Durch Wilderei gefährdet: Mit bis zu 60.000 US-Dollar pro Kilo ist das Horn von Nashörnern mehr wert als Gold.

Wilderei, Jagd und Tierschmuggel sind in vielen Ländern außer Kontrolle geraten. Gleichzeitig wird die Rote Liste gefährdeter Arten immer länger: 23.250 Tier- und Pflanzenarten gelten als bedroht.

Wilderei bedroht tausende Arten

Besonders von Wilderei bedroht: Spitzmaulnashorn

Spitzmaulnashorn © Martin Harvey

In vielen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas hat die kommerzielle Wilderei stark zugenommen. Viele Tierarten werden durch die illegale Jagd an den Rand der Ausrottung gebracht, weil Stoßzähne, Hörner, Felle, Knochen, Fleisch und andere Körperteile auf dem Schwarzmarkt begehrt sind. Die Tiere haben immer weniger Rückzugsgebiete, in denen sie sich vor den Jägern in Sicherheit bringen können. Dabei gibt es längst nicht mehr nur die Einheimischen, die aufgrund von Armut auf der Suche nach einer kostenlosen Fleischquelle sind. Wilderer sind heute häufig nur das Anfangsglied in einer Kette international organisierter Netzwerke. Die kriminellen Händler am Ende dieser Kette sind es, die mit dem illegalen Handel bedrohter Arten Milliardenbeträge umsetzen.

In einigen asiatischen Ländern wie China und Vietnam, in denen eine Vielzahl von Wildtierprodukten konsumiert und gehandelt werden, ist zudem der Wohlstand deutlich angestiegen. Dies hat die Nachfrage nach Elfenbein, Nashorn-Horn, und Produkten einer Vielzahl anderer Tiere und damit auch die Wilderei stark ansteigen lassen. Für diesen Markt geplündert werden neben Nashorn und Elefanten auch Schuppentiere, Tiger, Löwen, Haie und Rochen. Wilderer schlachten in Afrika jedes Jahr etwa 20.000 Elefanten wegen ihrer Stoßzähne ab. Auch die illegale Jagd auf Nashörner hat dramatisch zugenommen: 2007 wurden in Südafrika noch 13 Tiere gewildert, 2015 waren es 1.175. In Afrika und Asien werden zudem verschiedenste Affenarten für den Verzehr und den illegalen Handel mit sogenanntem „Buschfleisch“ gejagt, darunter auch die hochbedrohten Gorillas und Schimpansen. Fleisch und Körperteile werden zunehmend auch in den Städten der Region an wohlhabende Konsumenten verkauft.

Es gibt viele Ursachen für die zunehmende Wilderei:

  • explodierende Preise und eine steigende Nachfrage eines globalisierten Marktes nach Tierprodukten für Luxusprodukte, vermeintliche Heilmittel oder Statussymbole
  • verbreitete Korruption im lukrativen Geschäft mit Wildtieren und kriminell organisierte, internationale Syndikate
  • eine rasant fortschreitende Erschließung von Wildnisgebieten, um Holz oder Rohstoffe zu gewinnen
  • steigende Bevölkerungszahlen sowie zunehmende Armut
  • die zunehmende Verfügbarkeit automatischer Waffen; in vielen Gebieten z.B. in Afrika schüren zudem bewaffnete Milizen und Konflikte die Wilderei.

Ich fordere alle Verbraucher, Anbieter und Regierungen auf, Wilderei als Gefahr für unsere nachhaltige Zukunft anzusehen. Es ist Zeit, ernsthaft gegen diese Verbrechen vorzugehen.

Ban Ki-moon, ehem. UN-Generalsekretär

Legale Jagd für Trophäen und Handel

Viele Elefanten fallen der Wilderei zum Opfer

Elefantenherde © Shannon Wild

Doch nicht nur Wilderei und Tierschmuggel, auch die legale Jagd bedroht die Wildtierbestände. Viele Länder erlauben den Abschuss gefährdeter und geschützter Arten als Trophäen für zahlungskräftige Hobbyjäger. Dies betrifft beispielsweise Elefanten, Löwen, Leoparden, Nashörner, Eisbären, Braunbären, Wölfe und viele andere bedrohte Arten. Abschussquoten sind dabei meist willkürlich gesetzt und die Jagd wird kaum kontrolliert. Einige Länder erlauben Abschüsse – auch gefährdeter Arten – zudem noch immer für den kommerziellen Handel. In Kanada z.B. sind Abschuss und Ausfuhr von Eisbären für den kommerziellen Fellhandel sowie für Jagdtrophäen erlaubt. Auch andere Tierarten – vom Luchs bis zum Koyoten – werden noch immer für den Pelzhandel in freier Natur gejagt oder in grausamen Fallen gefangen. Wildlebende Krokodile, Schlangen, Warane und andere Reptilien werden für den internationalen Häutehandel getötet – mit oft gravierenden Folgen für die Biodiversität.

Wilderei und Tierhandel gehören zu den größten Herausforderungen im Artenschutz. Pro Wildlife kämpft gegen Wilderei und Tierschmuggel. Wir setzen uns für Jagd- und Handelsverbote und deren konsequente Umsetzung ein. Pro Wildlife unterstützt eine Initiative in neun Ländern Afrikas, die Wilderer, Tierschmuggler und korrupte Behörden überführt und dafür sorgt, dass Artenschutzdelikte strafrechtlich verfolgt werden. Um Jagd und Wilderei einzudämmen, fördern wir zudem Bildungsprojekte und helfen, alternative Einkommensquellen zu entwickeln. Der Kampf gegen Wilderei und Tierschmuggel ist in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Politik gerückt. Immer mehr Regierungen erkennen, die enorme Bedrohung für Wildtiere und verstärken ihre Anstrengungen. In anderen herrschen weiterhin Korruption und Untätigkeit – es bleibt deshalb noch viel zu tun, um Wilderei und Tierschmuggel in den Griff zu bekommen.