Umweltschützer kritisieren Verkauf geschützter Zwergwale in norwegischen Filialen.

München, 15. Juli 2015. Die Handelskette SPAR Norwegen verkauft das Fleisch geschützter Zwergwale, die in norwegischen Gewässern gejagt wurden. Dies geht aus dem Recherchepapier „Convenience Kills“ hervor, das eine internationale Koalition aus Umwelt- und Artenschutzorganisationen* am Mittwoch veröffentlicht. Eine gemeinsame Petition der Verbände fordert SPAR International und die Zentralen in Deutschland und Österreich auf, bei SPAR Norwegen gegen den Verkauf von Walfleisch zu intervenieren.
Walfleisch ist in einem großen Teil des norwegischen SPAR- und EuroSPAR-Netzes ebenso erhältlich wie in Läden der Muttergesellschaft NorgesGruppen. Umweltschützer dokumentierten Walfleischverkäufe in verschiedenen Filialen, wobei die Kilopreise von 64,90 norwegischen Kronen (€ 7,35) für Walfleisch-Streifen über 89,90 Kronen (€ 10,18) für abgepacktes Walfilet bis zu 99 Kronen (€ 11,21) für frisches Walfleisch an der Fleischtheke reichten.

Die sechs Organisationen fordern SPAR Norwegen auf, in Zukunft kein Walfleisch mehr zu verkaufen. Unterstützt wird dies durch eine Petition an die SPAR-Geschäftsführung in Norwegen, die Zentrale von SPAR International in den Niederlanden und an regionale SPAR-Ketten.

„Seit Jahren stagniert  der Konsum von Walfleisch in Norwegen „, berichtet Sandra Altherr, Kampagnenleiterin von Pro Wildlife. „Indem SPAR Norwegen Walfleisch verkauft, unterstützt die Handelskette eine grausame und antiquierte Industrie, die geschützte Arten ausbeutet – für ein verantwortungsvolles Unternehmen sollte das ein klares No-Go sein.“  Altherr verweist auf eine Meinungsumfrage, die 2014 in Deutschland und Großbritannien durchgeführt wurde: „80 Prozent der Befragten wollen keinen Fisch von Unternehmen kaufen, die mit dem Walfang verbunden sind“.

„Ohne die brutalen Aktivitäten einiger weniger Staaten wäre die Jagd auf Großwale schon dort, wo sie hingehört: in den Geschichtsbüchern“, betont Clare Perry, Kampagnenleiterin der Environmental Investigation Agency. Paul Thompson, Gründer der CarbonFix Foundation, sagt: „Die Bedeutung der Wale für ein intaktes Ökosystem Meer und für gesunde Fischbestände wird immer klarer. Dass Länder wie Norwegen dies gefährden ist widersinnig.“

In den vergangenen Jahren hat Norwegen seine Waljagd stark ausgeweitet und seine selbst erteilten Fangquoten von 549 Walen im Jahr 2001 auf inzwischen 1.286 Wale erhöht. Die laufende Zwergwal-Jagdsaison begann am 1. April 2015; bis zum 6. Juli wurden bereits 534 Wale mit Explosivharpunen getötet (>> Hintergründe).

Norwegen hat Vorbehalte gegen das weltweite Moratorium für kommerziellen Walfang sowie gegen das internationale Verbot des Handels mit Zwergwalen eingelegt und ist somit formaljuristisch nicht daran gebunden. Im Jahr 2014 tötete Norwegen mehr Wale als Island und Japan zusammen.

* Der Kurzbericht „Convenience Kills“ wird veröffentlicht von Animal Welfare Institute, Environmental Investigation Agency, CarbonFix Foundation, OceanCare, Pro Wildlife und Robin Des Bois.

 

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