Antarktis – Schutzgebiete für den eisigen Kontinent.

Neue Schutzgebiete für Robben, Wale und Meeresvögel.

Vor knapp 200 Jahren erst wurde die Antarktis entdeckt – und sie geriet wegen ihres Arten- und Rohstoffreichtums schnell ins Visier einer internationalen Industrie: Wal- und Robbenjäger ließen die Bestände der Meeressäuger zusammenbrechen, bis heute sind riesige Fischfangflotten dort unterwegs. Schnell wurde deutlich, wie fragil das riesige Ökosystem um den Südpol ist: 1982 wurde deshalb die „Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis“ (englisch CCMLAR) gegründet – eine erste, dringend notwendigen Schutzmaßnahme.
Pinguine © NOAA

Pinguine © NOAA

Fischerei außer Kontrolle

In den eisigen, sauerstoffreichen Gewässern der Packeiszone findet sich eines der üppigsten Ökosysteme der Welt: Mehr als 200 Fischarten sind hier bekannt, viele davon äußerst begehrt in der kommerziellen Fischerei. Marmorbarsch, Eisfisch, Seehecht – eine Fischart nach der anderen wurde bis zum kommerziellen Exitus abgesammelt. Rekordpreise von mehreren tausend Euro pro Antarktischem Riesendorsch oder 500.000 Euro pro Rotem Tunfisch machen auch illegalen Fang äußerst lukrativ.

Grundlage der gesamten marinen Nahrungskette sind der Antarktische Krill (Foto) und andere Kleinkrebse. Doch auch sie sind nicht vor Raubbau verschont: In den letzten Jahrzehnten ist die Krill-Fischerei regelrecht explodiert – auf mehr als 200.000 Tonnen jährlich. Der Krill wird zu Fischmehl verarbeitet, das wiederum in der stark wachsenden Aquakultur verfüttert wird.

Massentourismus und Antarktis-Kreuzfahrt: Weißes Paradies in Gefahr

Tollpatschige Pinguine, majestätische Blauwale, kulleräugige Robben – viele Bewohner des Südpols sind beliebte und großartige Botschafter für ihren einzigartigen Lebensraum. 25 Vogelarten leben und brüten hier, darunter 19 flugfähige Arten wie Königsalbatros oder Silbersturmvogel, aber auch sechs Pinguin-Arten, wie der Kaiserpinguin oder der Goldschopfpinguin (im Englischen Macaroni genannt).

Die Chance, Blau- oder Buckelwale aus der Nähe zu erleben, Pinguinen beim Brüten zuzuschauen oder gigantische magische Eisformationen zu betrachten, zieht inzwischen dutzende Kreuzfahrtschiffe und Yachten mit zehntausenden Touristen jährlich in die Antarktis. Die Urlaubsexpeditionen sind zum ernsten Problem geworden, denn in der eisigen Kälte baut sich kein Müll ab, erholt sich zertrampelte Vegetation auf kargem Gestein kaum mehr, sind Benzinspuren eine Katastrophe.

Ein Netz von Schutzgebieten als Ziel

1991 wurde die Antarktis zum Naturreservat erklärt, doch dies reicht nicht aus: 2016 wurde das Ross-Meer zum Meeresschutzgebiet ernannt – mit einer Gesamtfläche von mehr als 1,5 km² und einer Kernschutzzone von 1,1 Mio. km², in der für 35 Jahre jegliche Fischerei verboten ist. Und dabei soll es nicht bleiben: Deutschland, mit Unterstützung der EU, hat ein Schutzgebiet um das Weddell-Meer in der Größe von 1,8 Mio. km² vorgeschlagen (fünf Mal so groß wie Deutschland) – es wäre das weltgrößte Meeresschutzgebiet, das Lebensraum für 14.000 Tierarten bietet. Weitere Schutzgebiete in der West- und Ost-Antarktis sollen bis 2020 folgen. Ein wichtiger Plan – wenn nicht Norwegen, China und Russland den notwendigen Konsens gefährden würden…

Was können Sie tun?

Pro Wildlife arbeitet mit der Antarctic and Southern Ocean Coalition (ASOC) zusammen und unterstützt die Pläne für neue Antarktis-Schutzgebiete, die bei der CCAMLR-Tagung (16.-20. Oktober 2017) zur Diskussion stehen. Um Norwegen, China und Russland zu überzeugen, sich diesen Schutzgebieten nicht zu verweigern, haben wir eine Petition gestartet, die sich an die drei Länder richtet.

» Petition für mehr Schutzgebiete

 

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