindgren

Außerdem ist auch für den Orange-Prachtkaiserfisch künftig der internationale Handel begrenzt worden; diese bildschönen Korallenfische erzielen Preise von 2.400 Euro. Sechs Arten afrikanische Weichschildkröten, zwei Schlangen aus Kenia und sieben Amphibienarten wurden ebenfalls endlich geschützt. Für den Exotenhandel waren das zwei harte Tage :-).

2. Oktober 2016

Was für ein Nervenkrieg – und was für ein Überraschungssieg: Am Vormittag wurde nach zwei Stunden hitziger Debatte und in einer Geheimabstimmung ein absolutes Handelsverbot für Graupapageien beschlossen –  mit 95 Ja- zu 35 Nein-Stimmen. Vorangegangen war eine hitzige Debatte, in der sich v.a. Südafrika und arabische Länder gegen den Antrag aussprachen. Tagelang sah es nicht so aus, als hätte der Graupapagei überhaupt eine Chance. Wir sind überglücklich – auch wenn wir wissen, dass diese Entscheidung im Plenum am Mittwoch nochmal bestätigt werden muss… Am Nachmittag geht es dann um Dutzende seltene Reptilienarten – Daumen drücken!

2015_Jan_Kiste(c)LWC

Es gibt Momente, da ist Demokratie sehr schmerzhaft – z.B. heute Abend, als für Löwen leider nur ein Kompromiss möglich war. Statt einem strikten Handelsverbot (CITES Anhang I) wird der Handel nur weiter eingeschränkt: Der kommerzielle Handel mit Knochen und anderen Skelettteilen von Tieren aus freier Natur für kommerzielle Zwecke ist zukünftig verboten. Für gezüchtete Löwen wurde Südafrika lediglich aufgefordert, Ausfuhrquoten für die Ausfuhr von Körperteilen festzulegen. Hier hätten wir uns weit mehr gewünscht – aber Gastgeber Südafrika hat alle Register gezogen und damit leider Erfolg gehabt…

Heute Abend mussten wir nachsitzen: Weil noch 23 Anträge auf der Agenda für den Ausschuss standen,  gab es eine Nachtsitzung – und diese ließ den heuten Tag zum schwarzen Sonntag für Tierhändler werden: Nachdem am Vormittag ein fulminanter Sieg für die Graupapageien erzielt wurde, wurden heute Abend Reptilien gleich in Serie unter Schutz gestellt: 28 Arten Alligator-Baumschleichen (Lateinamerika), die letzten ungeschützten Chamäleons (21 Arten Zwergchamäleons aus Afrika), der psychedelische Gecko (Vietnam), der himmelblaue Zwerggecko (Tansania) etc.. Ein Feuerwerk an Erfolgen, viele dieser Tiere sind akut vom Aussterben bedroht. Acht dieser Anträge gehen auf die Arbeit von Pro Wildlife zurück. Morgen geht es weiter mit Reptilien, Amphibien, Fischen (u.a. Haie und Rochen) – und dem Showdown bei Elefanten und Nashorn.

30. September 2016

Heute und morgen pausiert die Konferenz – und den Tag heute nutzten wir für einen Ausflug in den Pilanesberg-Nationalpark: Kräfte tanken für den Endspurt. Highlight des Ausflugs war, als wir uns plötzlich inmitten zweier Elefantenherden wiederfanden. Diese hoch sozialen Tiere zu beobachten bestätigt wieder einmal, wofür es sich zu kämpfen lohnt… Morgen geht es weiter mit Arbeitsgruppentreffen und letzten Vorbereitungen für den Endspurt: Am Sonntag stehen die Entscheidungen u.a. zu Graupapagei, dutzenden Reptilien, Seiden- und Fuchshaien, Teufelsrochen und Nautilus an. Daumen drücken!

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29. September 2016

Was für ein Tag! Am Vormittag wurden alle Rosenholzarten der Gattung Dalbergia unter Schutz gestellt – und das ohne eine einzige Gegenstimme! Über 300 Arten, 250 von ihnen kommen in den Tropenwäldern Asiens, Lateinamerikas und Afrikas vor. Ein Coup gegen den unkontrollierten Tropenholzhandel – und ein Coup, um den Lebensraum von Tukanen, Affen, Papageien, Jaguaren, Nasenbären und tausenden Arten mehr zu erhalten. Wir sind mehr als zufrieden.

Falke(c)JuanLacruzDie letzte Entscheidung des Tages war nervenaufreibend: Kanada wollte die Freigabe des Handels mit Wanderfalken erreichen – und das, obwohl noch immer Eier und Jungvögel aus den Nestern gestohlen werden. Vor allem in den arabischen Ländern gelten Wanderfalken als Statussymbol; für besondere Farbformen aus bestimmten Regionen bezahlen Scheichs 50.000 Euro oder mehr. Pro Wildlife hatte vor der Konferenz einen Appell von 34 Artenschutzorganisationen gegen die Lockerung des Handelsverbotes koordiniert und in den letzten Tagen intensiv mit CITES-Mitgliedsstaaten verhandelt. Es hat sich gelohnt: Der Antrag wurde mit 52 zu 57 Stimmen abgelehnt – Kanada hätte eine Zweidrittelmehrheit gebraucht!

Am Abend stellten die USA, Fiji und Indien ihren Antrag vor, Perlboote in CITES Anhang II aufzunehmen. Diese lebenden Fossile gibt es seit 500 Mio. Jahren – und jetzt macht ihnen ein unsinniger Konsum den Garaus: Die wunderschönen Schalen des Nautilus werden zu hunderttausenden abgefischt, um als Souvenir, Ohrring oder Badezimmer-Deko verramscht zu werden. Vor zehn Jahren machte Pro Wildlife erstmals auf das Problem aufmerksam – nun endlich ist es soweit: Wir gehen davon aus, dass der Antrag auf weltweite Handelsbeschränkungen in den nächsten Tagen problemlos akzeptiert wird. [Nachtrag: Auch alle Nautilus-Arten stehen jetzt international unter Schutz]

28. September 2016

Heute ging es los mit den Listungsanträgen, die über den Schutzstatus von hunderten Wildtier- und pflanzenarten entscheiden. Was für eine Anspannung: Es steht so viel auf dem Spiel.

Für Schuppentiere war diese Konferenz der Durchbruch: Heute ist für die je vier afrikanischen und asiatischen Arten ein absolutes kommerzielles Handelsverbot beschlossen worden. Endlich! Vor 16 Jahren gab es den ersten Versuch, zumindest die vier asiatischen Arten streng zu schützen. Jetzt erst hat dies geklappt, trotz Widerstand aus Indonesien und China – und die vier afrikanischen Arten kamen am Nachmittag noch dazu. Das war auch dringend nötig, nachdem auch Afrikas Pangoline zunehmend für den Markt in Fernost geplündert wurden. Ägypten bezeichnete nicht ohne Grund diese Konferenz als Pangolin-Konferenz.

Ground_Pangolin_at_Madikwe_Game_Reserve(c)David Brossard

Wenig später dann die nächste tolle Entscheidung: Berberaffen genießen künftig den höchsten Schutzstatus bei CITES, ein absolutes Handelsverbot wurde im Konsens beschlossen. Gerade der Schutz dieser Art war uns ein großes Anliegen. Jetzt geht es weiter mit den Pflanzenanträgen…

27. September 2016

PW-Presentation_AusschnittHeute veröffentlichte Pro Wildlife seinen Bericht zum Schmuggel exotischer Haustiere „Stolen Wildlife II“. Zu unserer Präsentation kamen über 50 Delegierte sowie Presse und Naturschutzverbände. Malaysia und Guatemala berichteten, wie ihre heimischen Arten für den europäischen Heimtiermarkt geplündert werden. Die US-Naturschutzbehörde erläuterte, wie ihr US Lacey Act funktioniert – ein großartiges Gesetz, das jeglichen Fang und Export, der im Herkunftsland illegal war, auch in den USA strafbar macht. Wir fordern von der EU ein entsprechendes Gesetz. Denn es kann nicht sein, dass die Tierschmuggler weiterhin ihre lebende Hehlerware in Europa anbieten und den Vollzugsbeamten frech ins Gesicht lachen – weil sie wissen, sie können nicht belangt werden! Wie gut, dass gleich mehrere EU-Länder an unserer Veranstaltung teilnahmen. Wir konnten viele wichtige Kontakte knüpfen, v.a. zu Entwicklungsländern, mit denen wir jetzt stärker zusammenarbeiten wollen, um Tierschmuggler zu stoppen.

26. September 2016

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen der Elefanten: Im Komitee 2 wurden gleich mehrere Anträge (positiv und negativ) verhandelt. Dabei ist der Versuch der großen Mehrheit der Afrikanischen Staaten, die Diskussion über den zukünftigen Elfenbein-Handel zu beenden, gescheitert – vor allem am Widerstand der EU. 44 Länder stimmten dafür, 45 dagegen – Eine Zweidrittelmehrheit wäre nötig gewesen. Die EU stimmt übrigens zum ersten Mal als Block ab: Zuvor hatte jedes Land eine Stimme, nun sind es 28 oder keine. Dieses neue Verfahren birgt natürlich Risiken und Chancen. In diesem Fall leider kein Vorteil für Elefanten. Anschließend scheiterte der Antrag von Südafrika, Namibia und Simbabwe, einen Mechanismus zu etablieren, der in Zukunft einen unlimitierten Elfenbeinhandel ermöglichen würde: Die eindeutige Mehrheit (76 Länder) stimmte dagegen, nur 21 dafür.

Elfenbeinverbrennung_Kenia_Apr_2016(c)Facebook

So langsam wird es hitzig: Gestern sorgte ein deutscher Millionär und Großwildjäger für einen Eklat, als er auf einer Pressekonferenz Tier- und Naturschutzorganisationen, die sich für den Schutz der Löwen aussprechen, als „Kriminelle“ bezeichnete. Ein ARD-Bericht hatte vergangenes Jahr enthüllt, wie die Jagdfarm just dieses Deutschen in Simbabwe mit Entwicklungshilfegeldern unterstützt wird.

Zudem veröffentlichte Pro Wildlife mit Kollegen, u.a. von WildAid (Hong Kong), dass der Export von Elfenbeinschnitzereien aus der EU boomt: Alleine Italien exportierte letztes Jahr über 7.600 Stücke aus „altem“ Elfenbein nach Hong Kong – hundert Mal mehr als noch im Jahr zuvor. Auch England und Belgien mischen kräftig mit. Was geht da vor? Gleichzeitig wehrt sich die EU weiterhin dagegen, einen Aufruf zur Schließung nationaler Elfenbeinmärkte zu unterstützen. In vielen anderen Punkten vertritt die EU auf der aktuellen Konferenz sehr gute Positionen – und noch nie hat sie selbst so viele wichtige Schutzanträge eingebracht. Doch die kontraproduktiven Positionen zu Elefanten und Löwen trüben das Bild…

ivory_Hongkong

25. September 2016

Ein Thema, das uns aktuell Sorgen macht, ist der Graupapagei: Während wir bei vielen Schutzanträgen das Ergebnis bereits absehen können, bleibt es beim Graupapagei bis zur Abstimmung offen. Kamerun und Kongo (DRC) bekämpfen den Antrag vehement – die einzigen beiden Länder, die derzeit überhaupt noch Wildfänge exportieren dürfen. Südafrika lehnt ebenfalls ein Handelsverbot für die klugen Vögel ab und verweist dabei auf seine vielen Zuchtpaare. Aber: Wenn Südafrikas Züchter wirklich so erfolgreich wären, bräuchten sie wohl keinen Nachschub aus der Natur. Eine CITES-Anhang I-Listung würde nur Wildfänge verbieten, nicht aber den Handel mit legalen Nachzuchten. Die Argumentation läuft also ins Leere, aber Südafrika hat großen Einfluss…

Psittacus erithacus(c)Pixabay

Am Abend lud der Luxuslabel-Verband Kering (u.a. Gucci, Saint Laurent, Alexander McQueen) zum Thema „nachhaltige Nutzung“ von Pythons ein. Denn die Kritik an Reptilleder war in den letzten Jahren laut geworden – was nicht gut für die Geschäfte war… Ein von Kering bezahlter Wissenschaftler stellte nun seine Studienergebnisse vor – es passte der alte Spruch „wes Brot ich ess, des Lied ich sing“: Alles supi, der massenhafte Pythonfang aus der Natur sei nachhaltig, über die grausamen Tötungsmethoden wurde lieber nicht viel gesprochen, eine kritische Diskussion wurde vorsorglich verhindert… Die Python-Clutch also kein Tier- und Artenschutzproblem? Gar ein Beitrag zur Armutsbekämpfung? Eine Feel-Good-Message, um die betuchte Klientel nicht zu verschrecken…

24. September 2016

Der Tag heute begann mit einem kurzen SSN-Treffen – und dann ging es los zum Elefanten- und Nashorn-Marsch. Quer durch Johannesburg zogen mindestens tausend Menschen: Gesänge, Sprechchöre, Banner. Schwarze und Weiße, Junge und Alte, Arme und Reiche – die alle ein Ende des Elfenbeinhandels, der Rhinowilderei und der Löwentrophäenjagd forderten. Und Pro Wildlife mittendrin. Die Demo endete just vor dem Eingang des Konferenzzentrums, wenige Minuten vor der feierlichen Eröffnungszeremonie. Perfekt geplant, denn viele Medien waren vor Ort und berichten nun über diesen großartigen Marsch. Eine Fotoauswahl könnt Ihr auf unserer Facebookseite sehen.

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Um 10.30 wurde die 17. CITES-Konferenz mit einer wirklich tollen Zeremonie eröffnet – alle Delegierten erhielten erst einmal einen Mini-Trommelkurs. Ansonsten wird es heute und morgen im Konferenzraum eher fad – viele organisatorische Agenda-Punkte und Vorgeplänkel. Aber das gibt uns Zeit, weiter mit Delegierten zu sprechen und sie zu überzeugen. Schrittchen für Schrittchen…

23. September 2016

Man kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen: Pro Wildlife sitzt auf der CITES-Tagung ausgerechnet zwischen den Nashornfarmern (die eine Freigabe des Rhino-Handels wollen) und den südafrikanischen Berufsjägern (die Trophäenjagd und Löwenfarmen unterstützen). Na dann: Ohren spitzen, ob man links und rechts vielleicht interessante Infos aufschnappt. Die Sitzanordnung macht mal wieder deutlich, wie viele Bad Guys hier vertreten sind: Trophäenjäger, Tierhändler, die Pelz- und Luxusleder-Industrie, Haiflossenhändler, Elfenbeinschnitzer… – und alle darauf bedacht, sich ihre Geschäfte nicht von Artenschützern und CITES-Regelungen verderben zu lassen!

Heute findet der Ständige Ausschuss statt, ein Gremium, das u.a. den Vollzug der CITES-Bestimmungen überwacht. Elfenbein, Tigerknochen, Makaken: Laos wurde heftig wegen seines illegalen Tierhandels gerügt, die Demokratische Republik Kongo stand u.a. wegen ihres Graupapageienhandels in der Kritik – besonders erfreulich, dass die EU hier deutliche Worte fand. Ein wichtiges Signal für die große Entscheidung nächste Woche, ob endlich ein weltweites Handelsverbot für Graupapageien kommt. Madagaskars boomender illegaler Handel mit Rosenholz könnte zu Handelssanktionen führen.

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22. September 2016

Heute fand das Treffen des Species Survival Network (SSN) statt, einem Netzwerk aus über 100 Tier- und Artenschutzorganisationen, dem Pro Wildlife schon lange angehört. Dieses Netzwerk ist für uns äußerst wichtig, um First-Hand-Information aus vielen Ländern zu bekommen, Strategien abzustimmen und Kampagnen zu koordinieren. Gestern ging es dann darum, die neuesten Informationen auszutauschen, Gerüchte zu prüfen, Strategien zu verfeinern: Bei welchen Schutzanträgen hapert es? Welche Länder müssen noch überzeugt werden?

Es war großartig, all die Leute wiederzusehen, mit denen man teils seit Jahren an einer Initiative arbeitet – Kollegen aus Sri Lanka, Mexiko, Polen, Kenia, Chile… Viele kennen wir schon von früheren Treffen, einige hingegen nur von intensiven Email-Arbeitsgruppen. Wenn man sich dann trifft, ist man bestens mit ihnen vertraut, denn wir alle brennen für die gleiche Sache: Den bestmöglichen Schutz von Wildtieren und ihrem Lebensraum.

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21. September 2016

Letzter Tag im Büro – morgen geht es los nach Johannesburg zur Weltartenschutzkonferenz. Seit drei Jahren arbeiten wir auf diese CITES-Konferenz hin, haben Handelsdaten und Bedrohungsfaktoren recherchiert, Schutzanträge verfasst, mit Politikern in der EU und anderen Ländern verhandelt. Jetzt wird sich zeigen, bei welchen Arten sich gegen die Wirtschaftsinteressen ein stärkerer Schutz durchsetzen lässt. Wir sind gespannt, was die nächsten zweieinhalb Wochen wohl bringen.

Zentrales Thema wird der Streit um die Elefanten werden: Während die EU, südafrikanische Länder und der WWF der Meinung sind, dass Elefanten keinen strengeren Schutz brauchen, kämpft Pro Wildlife mit anderen Artenschutzverbänden und einer Koalition aus 29 afrikanischen Ländern für ein Ende jeglichen Elfenbeinhandels. Eine ähnlich kontroverse Diskussion wird es auch um Löwen und Graupapageien geben; für das beantragte Handelsverbot für Berberaffen hingegen sieht es gut aus. In unserem Team sind die Biologin Daniela Freyer und die Wildlife-Managerin Adeline Fischer u.a. zu diesen Themen im Dauereinsatz.

Aber es stehen auch viele weitere, weniger bekannte Arten auf der Tagesordnung: Mit so vielen durch uns initiierten Anträgen wie diesmal sind wir noch nie zu einer CITES-Konferenz gefahren. Quasi von A bis Z: Von Abronia (seltene Echsen aus Zentralamerika) über Nautilus bis hin zu Zwergchamäleons aus Afrika. Diese bedrohten Tiere kennt kaum jemand – umso wichtiger ist es, dass sich Pro Wildlife nicht nur um die „sexy Arten“ kümmert, sondern sich auch für solche Tiere einsetzt, die nicht im Rampenlicht stehen. Für diese Arten setzt sich Sandra Altherr, ebenfalls Biologin, unermüdlich ein.

Die Konferenz beginnt erst am 24. September – zuvor stehen u.a. Koordinationstreffen mit den Kollegen aus dem Species Survival Network an, einem Netzwerk aus über 100 Tier- und Artenschutzverbänden aus 80 Ländern: Bei welchen Arten gibt es Schwierigkeiten? Auf welche Länder müssen wir uns konzentrieren, um sie für einen besseren Schutz zu überzeugen?

Auf geht’s!

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