Appetit auf Hai – der Jäger auf dem Teller

Vorliebe der Deutschen für Schillerlocken bedroht Dornhai. 

Der Dornhai (lat. Squalus acanthias) ist durch Überfischung bedroht und wird in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN als gefährdet („vulnerable“) geführt. Größter Importeur für den Dornhai ist die EU. In Deutschland sind besonders die geräucherten Bauchlappen als Schillerlocken beliebt, und in Gelee mariniert kommt das Fleisch als Seeaal in den Handel. Im Vereinigten Königreich ist Dornhai als „rock salmon“ bekannt und wird teilweise für die bekannten „Fisch und Chips“ verwendet. Dornhai wird frisch, gefroren, getrocknet und gesalzen und geräuchert angeboten.
landing spiny dogfish(c)NOAA

© NOAA

Warum ist der Dornhai so bedroht?

Dornhaie pflanzen sich erst sehr spät fort. Das Alter bei Erreichen der Geschlechtsreife hängt von Geschlecht und Region ab. Für Weibchen werden 10-35 Jahre, für Männchen 6-14 Jahre angegeben. Die Art ist lebend gebärend, die Tragzeit variiert regional zwischen 18 und 24 Monaten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tier gefangen wird, bevor es auch nur einmal Nachkommen produzieren konnte, ist entsprechend hoch. Doch gerade dieses «einmal Junge bekommen» ist die biologisch wichtigste Voraussetzung für den Weiterbestand einer Art. Dornhai-Schwärme treten meist geschlechtsgetrennt auf, also in Schwärmen von ausschließlich Weibchen oder Männchen. Ein einziger Fischzug kann alle geschlechtsreifen oder bereits trächtigen Weibchen eliminieren.

Gibt es nachhaltig gefischten Dornhai?

Trotzdem vergibt der MSC (Marine Stewardship Council) seit 2012 ein Nachhaltigkeitssiegel für Dornhai aus dem Nordwestatlantik. Die Dornhai-Industrie in den USA und Kanada hatten eine Zertifizierung beantragt, um den massiven Rückgang der Nachfrage an Dornhai-Produkten gerade in Deutschland seit 2008 entgegenzuwirken. Damals war die Bedrohung der Haie erstmals der Öffentlichkeit in Deutschland bewusst geworden. Unverständlich ist, das der MSC nun durch eine Zertifizierung den Markt wieder massiv belebt. Marine Wissenschaftler haben diese Entscheidung massiv kritisiert. Schon jetzt sind die Bestände in den betroffenen Gebieten überfischt, der Anteil größerer und somit älterer Haie ist sehr gering. Prognosen rechnen mit Bestandsrückgängen ab 2012. Zudem gibt es weniger geschlechtsreife Weibchen als Männchen: In nur 10 Jahren sind die Bestände geschlechtsreifer Weibchen um 75 Prozent zurückgegangen. Dabei ist u.a. die Fangmethode mit Stellnetzen genehmigt, obwohl Studien nachweisen konnten, dass diese Methode in dem betroffenen Fanggebiet hinsichtlich des Beifangs weiterer bedrohter Arten wie Schweinswalen, Delfinen und Meeresschildkröten äußerst problematisch ist. Zudem zeigen Bestandsberechnungen, dass die befischten Populationen ab dem Jahr 2014 massiv einbrechen werden. Obwohl diese Fakten bei der Zertifizierung bereits bekannt waren, wurde das Siegel vergeben.

Dornhai © Clinton Duffy

Dornhai © Clinton Duffy

Warum bekommt die Dornhai-Fischerei trotzdem das Nachhaltigkeitssiegel?

Die 31 Kriterien, nach welchen das Siegel vergeben wird, sind nicht absolut bindend. Werden einige nicht erfüllt, vergeben die Zertifizierer dennoch den blauen Button, da der Gesamteindruck zählt. Nur 60-80 Prozent der Standards müssten erfüllt sein, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält. Darüber hinaus bestehen Zweifel an der Unabhängigkeit von eingesetzten Gutachtern, die die Firmen zertifizieren. Die Firma kann frei zwischen mehreren Zertifizierungs-Unternehmen wählen. Problematisch ist, dass diese direkt von den Fischerei-Unternehmen bezahlt werden .

Der Fischereiwissenschaftler Rainer Froese ist zusammen mit dem Trierer Juristen Alexander Proeßl in einer Studie zu dem Ergebnis gekommen, dass rund ein Drittel der MSC-Bestände nicht nachhaltig befischt werden. Dessen Fehler sieht Froese in zu laschen Kriterien bei der Vergabe. Und er kritisiert, dass überfischten Beständen wie etwa dem Seelachs in der Nordsee nicht das Siegel entzogen werde. Diese Umstände ermöglichen es, auch ungesunde und ausgezehrte Bestände zu befischen, hohe Beifänge zu tolerieren und letztendlich den Erhalt des Ökosystems zu gefährden.

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